Verkauf des Könecke-Geländes

Ein Neues Zentrum für Hemelingen

Hemelingen stehen in den kommenden Jahren große strukturelle Veränderungen bevor. Mit dem Kauf des Könecke-Geländes durch den Immobilienkonzern Wohninvest steigen die Chancen auf eine rasche Entwicklung.
06.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Neues Zentrum für Hemelingen
Von Christian Hasemann

Der Verkauf des Könecke-Geländes an den Fellbacher Immobilienkonzern Wohninvest wird im Stadtteil begrüßt. Die Stadtteilpolitik verspricht sich nun die Entwicklung eines neuen Hemelinger Zentrums aus einem Guss.

2019 hatte der Konzern aus Süddeutschland, der im selben Jahr als Sponsor beim Fußballverein Werder Bremen eingestiegen war und damit seinen bisher in Norddeutschland weitgehend unbekannten Namen bekannt gemacht hatte, bereits das Coca-Cola-Gelände gekauft. Seit Ende 2020 läuft dort der Abriss der alten Lagerhallen und Produktionsanlagen, zuletzt wurde der weithin sichtbare ehemalige Brauturm abgetragen.

Hoffnung auf schnelle Entwicklung

Für Ortsamtsleiter Jörn Hermening ist der Verkauf an Wohninvest eine gute Nachricht. „Wir haben so die Chance auf eine abgestimmt, gemeinsame und schnellere Entwicklung, auch des Könecke-Areals“, sagt Hermening, der von seinem Büro in der Godehardstraße nur wenige Fußminuten zur zukünftigen Baustelle zurücklegen muss. Für Hermening zählt dazu unter anderem eine gemeinsame Verkehrsplanung und eine abgestimmte Infrastruktur. „Wohninvest hat sich bisher sehr kooperativ und offen gezeigt, sie haben zugesagt, hier auf Dauer tätig sein zu wollen und nicht nur kurzfristig. Das spricht auch für nachhaltige Entwicklungen.“

Hermening sieht vor allem in dem neuen Wohnraum, bis zu 900 Wohnungen könnten auf dem knapp acht Hektar großen Gesamtareal Cola-Könecke entstehen, und für das Gewerbe in Hemelingen Chancen. „Hier wird ein großes neues Quartier entstehen, Wohnraum, der dringend benötigt wird, und damit auch Kaufkraft für die lokalen Gewerbetreibenden.“ Zusätzliche würden neue Begegnungsmöglichkeiten und ein neues Gesicht für den Eingang nach Hemelingen von Hastedt kommend geschaffen. „Ohne solche Investitionen hätten wir hier einen großen Leerstand, der vor sich hin rottet und auch Gefahren mit sich bringt, wie wir ja schon damals beim Brand auf dem Könecke-Gelände gesehen haben.“

Platz für Zwischennutzer

Auf dem Coca-Cola-Gelände wird es nach den derzeitigen Plänen einen sogenannten Vollsortimenter geben, das ist ein Supermarkt mit einer breiten Produktpalette. „Das wäre natürlich super“, so Hermening. Im Beirat habe es außerdem den Gedanken gegeben, im vorderen Bereich an der Hastedter Ecke das Berufsschulzentrum Ost zu verorten. „Wunderbar wäre auch, wenn die kleinen Start-Ups aus dem Verwaltungsgebäude von Könecke einen dauerhaften Standort im neuen Quartier finden könnten.“

Lesen Sie auch

Zunächst müssen sich die Mieter, vor allem Künstler und Kleinunternehmer, im Verwaltungsgebäude von Könecke keine Sorgen über einen baldigen Abriss machen. Jens Lütjen, geschäftsführender Gesellschafter beim Immobilienunternehmen Robert C. Spies, das als Berater für die Entwicklung des Gesamtgeländes auftritt, und Jan Leis, Projektentwickler für Wohninvest, haben im Gespräch mit dem Weser-Kurier angekündigt, weitere Zwischennutzungen zu ermöglichen. „Wir sind sehr motiviert, Zwischennutzungen zu finden“, sagt Lütjen und nennt als Beispiel das Kellogg-Gelände in der Überseestadt, wo dies gut gelungen sei. Jan Leis nennt die Kunstausstellung „Kunst bis zum Ende“ auf dem Coca-Cola-Gelände als Beispiel. „Das war der Hammer, extrem beeindruckend.“

Lesen Sie auch

Für Jörn Hermening steht fest, dass im Zusammenspiel mit der Union-Brauerei in der Bahnhofstraße insgesamt ein attraktives Quartier entstehen könnte. In diesem Frühjahr hatte die Union-Brauerei angekündigt, in einem Teilbereich der Wilkens Silberwarenmanufaktur einen weiteren Standort mit Brauerei und Kaffeerösterei sowie Restaurant zu eröffnen.

Infrastruktur als Standortfaktor

Während Investoren entlang der Bahnhofstraße ihre Projekte vorantreiben, wird auch die Infrastruktur in Hemelingen mit wachsen. An der Zeppelinstraße wird derzeit eine neue Eisenbahnüberführung gebaut, Teil der Bauarbeiten ist auch eine Neugestaltung des Straßenbereichs vor dem Könecke-Gelände. Gleichzeitig laufen auch die Vorbereitungen für den Neubau der Bahnhöfe Föhrenstraße Oben und Föhrenstraße Unten.

Alle drei Infrastrukturmaßnahmen werden voraussichtlich die Anbindung des neuen Quartiers und der Bahnhofstraße deutlich verbessern. Zusätzlich wird die Fahrradpremiumroute quer über das Coca-Cola-Könecke-Gelände führen. Gewünscht, aber noch Zukunftsmusik ist die Öffnung Hemelingens zum Wasser und zum Hemelinger Hafen hin. Insgesamt dürften diese Infrastrukturprojekte den Standort Hemelingen für Investoren nicht uninteressanter gemacht haben.

Info

Zur Sache

Auf Wachstumskurs

Das Unternehmen Wohninvest Holding GmbH hat seinen Hauptsitz in Fellbach, Baden-Württemberg. Stand 2019 befinden sich in seinem Portfolio Immobilien im Wert von 500 Millionen Euro. Gründer und Geschäftsführer ist Harald Panzer. Das Unternehmen sponsort verschiedene Sportvereine, darunter auch Werder Bremen. 2019 kaufte Wohninvest für 30 Millionen Euro die Namensrechte am Weserstadion. 2019 geriet das Unternehmen im Zuge von Untreue-Vorwürfen gegen die GVV-Hausverwaltungsgesellschaft in den Fokus von Ermittlungsbehörden. Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft betrafen nach übereinstimmende Berichten süddeutscher Zeitungen auch Büros von Wohninvest.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+