Traveller-Stammtisch

Eigentlich ist die Welt nur ein großes Dorf

Vom Reisen können die Mitglieder des Traveller-Stammtischs nicht genug kriegen. Allerdings sind sie ein wenig einseitig unterwegs: Ihre Vorliebe gilt „Asien und umzu“.
15.10.2019, 18:43
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Markwort
Eigentlich ist die Welt nur ein großes Dorf

Guter Dinge: die Mitglieder des Traveller-Stammtisches.

Christian Markwort

In Thailand kennen die Menschen eigentlich nur zwei Jahreszeiten: die Trockenzeit („rainy season“) und die Trockenzeit („dry season“). Die Regenzeit dauert in den meisten Gebieten des südostasiatischen Landes von Juni oder Juli bis Oktober oder November, die Trockenzeit meist von Dezember bis einschließlich Mai. Während der Regenzeit wird Thailand jährlich von durchschnittlich etwa 20 Taifunen heimgesucht, viele davon wirken sich in den meisten Gebieten allerdings nur als starke Regenfälle aus. Und ausgerechnet während eines dieser schweren Unwetter begegneten sich der heute 87-jährige Günter Renemann aus der Vahr und seine heutige Ehefrau Pit, die beide auf der Flucht vor den Wassermassen in ein Kaufhaus in Pattaya geflüchtet waren. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt die heute 47-Jährige, die seit mittlerweile 13 Jahren mit dem Gründungsmitglied des ersten Bremer Traveller-Stammtisches verheiratet ist.

Auf die Idee zu diesem etwas außergewöhnlichen Stammtisch kam der 61-jährige Heinz Mahnke aus Hemelingen, als er Anfang 1982 als Abiturient von einer neunmonatigen Asienreise zurück in seine Heimatstadt kam. „Es waren neun äußerst spannende Monate in Indien, Nepal und Sri Lanka auf Low-Budget und in eher Minus-Fünf-Sterne-Unterkünften“, blickt Mahnke schmunzelnd auf die Anfänge zurück. „Im September ging es zurück, da ich die Zusage für meinen Studienplatz hatte, die Lust am Reisen war auf jeden Fall geweckt, doch wie konnte ich an geeignete Informationen und wertvolle Tipps für Ziele in Fernost bekommen?“ Das sei schließlich die Geburtsstunde des Stammtisches gewesen.

Zum ersten Treffen fanden sich rund ein Jahr darauf neben Mahnke noch drei weitere Freunde des asiatischen Kontinents zusammen, darunter auch die Delmenhorsterin Ingrid Rudolph und Ingo Minkmann aus dem Steintor. „Uns ging es neben dem Austausch von eigenen Erfahrungen vor allen Dingen darum, Informationen zu bekommen und weiter zu geben, wie man am besten wohin kommt“, erläutert Mahnke die Intention. Zu Zeiten, in denen das Internet noch nicht existiert habe, sei es „verdammt schwierig gewesen, die wichtigsten Grundinformationen zu bekommen“, führt Mahnke aus, „mit unserem Stammtisch wollten wir dieses Problem lösen.“

Pokalfinale in China gesehen

Mit der Zeit wuchs die Mitgliederzahl stetig an, zunächst inserierte Mahnke in Zeitungen, mittlerweile verschickt er E-Mails und lädt die derzeit 30 Mitglieder auf digitalem Wege ein. „Wir sind kein Verein“, betont der Initiator, „bei uns läuft alles nur ganz verbindlich unverbindlich.“ Auch die Zielorte hätten sich im Laufe der vielen Jahren verändert, jetzt lautet das Stammtisch-Motto „Asien und umzu“, da die einzelnen Mitglieder „gerne einmal einen Blick über den Tellerrand werfen“, wie beispielsweise Joachim Bohling erklärt. Er selbst stieß vor rund 30 Jahren dazu und bereist gerne China, wie er erzählt. „Ich habe das Pokalfinale von 1991 zwischen Werder und Köln auf einem Schiff auf dem Jangtsekiang verfolgt“, erinnert sich Bohling, „und in einem Zug in Richtung Peking habe ich eine äußerst ekelhafte Qualle gegessen.“

