Nach Brandserie im Bremer Osten

Feuer verzögert Bauvorhaben in Hemelingen

Nach einem schweren Feuer in einem denkmalgeschütztem Haus verzögert sich das Bauvorhaben für Wohnhaus und einem Sozialkaufhaus in Bremen-Hemelingen. Wie es nun weiter geht.
20.10.2019, 06:19
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Feuer verzögert Bauvorhaben in Hemelingen
Von Christian Hasemann

Dieses Bauprojekt steht offenbar unter keinem guten Stern: In der Bahnhofstraße 1-5 ging es nach langem Hin und Her voran mit den Arbeiten an einem Wohnhaus mit Platz im Erdgeschoss für das Kaufhaus Hemelingen, das bisher im ehemaligen Eisen-Werner Gebrauchtes anbietet und ein Café betreibt. Der Brand Ende September hat diese Arbeiten nun wieder unterbrochen. Ob das Gebäude abgerissen werden muss oder aber in seinem jetzigen Zustand weiter saniert werden kann, ist noch offen.

Lange stand die Baustelle an der Eintrittspforte in die darbende Hemelinger Bahnhofstraße still und erst nach einem Eigentümerwechsel kam in diesem Jahr sichtbar Bewegung in die Sache. Bauarbeiter hatten in den vergangenen Wochen Teile abgerissen, Betonfundamente gegossen und mit Bewehrungen verstärkt.

Nun steht ein Baugerüst vor dem Gebäude, im zweiten Stock sind die Fenster zerbrochen und geben den Blick frei auf den vom Brand geschwärzten Dachstuhl und dem teilweise eingestürzten Dach. Dahinter lugt der trist-graue Hemelinger Himmel durch das Gebälk.

Lesen Sie auch

In der Nacht vom 29. auf den 30. September brach offenbar im zweiten Stock des Gebäudes ein Feuer aus. Etwa 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um das Gebäude zu löschen. Gegen 7 Uhr konnte die Feuerwehr den Brand als gelöscht melden. Parallel zum Brand in der Hemelinger Bahnhofstraße brannte es in der Nacht außerdem im Hastedter Parzellengebiet Neuer Weg.

Sorge vor herabfallenden Gebäudeteilen

Auswirkungen hatte der Brand auf den öffentlichen Nahverkehr sowie auf den Autoverkehr. Die Hemelinger Bahnhofstraße musste zeitweise gesperrt werden. Die Linien 40 und 41 fuhren deswegen Umleitungen, diese sind inzwischen allerdings aufgehoben, teilte die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) auf Nachfrage mit. Der Grund für die knapp zweiwöchige Sperrung: die Sorge vor eventuell herabfallenden Gebäudeteilen. In dieser Hinsicht gibt es also Entwarnung.

Zur Brandursache kann sich die Polizei Bremen auf Nachfrage des STADTTEIL-KURIER noch nicht äußern, derzeit laufen noch die Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft. Auch Angaben zum Brandverlauf und genauen Ort des Brandausbruchs möchte die Polizei aus diesem Grund nicht machen. „Das könnte unter Umständen Täterwissen sein, mit denen ein etwaiger Verdächtiger konfrontiert werden könnte“, erklärt Polizeisprecher Niels Matthiesen, warum sich die Ermittlungsbehörden derzeit noch bedeckt halten.

Auch Erkan Sacma, Geschäftsführer bei der Sacma Unternehmensgruppe, die als Generalunternehmer bei dem Bauprojekt auftritt, wartet noch auf Informationen. „Die Polizei ermittelt noch“, sagt er. Eine Einsturzgefahr existiere aber nicht. Auch zur Schadenshöhe könne er keine Angaben machen. „Ich bin selber in einer Wartesituation und warte auf die Freigabe durch den Statiker.“ Vom Ergebnis der Gutachten hänge letztlich ab, ob das Gebäude ganz abgerissen werden muss oder ob im Bestand weiter gebaut werden kann. Ursprünglich gingen die Bauplaner von einer Bauzeit von 18 Monaten aus.

Jobst von Schwarzkopf vom Arbeiter Samariter Bund (ASB), der zusammen mit der Gröpelinger Recycling Initiative (Gri) und dem Beschäftigungsträger Projob das Kaufhaus Hemelingen betreibt, ist trotz des Brandes vorsichtig optimistisch. „Ich rechne derzeit mit einer Verzögerung von vier Wochen, vielleicht wird es jetzt statt Ende September 2020 eben Oktober.“ Vier Wochen Verzögerungen würden bei der Planungszeit zum Kaufhaus Hemelingen tatsächlich kaum ins Gewicht fallen.

Unliebsame Verzögerungen

Schon vor zwölf Jahren gab es die Idee zu einem Sozialkaufhaus, in dem einerseits Langzeitarbeitslose eine Arbeitsstelle finden sollen, andererseits Menschen günstig Gebrauchtes kaufen können sollen. Manche Verzögerungen bei dem Projekt erinnerten dabei eher an Nachrichten aus Schilda. Da war zum Beispiel der Pylon für Schilder.

Dieser verzögerte damals den Verkauf des Gebäudekomplexes in der Bahnhofstraße an einen Interessenten. Wohin nur mit dem Pylon, der Werbung für das nahe gelegene Einkaufszentrum machte? Diese Frage, über die lange und ausführlich diskutiert wurde, saß sich quasi von selbst aus: Der Mietvertrag für die Werbesäule lief sang- und klanglos im Herbst aus und wurde seitens Immobilien Bremen (IB), Herrin der Werbeyplone, nicht verlängert.

Eine ganze Reihe von Bränden hat in den vergangenen Wochen die Bremer Feuerwehr auf Trab gehalten. Neben Könecke und dem Kino Cinestar im Weser-Park brannte es auch immer wieder in Bremer Kleingartengebieten. Brandstifter kokelten außerdem eine Kunstinstallation vor der Kunsthalle an.

Aufatmen gab es deswegen in der vergangenen Woche im Bremer Westen. In Walle fasste die Polizei einen Verdächtigen, den sie in Zusammenhang mit zahlreichen Brandstiftungen im Parzellengebieten bringt. Ob auf dessen Konto weitere Brände gehen, ist unklar. „Wir prüfen da weitere Fälle“, sagt Niels Matthiesen nur. Bisher gibt es allerdings keine konkrete Verbindung zwischen den Bränden in Hemelingen und in Walle. Im Fall des Brandes der Lagerhalle auf dem Könecke-Gelände, die als Winterdepot für das Kunstprojekt „Die Komplette Palette“ vorgesehen war, geht die Polizei mittlerweile von Brandstiftung aus, ein Tatverdächtiger ist allerdings noch nicht ermittelt.

Lesen Sie auch

Die Brandserie im Bremer Osten scheint indessen noch nicht beendet: In der Nacht vom vergangenen Mittwoch auf den Donnerstag brannte in der August-Bebel-Allee in der Vahr eine Limousine. Es entstand ein Sachschaden von knapp 40.000 Euro. Eine Zeugin will zum Tatzeitpunkt eine dunkle Gestalt von dem Auto weglaufen haben sehen. Die Feuerwehr hat also weiter gut zu tun im Bremer Osten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+