Naturschützer legen los

Totholz, aber voller Leben

Käfer, Larven und Co: Die ersten Zwischennutzer können auf der Galopprennbahn in Sebaldsbrück einziehen. Sie sollen Leben in ein Totholzbiotop bringen.
09.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Totholz, aber voller Leben
Von Christian Hasemann

Ein Herz für Larven, Käfer und anderes Getier: Auf der Galopprennbahn sollen künftig die kleinen, vielfüßigen Lebewesen mehr Platz zum Leben und Fortpflanzen finden. Mit einem Totholzprojekt der Tierschützer von Extinction Rebellion (XR) startet die erste Zwischennutzung überhaupt auf dem Gelände, das seit dem Volksentscheid weitgehend brach liegt.

Eigentlich machen die Tierschützer von XR durch spektakuläre, mitunter auch umstrittene Aktionen des zivilen Ungehorsams auf das Artensterben und den Klimawandel aufmerksam. Auf der Galopprennbahn hingegen ist es ein ganz leiser Protest, und wenn man so möchte, kein Protest gegen etwas, sondern ein Protest für etwas. In diesem Fall für das Leben der eher unscheinbaren und eher unbeliebten Lebewesen, die dennoch für das Zusammenleben auf der Erde unersetzlich sind: Insekten. Ein von XR angelegtes Totholzbiotop soll den Krabblern und Wühlern eine Kinderstube bieten, denn viele Insektenlarven, aber auch Pilze ernähren sich von Totholz, das nebenbei auch anderen Tierarten als Unterschlupf dient. Letzteren wiederum sind die Insektenlarven als Zwischenmahlzeit willkommen.

„Wir wollten einen Ort schaffen, wo wir informieren können, dass die Natur ihren Weg findet, wenn man sie nur machen lässt“, sagt Hans Schumacher von XR, der sich zusammen mit seiner Frau Christina vor Ort für den Naturschutz einsetzt. „Wir haben völlig vergessen, dass wir nicht Herr der Natur sind, sondern Teil der Natur“, fasst Schumacher seine Sichtweise zusammen.

Die Aktivisten haben einen Zaun und eine Infotafel aufgestellt. „Wir hoffen, dass wir Gesprächsanlässe, zum Beispiel wie hier mit dem Biotop, erzeugen können, sodass jeder über sein Verhalten nachdenken kann“, beschreibt Schumacher die Stoßrichtung. Derzeit seien kaum öffentlichkeitswirksame Aktionen für die Aktivisten möglich. „Aber wir haben auch die Beobachtung gemacht, dass viele Leute bereits wissen, was los ist“, sagt Schumacher. „Viele von uns denken, dass es wichtig ist, Menschen, die noch erreichbar sind, die offen sind, in Einzelgesprächen zu erreichen.“ Eben dafür soll das Biotop einen Anlass bieten.

Unterstützung bekam Extinction Rebellion vom Naturschutzbund (Nabu) und von der Oberschule Sebaldsbrück. Während der Nabu mit einem Baumstamm aushalf, steuerte die Oberschule Ideen zum Text bei. Dass das Totholz-Biotop, das in seinen Ausmaßen eher bescheiden ist, kurzfristig größer wird, schließt Schumacher aus. „Wir wollen einen Anreiz und Anlass zum Nachdenken geben, wir wollen uns nicht zu Biologen mausern.“ Für ihn ist klar, dass die Experten die richtige Mischung für die Rennbahn finden müssen.

Christina und Hans Schumacher haben aber eine Vorstellung, wie es auf dem eher kargen Geläuf mal aussehen soll. „Wir regen Streuobstwiesen, heimische Hecken und Wildblumenwiesen an.“ Der Rennplatz müsse bepflanzt werden. „Für mehr Artenvielfalt, als CO2-Senker und für das Mikroklima im Stadtteil“, fordert Schumacher. „Dafür ist das Biotop nur ein Anfang.“

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