Baubeginn noch in diesem Jahr

Gemeinde stellt Pläne für Moschee-Neubau in Hemelingen vor

Die Quba-Gemeinde aus Bremen-Hemelingen stellt die Pläne für den geplanten Neubau einer Moschee im Bauausschuss vor. Baubeginn noch in diesem Jahr geplant.
03.06.2019, 07:39
Lesedauer: 3 Min
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Gemeinde stellt Pläne für Moschee-Neubau in Hemelingen vor
Von Christian Hasemann
Gemeinde stellt Pläne für Moschee-Neubau in Hemelingen vor

Die Bauarbeiten für die Moschee der Quba-Gemeinde in Hemelingen haben begonnen.

Petra Stubbe

Ein großes Plakat kündet seit Wochen weithin davon, was in der Hemelinger Bahnhofstraße entstehen soll: Ein Moscheeneubau. Auf einer öffentlichen Ausschusssitzung stellt die Moscheegemeinde das Bauprojekt noch einmal vor. Mit der geplanten Moschee hat kurz vor der Beiratswahl eine Partei versucht, Ressentiments zu wecken und Wahlkampf zu machen.

Noch wachsen keine Minarette in die Höhe in der Bahnhofstraße, sondern vor allem Grashalme, denn noch haben die Bauarbeiten nicht begonnen. Etwas weiter weg auf dem Grundstück steht bislang ein Zelt – dort begehen die Gläubigen während des derzeit noch andauernden Ramadans abends das Fastenbrechen. Insbesondere an Bedürftige, Flüchtlinge und Alleinstehenden werde dort in den Abendstunden Essen ausgegeben, sagt Nurtekin Tepe. Er ist in der Gemeinde verantwortlich für Bauplanung und -umsetzung. Er erklärt auch, warum das große Plakat aufgehängt wurde. „Das haben wir in erster Linie deswegen aufgehängt, damit die Spender sehen, dass hier etwas geschieht.“ Einige hätten Angst, dass noch etwas passieren und die Moschee dann doch nicht gebaut werden könnte.

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Spender gesucht

Mit mindestens 1,5 Millionen Euro Baukosten rechnen der Gemeindevorstand, also Burhan Ermis und Nurtekin Tepe. Noch sind aber längst nicht genügend Spenden eingegangen. Von einem Baubeginn erhoffen sie sich aber einen Schub. „Wir gehen davon aus, dass die Spenden mit dem Baubeginn noch mal ansteigen“, sagt Tepe. Der Großteil der Spenden stammt dabei von Einzelpersonen. Tepe setzt nicht auf Geldspenden allein, sondern auch auf ganz handfeste Unterstützung. „In der Bauphase werden sicher einige Arbeit und Zeit Spenden.“ Will heißen, dass Gemeindemitglieder und Unterstützer tatkräftig beim Bau mit anpacken sollen. Noch in diesem Jahr, so hofft die Gemeinde, soll es mit den Bauarbeiten losgehen. Die Bauvoranfrage sei schon durch und auch der Beirat habe zweimal seine Zustimmung gegeben, berichtet Tepe. Insgesamt habe es an den bisher bekannten Plänen nur geringfügige Änderungen gegeben. „An den Fluchtwegen und dem Brandschutz musste noch etwas verändert werden“, erklärt Nurtekin Tepe. Am runden Grundriss mit einer Kuppel, nach hinten versetzten Minaretten und Arkaden, die sich zur Hemelinger Bahnhofstraße hin öffnen, hat sich nichts geändert. Die Minarette blieben dabei in der Höhe unter den umliegenden Kirchtürmen, betont Tepe.

Anfeindungen hat die Gemeinde, seit im vergangenen Jahr die Pläne bekannt wurden, nicht erlebt. Diese Sorge war zunächst da. „Wir hatten immer ein bisschen Angst vor der Öffentlichkeit, weil wir nicht wussten, was passiert“, sagt Nurtekin Tepe. Nach der Berichterstattung im vergangenen Jahr sei die Gemeinde noch zuversichtlicher. „Die Moschee gibt es ja auch schon lange in Hemelingen, sie sieht nur nicht danach aus“, spielt Tepe auf den bisher eher unscheinbaren Bau in der Hemelinger Bahnhofstraße an, in dem die Gläubigen derzeit unter eher beengten Verhältnissen beten. Und das inzwischen seit über 30 Jahren. „Wir sind daher auch mit allen Institutionen im Netzwerk und an allen Dingen, die in Hemelingen passieren, beteiligt.“ In dieser Einbettung in den Stadtteil sieht Nurtekin Tepe auch einen Grund für die weitgehende Akzeptanz. „Eine Moschee ist also nichts Neues für Hemelingen.“ Vor der Wahl hat die Alternative für Deutschland (AfD) den geplanten Moscheebau in Hemelingen versucht, zu einem Wahlkampf-Thema zu machen, und schrieb in einem Flyer von einem „Herrschaftssymbol des Islams“ und von einer angeblichen „Islamisierung“ der Gesellschaft – offenbar ein Versuch, über tatsächliche oder geweckte Ängste und Ressentiments an Stimmen zu gelangen.

Hoffnung auf Anfang

Die Gemeinde hat sich für die kommende Sitzung des Bauausschusses Hemelingen am 6. Juni bewusst für eine öffentliche Sitzung entschieden. „Das wird bei uns im Gebäude sein, damit die Hemelinger Bevölkerung die Möglichkeit hat, sich die Pläne anzusehen und mit uns zu sprechen.“ Bauausschüsse tagen aus Datenschutzgründen in der Regel nicht-öffentlich. Auf Wunsch des jeweiligen Bauantragstellers, wie eben jetzt geschehen, können diese aber auch öffentlich sein.

„Wir hatten schon zugestimmt“, sagt Gerhard Scherer (CDU), stellvertretender Sprecher des Bauausschusses. „Aber es gibt wohl kleinere Änderungen, die uns vorgestellt werden.“ Er sehe den Moscheebau pragmatisch: „Ich gehe meistens sonntags in die Kirche und wenn wir eine Gesellschaft mit verschiedenen Konfessionen haben, dann müssen diese auch eine Möglichkeit haben, sich zu treffen.“ Stimmen im Ausschuss hätten einzig bemängelt, dass bisher Frauen und Männer getrennt beteten.

Gerhard Scherer hofft, dass der Neubau auch ein Anfang für den Umbau und der Aufwertung an der Bahnhofstraße und dem riesigen Coca-Cola-Könecke-Areal ist. „Das ist eigentlich eine sehr schöne Straße“, sagt der Architekt über die Bahnhofstraße.

Weitere Informationen

Der Bauausschuss Hemelingen tagt am Donnerstag, 6. Juni, um 18 Uhr, in der Quba-Moschee in der Hemelinger Bahnhofstraße 44.

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