Marode Schule Wie es am Alten Postweg weiter gehen soll

Baufehler sind offensichtlich der Grund für die Probleme an der Statik in der Grundschule am Alten Postweg. Während diese Fehler beseitigt werden, laufen parallel die Planungen für den Ganztagsausbau weiter.
19.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie es am Alten Postweg weiter gehen soll
Von Christian Hasemann

Seit zwei Wochen hat ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler der Grundschule am Alten Postweg in Hastedt neue Klassenzimmer. Dass es sich dabei um Büroräume des leer stehenden Telekomgebäudes an der Stresemannstraße handelt, macht klar, dass dies eine Notlösung sein muss. Im Beirat Hemelingen hat es nun einige neue Details zu den laufenden Arbeiten und Schäden am maroden Altbau der Grundschule gegeben, die zu der kurzfristigen Schließung führten. Es bleiben aber offene Fragen.

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Susanne Kirchmann, Geschäftsführerin von Immobilien Bremen (IB), hatte sich in die virtuelle Sitzung zugeschaltet und stellte den Beiratsmitgliedern vor, was das städtische Unternehmen, das zuständig für die öffentlichen Gebäude ist, vorgefunden hat. „Es gibt unterschiedliche Befunde zur Statik“, sagte sie. „In den Decken im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss wurde zu viel Estrich aufgetragen und dadurch sind die Decken überlastet.“ Eine Vermutung: Bei zurückliegenden Sanierungsarbeiten wurde dickerer Estrich gegossen, um für mehr Schallschutz zu sorgen. Das verträgt sich offensichtlich nicht mit dem statischen Aufbau des 1910 errichteten Gebäudes. Nun soll dieser Baufehler beseitigt werden. „Wir werden alle Estriche, die falsch eingebaut wurden, ausbauen und mit Trockenestrich austauschen“, so Kirchmann über die nun anstehenden Arbeiten.

Trockenestrich für weniger Gewicht

Der Vorteil von Trockenestrich: Er ist deutlich leichter als sogenannter Fließ- oder Betonestrich und ist außerdem direkt begehbar. Trockenestrich wird daher häufig bei Altbausanierungen verwendet oder bei Gebäuden mit einer begrenzten Tragkraft.

Susanne Kirchmann hält an dem bisherigen Zeitplan, die Schülerinnen und Schüler ab Pfingsten wieder im Alten Postweg unterrichten zu können, fest. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bis Pfingsten fertig sind und die Kinder guten Gewissens hinschicken können.“

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Christian Kornek (CDU) wollte wissen, ob dies nun eine Lösung auf Dauer sei oder kurzfristig dann wieder etwas gemacht werden müsse. Für die Gebäudesicherheit würden die Maßnahmen ausreichen, sagte Kirchmann. „Aber die Schule soll für den Ganztag umgebaut werden.“ Die überlastete Statik ist bei vorbereitenden Untersuchungen für den geplanten Ausbau der Schule aufgefallen. Ob die Bausubstanz für einen Umbau noch ausreicht, sollen die parallel zu den Ausbesserungsarbeiten laufenden Untersuchungen zeigen. „Dann wird entschieden, ob es zu einer Sanierung oder einem Ersatzbau kommt“, sagte Kirchmann.

Containerplatz gesucht

Egal zu welcher Entscheidung die Verantwortlichen kommen: Auf die Schule wird beim Ausbau zur Ganztagsschule eine Zwischenlösung mit Containern zukommen. „Wie sieht es mit der Aufstellung von Containern aus? Es wurden der Jacobsberg und die Malerstraße vorgeschlagen?“, wollte Christa Komar (Grüne) wissen. „Wenn es zum Ganztag kommt, dann wird es zu einer Containerlösung kommen, weil wir die Schule nicht im laufenden Betrieb umbauen können“, lautete die Antwort von Susanne Kirchmann. Die Planungen für den Ganztagsausbau seien weiter im Zeitplan. Einen konkreten Termin, wann die Bestandsaufnahme des Altbaus abgeschlossen und wann mit einer Entscheidung zu einem Abriss oder einer Sanierung zu rechnen ist, nannte sie nicht.

Im Beirat kristallisierte sich der Wunsch nach einer umfassenden, großen Lösung heraus. „Seit über zehn Jahren sprechen wir über den schlechten Zustand der Schule“, sagte Hans-Peter Hölscher (SPD). „Ein Abriss ist eine Option, ich möchte, dass sich Immobilien Bremen, das Bildungs- und Finanzressort und die Bausenatorin an einen Tisch sitzen“, forderte er. Uwe Janko (FDP) argumentierte in eine ähnliche Richtung: „Das Gebäude ist für mich baufällig, da macht eine 'Quick-and-dirty'-Lösung (etwa: schnell und schmutzig) keinen Sinn.“

Niels Weller, Abteilungsleiter Schul- und Kitabau im Bildungsressort, lenkte den Blick auf den eher inhaltlichen Teil der Übergangslösung im Telekomgebäude. „Das Gebäude ist nicht ideal, das ist klar, wir können daraus in zwei Wochen keine Schule machen.“ Es sei aber das einzige Gebäude gewesen, das frei gewesen sei und in der Nähe gelegen habe. „Von uns aus haben wir das Bestmögliche getan, um die Schule zu unterstützen.“ Derzeit werde daran gearbeitet, die Pausensituation zu verbessern. Derzeit können die Schüler nur eingeschränkt die Parkplatzfläche des Gebäudes nutzen. Zur Schülerbeförderung per Bus zu Corona-Zeiten sagte Weller: „Es gilt, dass kein Schüler stehen darf. Es werden zwei Busse eingesetzt. Natürlich können da die Abstände nicht eingehalten werden.“

Dank für Engagement der Lehrer

Elternsprecherin Wiebke Lewerenz wies auf die schwierige Situation von Eltern hin, die sich bald für eine Grundschule für ihre Kinder entscheiden müssen. „Wir müssen mit den Eltern kommunizieren, wie es mit der Schule weitergeht.“ Die Elternsprecher hätten die Sorge, dass die Schule „ausblute“. Gemeint ist, dass Eltern bei der Schulwahl lieber eine andere Schule auswählen, weil sie nicht wissen, wie es am Postweg weitergeht.

Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) bedankte sich ausdrücklich beim Kollegium der Schule. „Seit fast 20 Jahren wird der mangelhafte Zustand der Schule verwaltet. Ich möchte mich bei dem Kollegium für das große Engagement bedanken, mit dem sie diesen Mangel ausgeglichen haben.“

Drei Anträge hatten die Fraktionen des Beirats vorbereitet. Diese wurden allerdings im Anschluss an die Diskussion in den Bildungsausschuss an diesem Montag verwiesen, der sich im Detail mit der Schule befassen soll. Denn noch sind viele Fragen offen darüber, wie es am Postweg weitergeht.

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Zur Sache

Rechtsanspruch auf Ganztagsplatz

Der Bund will bis 2025 einen Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung für jedes Grundschulkind einführen. Doch dafür fehlen Studien zufolge bundesweit Hunderttausende Nachmittagsplätze. Auch in Bremen kann bis zum Stichtag voraussichtlich nicht allen Kindern ein Ganztagsplatz angeboten werden. Von 107 Grundschulen im Land Bremen sind 61 Schulen im Ganztagsbetrieb. Allerdings sind einige Schulen im offenen Ganztags-Betrieb, dort haben oft nicht alle Kinder einen Nachmittagsplatz. Insgesamt haben derzeit 45 Prozent der mehr als 23.000 Grundschüler im Land Bremen einen Ganztagsplatz.

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