Hanalinie

Wie Hemelingen vom Ausbau des Gewerbegebiets profitieren könnte

Der Ausbau des Gewerbegebiets Hansalinie könnte zu Verbesserung der Lebensqualität in Hemelingen führen. Der Beirat muss sich in den kommenden Wochen auf eine Reihenfolge der Maßnahmen einigen.
14.01.2021, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Wie Hemelingen vom Ausbau des Gewerbegebiets profitieren könnte
Von Christian Hasemann

Der Beirat Hemelingen hat seine Position nicht verändert: Er lehnt eine Bebauung der Mahndorfer Marsch durch das Gewerbegebiet Hansalinie südlich der A1 ab. Absehbar ist allerdings, dass diese Haltung des Stadtteilparlaments die dritte Stufe nicht verhindern wird. Im Ausschuss für Stadtteilentwicklung Hemelingen hat nun ein Planungsbüro die ersten Vorschläge für Begleitmaßnahmen im Stadtteil vorgestellt, die die bittere Pille des Ausbaus etwas versüßen könnten. Aus diesen gilt es nun eine Favoritenliste zu erstellen.

Schon bei den ersten Ausbaustufen des Gewerbegebiets hatte der Stadtteil verschiedene Maßnahmen zur Verschönerung des Stadtteils bezahlt bekommen, zum Beispiel neue Bänke am Hemelinger See und eine Radverbindung zwischen Mahndorfer See und Arbergen. Die Maßnahmen sind als Ausgleich dafür zu verstehen, dass durch die Bebauung der Marsch Grün- und Erholungsflächen für die Hemelinger unwiederbringlich zerstört werden.

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Die Kosten für die Umsetzung trägt das Wirtschaftsressort. Allerdings: Eine genaue Höhe dieses Budgets gibt es derzeit nicht. In dieser ersten Planungsphase belaufen sich die geschätzten Kosten aber auf etwa zwei Millionen Euro. Zum Vergleich: Für die bisherigen Kompensationsmaßnahmen hat das Wirtschaftsressort knapp 1,3 Millionen Euro bereitgestellt. Geld würde aber nur fließen, wenn die Hansalinie wie geplant ausgebaut wird.

Hundefreilauffläche in Mahndorf

Thorsten Kreikenbaum vom Planungsbüro Polyplan hat die Ideen aus dem Stadtteil geplant und in der Ausschusssitzung vorgestellt. Zu diesen gehört eine Hundefreilauffläche am Mahndorfer See. Eine Idee, die schon lange durch den Stadtteil spukt, aber letztlich nie umgesetzt wurde. Nach einer grundsätzlichen Zustimmung durch den Beirat blieb die Frage der Umzäunung des Geländes offen – denn diese wollte die Baubehörde nicht zahlen. Nun öffnet sich unter Umständen eine Tür zum umzäunten Hundeauslauf mit Seezugang in der Nähe der östlichen DLRG-Station. „Wir sehen eine durchgehende Zaunanlage vor“, so Kreikenbaum. Knapp 215 Meter lang soll die Zaunanlage sein. In dem Bereich sollen außerdem Sitzmöglichkeiten mit Heckenpflanzungen angelegt werden. Das Planungsbüro schätzt die Kosten auf knapp 82.000 Euro.

Wohnstraße Hemelinger Rampe

Deutlich schwieriger wird ein anderer Vorschlag umzusetzen sein. Dabei geht es um die Aufwertung des Grünzuges und der Straße Hemelinger Rampe. „Der Bereich zwischen der Straße und der Bahnlinie ist sehr zugewachsen und kann nicht mehr genutzt werden“, so Kreikenbaum. „Wir schlagen vor, dass wir dort versuchen aufzuräumen.“ Dabei sollen vor allem das Gebüsch und der Müll entfernt werden, während der Baumbestand erhalten bleiben soll. Ihm schwebt in dem Streifen vor, leicht erhöhte Punkte anzulegen, auf denen zum Beispiel Kinderspielbereiche, Outdoor-Fitness-Anlagen und Naturlabore entstehen könnten.

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„Es gibt auch die Idee, die ganze Straße zur Wohnstraße umzuwidmen“, so Kreikenbaum weiter. „Das muss allerdings mit dem Amt für Straßen und Verkehr (ASV) abgesprochen werden, das können wir nicht einfach planen.“ Knapp 400.000 Euro soll die Umgestaltung kosten. Zusätzlich könnten Kosten durch den notwendigen Kauf von Grundstücksflächen der Deutschen Bahn entstehen, die Eigentümerin eines großen Teils des fraglichen Grünstreifens ist.