Gerade solche und ähnliche Erinnerungen machten den Reiz des Stammtisches aus, sagt auch Ingrid Rudolph, die 1983 über eine Zeitungsannonce auf den Stammtisch aufmerksam wurde – und gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Willi „fast den ganzen Kontinent bereist“ habe. Laos, Thailand und Kambodscha zählen die beiden noch heute zu den schönsten Ländern Asiens, in Indien allerdings habe Ingrid Rudolph das schönste Reise Erlebnis gehabt: „Wir trafen auf einem Markt zufällig zwei einheimische Jungen, die anschließend für einige Zeit mit uns in Kontakt geblieben sind“, führt sie aus, „und von denen mich einer einige Jahre später tatsächlich zu seiner Hochzeit einlud.“ Am Flughafen verlor ihr Lebensgefährte dann dummerweise einen Zahn, behielt diesen aber bei sich und der Bräutigam reparierte nach der Ankunft des Paares in Neu Dehli das Gebiss – am Vorabend seiner eigenen Hochzeit. „Das war ein unvergessliches Erlebnis“, versichert Ingrid Rudolph, „aber natürlich nicht nur die medizinische Hilfe, sondern vor allen Dingen diese traumhafte Hochzeit, die in Indien gleich über mehrere Wochen geht.“

Smalltalk mit Sir Edmund Hillary

Initiator Heinz Mahnke kann sich an solchen Anekdoten gar nicht satt hören, er selbst trägt während des geselligen Beisammenseins noch eine weitere bei: „Mir ist bei meinem allerersten Aufenthalt in Asien ein ziemlich prominenter Zeitgenosse begegnet“, beginnt er seine Geschichte und kann sich an den erwartungsfreudigen Blicken seiner Stammtisch-Freunde gar nicht genug ergötzen. „Beim Aufstieg zum Gipfel des vierthöchsten Berges im Himalaja traf ich Sir Edmund Hillary“, berichtet der 61-Jährige mit schelmischem Grinsen. Der legendäre Bergsteiger aus Neuseeland hatte anno 1953 gemeinsam mit seinem Sherpa Tenzing Norgay erstmals den Mount Everest, den höchsten Berg der Welt, bestiegen und galt für Mahnke, selbst ein Freund der Kletterei in höchsten Höhen, als großes Idol. „Wir führten ein knapp fünfminütiges Gespräch“, sagt er, „obwohl es auf knapp 4000 Meter Höhe ziemlich anstrengend war, sich zu unterhalten, weil die Luft sehr dünn ist.“ Aber diese Begegnung werde er „niemals vergessen“, betont Mahnke, der mit Ehefrau Michaela bereits die nächsten Touren nach Asien „und umzu“ plane. „Die ganze Welt ist irgendwie auch nur ein Dorf“, sagt er, „überall trifft man immer wieder Menschen, die man aus Deutschland kennt.“

Die ersten Stammtisch-Treffen standen damals noch gänzlich im Zeichen langer Dia-Abende, in Zeiten von Instagram, YouTube und Co. wollen die Mitglieder diese „gute alte Zeit“ auch gerne wieder aufleben lassen, erklärt Heinz Mahnke. „Beim nächsten Treffen werden wir das mal en Detail besprechen“, sagt er, „das macht es etwas nostalgischer.“

Weitere Informationen

Über „Neuzugänge“ würde sich der eingefleischte Fußball-Fan Heinz Mahnke zu jeder Zeit freuen, wer Interesse bekommen hat, kann sich entweder unter der Mobilfunknummer 0170/2 79 32 69 oder per E-Mail an Heinz.Mahnke@icloud.com mit ihm in Verbindung setzen. Die Treffen finden immer am letzten Sonnabend eines Monats um 19 Uhr im Restaurant „Lilie“ in Findorff statt, sollten sich Treffpunkt oder Uhrzeit einmal ändern, werden alle Interessierten rechtzeitig informiert.

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