Einsatz gegen Klimawandel

Bremer Galopprennbahn: Naturschützer fordern Klima- und Artenschutz

Naturschützer von Extinction Rebellion wollen jetzt Klima- und Artenschutz auf dem Gelände der Galopprennbahn in Bremen und planen Aktionen.
18.05.2020, 18:38
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Galopprennbahn: Naturschützer fordern Klima- und Artenschutz
Von Christian Hasemann
Bremer Galopprennbahn: Naturschützer fordern Klima- und Artenschutz

Jan Albers (links) und Hans Schumann vor der Tribüne der Galopprennbahn, für die sie konkrete Ideen haben.

Petra Stubbe

Die Corona-Krise hat das Thema Klimawandel über Wochen an den Rand gedrängt und die mediale Berichterstattung bestimmt. Eine Gruppe der Umweltschützer von Extinction Rebellion (XR) aus Hemelingen will den Blick wieder stärker auf die Generationenaufgabe Klimawandel lenken, die die Menschheit sehr viel länger beschäftigen werde, als das Virus. Sie fordern, sofort Maßnahmen zu Klimaschutz und Artenvielfalt auf der Galopprennbahn umzusetzen.

Hans Schumacher von Extinction Rebellion betont, wie wichtig es sei, schnell zu handeln. „Es wird heißer werden, es wird Versorgungsprobleme geben“, befürchtet er. Jeder Tag, der ungenutzt verstreiche, werde die zukünftige Situation verschlimmern. Jetzt, da sich die Aufregung um Corona langsam lege, sei die richtige Zeit, sich wieder Gehör zu verschaffen. Jan Albers ergänzt: „Wenn vielleicht erst in einem Jahr der Runde Tisch Galopprennbahn tagt, haben wir viel Zeit verloren.“

Eile geboten

Auch die große Mehrheit der Klimaforscher drängt die Politik weltweit zum raschen Handeln. Eine überwältigende Anzahl an Studien kommt zu dem Schluss, dass sich der Klimawandel nicht mehr aufhalten lässt. Erklärtes Ziel ist daher eine Begrenzung der Temperaturerhöhung in der Hoffnung, dass sich die negativen Auswirkungen damit noch begrenzen lassen. Ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung verrät, dass Deutschland auf das dritte außergewöhnliche Dürrejahr in Folge zusteuert – für viele Forscher nur ein Zeichen, dass der Klimawandel schon längst zwischen Alpen und Nordsee angekommen ist.

Schon im vergangenen Jahr sind nach Schätzungen des Dachverbandes Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände 110.000 Hektar Wald durch Hitze, Trockenheit und Borkenkäferbefall zerstört worden. 300 Millionen Bäume müssten laut Verband nachgepflanzt werden.

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Zeit hat die Gruppe aus Hemelingen alleine aber schon die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner für die Galopprennbahn gekostet. „Als erstes haben wir versucht, die Bürgerinitiative zu erreichen. Die haben sich aber gar nicht gemeldet“, erklärt Hans Schumacher. Danach hätte die Gruppe Kontakt zum Ortsamt Hemelingen gesucht, das wiederum an die Zwischenzeitzentrale (ZZZ) verwiesen habe. Die ZZZ ist nur Beauftragte der Wirtschaftsförderung Bremen (WfB), die das Gelände im Auftrag der Stadt verwaltet.

„Dann haben wir Kontakt mit dem Nabu (Naturschutzbund Deutschland) aufgenommen.“ Auch dort sei es nicht recht voran gegangen. Letztlich habe ein Kontakt mit der Jungen Union an den Runden Tisch verwiesen. Dieser wiederum kam im Zuge der Corona-Pandemie noch nicht richtig in die Gänge. Ein Antrag der Gruppe an den Beirat Hemelingen wurde mit dem Verweis, nicht zuständig zu sein, von den Stadtteilpolitikern inhaltlich nicht behandelt.

Ob nicht diese Suche schon ermüdend genug gewesen sei? „Mir geht es um die Sache“, sagt Hans Schumacher, der betont, dass die Klimakrise in ihren Auswirkungen schlimmer sein werde als die Corona-Krise. „Und wie man sieht, wird da richtig viel Geld in die Hand genommen.“ Sprich: Am Geld könne es eigentlich nicht mangeln.

Zugang für die Bevölkerung

Mit Blick über die Rennbahn, auf der gerade gemäht wird und vereinzelt Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern auf der ehemaligen Golfanlage herumstreifen, sagt Schumacher: „Hier muss ökologisch etwas passieren, für die Artenvielfalt, für das Mikroklima und zur CO₂-Reduzierung.“ Und noch etwas fordern die beiden Männer: „Die Bevölkerung muss Zugang bekommen.“ Zum Teil gebe es schon fertige Ideen und Konzepte. „Die Oberschule Sebaldsbrück hat die Idee, hier einen Schulgarten anzulegen“, sagt Schumacher. Obstbäume pflanzen und Patenschaften für die Bäume zu vergeben, wären weitere Maßnahmen.

„Und wenn man dann alle Zäune entfernt und die Tore öffnet, dann hätten wir dort schon Leben.“ Mit Blick auf den gemähten Rasen ergänzt Jan Albers: „Man könnte auch den Rasen wachsen lassen und nur zweimal im Jahr mähen.“ Mit Gräsern und Obstbäumen kämen auch die Insekten wieder. „Man muss nur anfangen und Leben auf der Rennbahn ermöglichen und nicht ein, zwei Jahre abwarten“, betont Schumacher.

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In ihrem Aktionismus und ihrem Ansatz des zivilen Ungehorsams liegt der Vergleich von Extinction Rebellion zu den Grünen in ihren Anfangszeiten in den 80er-Jahren nahe, bevor sie in die bürgerliche Mitte rückten. Jan Albers nennt die Grünen nicht Heuchler, sagt aber sarkastisch: „Die Autobahn wird weitergebaut, der Flughafen wird subventioniert, die Hansalinie wird ausgebaut – das passt gut zu den Grünen.“ Hans Schumacher ist nicht viel diplomatischer: „Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander.“ Nach Angaben von Jan Albers hat Extinction Rebellion in Bremen 120 bis 130 Mitglieder.

„Wir bauen derzeit Strukturen auf und wollen ein Bewusstsein für den Umweltschutz schaffen.“ Die Gruppe ist Mitglied des Klimanetzwerks Bremen, in dem auch der BUND und der Nabu vertreten sind. Die Gruppe ist für ihre öffentlichkeitswirksamen Auftritte bekannt. „Wir werden sicherlich das ein oder andere machen“, sagt Jan Albers.

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