Spielplatz Auf den Conroden

An der Straße Auf den Conroden in Mahndorf sollen weitere Wohnhäuser entstehen. Eine Gelegenheit, um einen neuen Spielplatz anzulegen, so die Idee im Beirat. „Dort sind relativ hohe Erdwälle vorhanden, die wollen wir erhalten in ihrer Topografie“, so Kreikenbaum. Die Pläne sehen zwei Spielbereiche und eine Einzäunung des Geländes vor. „Spielgeräte haben wir noch keine ausgewählt, das sollte vor Ort mit den Bürgern und Kindern entschieden werden“, sagte Kreikenbaum. Die geschätzten Kosten für die Gestaltung des Spielplatzes: 186.000 Euro.

Frischzellenkur in Hastedt

Ein Vorschlag aus dem Beirat, den das Planbüro aufgegriffen hat, ist außerdem die Aufwertung des Platzes Schoosterborn in Hastedt. „Wir schlagen vor, dass wir die wassergebundene Decke wieder in Schuss bringen“, sagte der Architekt für Freiraumflächen. Damit könnte auch das Boule-Spielen wieder möglich sein. Vorgeschlagen sind außerdem ein umzäunter Kinderspielbereich und eine optische Verschönerung durch das Pflanzen von Hecken. „Eine Idee ist außerdem auf der Ludwig-Quidde-Straße Tempo 30 einzuführen“, so Kreikenbaum.

Radler auf die Straße

Eine komplexe Aufgabenstellung für die Planer ist eine vom Beirat ins Spiel gebrachte Sanierung des Fuß- und Radweges an Hemelinger Heerstraße. Silke Overman, verantwortlich bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WfB), für die Antragstellung beim Wirtschaftsressort, meinte dazu: „Das wäre sehr umfangreich und etwas, was mit der Senatorin für Mobilität und dem ASV abgesprochen werden muss“. Thorsten Kreikenbaum wies auf die Schwierigkeiten hin, an der Stelle einen von der Fahrbahn getrennten Radweg zu bauen. Ohne Baumfällungen sei das nicht möglich. Kurios: Das ASV hatte dem Beirat bereits Ideen für eine Umgestaltung des Bereichs vorgestellt.

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Damals lautete der Vorschlag, den Fahrradverkehr auf die Straße zu lenken. Das hatte der Beirat damals, so erinnerte Ortsamtsleiter Jörn Hermening, allerdings abgelehnt. Nun hat sich aber die gesetzliche Grundlage geändert. Darauf machte Overman aufmerksam. „Nur noch bei mehr als sechs Prozent Schwerlastverkehr, sollen separate Radwege angelegt werden.“ In Bremen ist ohnehin die Benutzungspflicht von Radwegen fast überall aufgehoben. 361.000 Euro würde diese Maßnahme kosten.

Mehr für Mehrgenerationenplatz

Eine deutliche Aufwertung für geschätzte 282.000 Euro könnte der Mehrgenerationenplatz an der Nauheimer Straße erfahren. „Wir haben uns entschieden, im südlichen Bereich einen neuen Weg anzulegen und neue Geräte aufzustellen“, sagte Kreikenbaum. Zusätzlich könnte es einen Steg an dem östlich angrenzenden See geben. Eine Idee, die Ausschussmitglied Hans-Peter Hölscher (SPD) ausdrücklich befürwortete. „Da sind immer ganz viele Leute aus dem Seniorenheim und Anwohner“, hat er beobachtet.

Radpremiumroute außen vor

Eine bisher nur mündliche Zusage aus dem Verkehrsressort könnte dazu führen, dass die gewünschte Verbindung zwischen Eppenhainer Straße und Hemslinger Weg aus dem Topf von Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) bezahlt wird. „Wir erwarten hier in Kürze einen Vertrag mit der Senatorin für Mobilität und Stadtentwicklung“, so Overman. Hölscher sieht an der Stelle ohnehin das Verkehrsressort in der Pflicht. „Die Radpremiumroute ist politisch gewollt, dann muss auch die Finanzierung aus einem anderen Topf kommen und nicht aus dem Topf für Begleitmaßnahmen“, so sein Standpunkt.

Im nächsten Schritt wollen die Fraktionen des Beirats über die Idee und Vorschläge diskutieren und eine Prioritätenliste erstellen. Ohnehin drängt die Zeit nicht, denn derzeit wird noch an dem Bebauungsplan und der Änderung des Flächennutzungsplans für die dritte Ausbaustufe der Hansalinie gearbeitet. Nur wenn die dritte Stufe kommt, steht auch Geld für Begleitmaßnahmen bereit. Für Kerstin Biegemann, sachkundige Bürgerin der Grünen im Ausschuss, ist klar, nach welchen Kriterien diese Liste entstehen soll: „Wir sollten gucken, was am besten für den Stadtteil ist und nicht, was wir uns leisten können.“

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