Beirat Hemelingen gibt Gutachten in Auftrag

Ersatz für Galopprennbahn muss her

Ein Gutachter kommt zu dem Schluss, dass für die Galopprennbahn in Hemelingen und die Golfanlage Ersatz her muss. Die Beiräte sähen diesen gerne auf dem Gelände selbst.
25.01.2019, 06:00
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Ersatz für Galopprennbahn muss her
Von Christian Hasemann
Ersatz für Galopprennbahn muss her

Sportliche Wettkämpfe mit Zuschauern wird es vielleicht auch künftig auf dem Rennbahngelände geben.

Christina Kuhaupt

Auch künftig könnte es Sport-Wettkämpfe mit einer größeren Zuschauermenge auf der Galopprennbahn in Hemelingen geben. Ein Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Stadt Bremen verpflichtet ist, Ersatz für die Sportflächen der Galopprennbahn und der im Inneren gelegenen Golfanlage bereitzustellen. Wie groß diese Fläche sein muss, ist allerdings unklar.

In Auftrag gegeben hatte das Gutachten der Beirat Hemelingen. Bezahlt wurde es aus den Globalmitteln der betroffenen Beiräte Hemelingen und Vahr. Diese wollten wissen, ob und in welchem Umfang das Bremische Sportfördergesetz auf die Rennbahn anzuwenden ist. Dieses sieht unter anderem vor, dass für wegfallende Sportflächen Ersatz bereitzustellen ist.

Keine Argumente erkennbar

Das Sportamt hatte bisher den Standpunkt vertreten, dass das Sportfördergesetz keine Anwendung auf die Galopprennbahn finde. Eine Linie, die auch die federführenden Behörden bei der Planung zur Bebauung der Rennbahn – die Wirtschaftsförderung Bremen und das Bauressort – teilten. Die Behörden argumentierten unter anderem damit, dass das Gesetz nur auf solche Sportstätten zuträfe, die von gemeinnützigen Vereinen und Mitgliedern im Landessportbund genutzt würden. Das waren allerdings weder der Rennverein noch der Golfclub.

Das Rechtsgutachten von Rainer Kulenkampff, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, kommt zu einer anderen Einschätzung. Das Gutachten beschreibt beide Anlagen als Sportplätze beziehungsweise Sportanlagen im Sinne des Sportfördergesetzes. Es seien keine Argumente erkennbar, warum es sich nicht um Sportanlagen handeln sollte, heißt es in dem Gutachten weiter. Das Sportfördergesetz verpflichte die Stadtgemeinde, Ersatz für die Galopprennbahn und den Golfplatz bereitzustellen. Gleichzeitig müsse außerdem ein Wettkampfgeschehen auf den Anlagen ermöglicht werden, „das auf ein Zuschauerinteresse vergleichbar dem auf der Galopprennbahn trifft.“

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Während das Gutachten keinen Zweifel daran lässt, dass die Stadt für Ersatz sorgen muss, gibt es für die Gestaltung dafür offenbar große Entscheidungsspielräume. So heißt es weiter, dass Ersatzanlagen auch anderen Sportarten gewidmet sein könnten. Mit der Sportart ändert sich aber auch die notwendige Größe einer Anlage. Statt Golfplatz und Galopprennbahn also möglicherweise nur ein einfacher Tennisplatz?

Nein, sagt das Gutachten. Beim Galopprennsport gingen mehrere Wettkampfteilnehmer gleichzeitig an den Start, deswegen scheide ein Einzelsport wie Tennis aus. Möglich sei dagegen eine Fußballanlage. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass die Ersatzsportanlage ähnlich viel Platz für Zuschauer bieten müsse wie die Galopprennbahn. 2015, vor dem Ende des Galopprennsports in Bremen, besuchten knapp 13 000 Zuschauer die insgesamt sechs Rennen.

"Wir müssen das erst mal angucken und bewerten"

Die Bürgerinitiative Rennbahngelände, die eine Bebauung der Rennbahn ablehnt und einen Volksentscheid anstrebt, sieht die Stadt durch das Gutachten in die Enge getrieben. „Eine solche Ersatzfläche mit passender Infrastruktur wird schwer zu finden sein. Und wenn es eine geben sollte, wird man laut fragen müssen, warum nicht diese anstatt der Galopprennbahn bebaut wird“, sagt Andreas Sponbiel von der Bürgerinitiative. „Die Luft wird dünner für die Landesregierung in Sachen Bebauung der Galopprennbahn“, meint er.

Weder die Wirtschaftsförderung Bremen noch das Sportamt wollten sich auf Nachfrage des WESER-KURIER zu dem Gutachten äußern. Zu kurz sei die Zeit, sich mit dem Gutachten zu befassen, das die Ressorts erst am Dienstag erreichte. „Wir müssen das erst mal angucken und bewerten“, so David Lukaßen, Sprecher von Sport- und Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Es seien komplexe rechtliche Fragen in Abstimmung mit den anderen Ressorts zu klären. Antworten könnte es auf der nächsten Sitzung des Regionalausschuss Galopprennbahn am 12. Februar geben. Spätestens dann wollen die Ressorts ihre Einschätzung abgeben.

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Welche Konsequenzen das Gutachten haben könnte, ist also unklar. Wenn die Stadt der Rechtsauffassung folgen sollte, würde es aber voraussichtlich einen deutlich kleineren Ersatz geben. Dieser könnte sogar auf der Rennbahn entstehen, denn zehn der 30 Hektar sollen ohnehin als Grünflächen erhalten bleiben. Ein Fußballplatz hätte dort allemal Platz. Statt Vierbeiner, die im Kreis rennen, sind es dann dort möglicherweise Zweibeiner, die einem Ball hinterherrennen.

Der Hemelinger Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) betont: „Für uns bedeutet das Gutachten jetzt, dass wir adäquate Sportflächen bekommen könnten und nicht nur Grünflächen.“ Eine Möglichkeit wäre eine Sporthalle mit einer mittleren Zuschauerkapazität. „So was gibt es in Bremen sonst kaum“, meint der Beiratssprecher. Generell müsse man schauen, wie das Gutachten nun in den Planungsprozess eingebracht werde. „Aber das wird jetzt natürlich eine Forderung sein“, kündigte er an. Einen Ersatz an anderer Stelle im Stadtteil lehnt Uwe Jahn ab.

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