Tablets statt Kreide

Ein Schritt vor, zwei zurück

Tablets und Videoboards finden ihren Weg an die Schulen im Stadtteil und in die pädagogische Praxis. Doch der Ganztagsausbau in Hemelingen hakt. Eine Bestandsaufnahme.
17.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ein Schritt vor, zwei zurück
Von Christian Hasemann

Täglich grüßt das Murmeltier in Hemelingen: Der Beirat hat zu einer Planungskonferenz eingeladen, aber erneut hat es zum Ausbau der Ganztagsschulen im Stadtteil keine guten Nachrichten gegeben. An anderer Stelle, nämlich bei der Digitalisierung der Schulen, fließen die Mittel dagegen schon.

Einen einfachen Einstand hatte Bettina Kirsch, Mitarbeiterin bei der Senatorin für Bildung und Kinder, nicht. Sie sprang wegen eines Krankheitsfalls als Vertreterin der Behörde ein und ist überdies erst seit Kurzem in der Schulbehörde angestellt. Was sie präsentieren musste, enttäuschte die Beiräte, aber auch die Schulleiter, in der Aula der Grundschule Parsevalstraße. Der lange geplante Ausbau der Schule am Alten Postweg soll nach dem aktuellsten Stand nun erst zum Schuljahr 2025/26 fertig sein. „Die Schule wird dann ein komplett neues Raumkonzept erhalten und eine eigene Mensa als Solitärgebäude“, sagte Kirsch. Für das kommende Jahr sei die Vergabe des Auftrages an ein Architektenbüro geplant.

Für Christa Komar (Grüne) waren das keine guten Nachrichten, sondern Indizien für weitere Verzögerungen. „Das, was sie vorgetragen haben, ist der Stand von vor drei, vier Jahren“, sagte sie. Ihr Fraktionskollege, Ralf Bohr, ergänzte: „Die Deputation tagte 2016. Das sind dann zehn Jahre bis zum Ausbau im Postweg. In der Zeitspanne hat man damals die Gartenstadt geplant und fertig gebaut. Da frage ich mich: Was ist da passiert?“ 2016 wurde der Ausbau der Ganztagsbetreuung in Bremen beschlossen. Seitdem hakte es immer wieder.

An dieser Stelle konnte die Vertretung aus dem Haus von Claudia Bogedan (SPD) nicht weiterhelfen, denn für die öffentlichen Gebäude und die Auftragsvergabe ist Immobilien Bremen zuständig – und deren Vertreter waren zu der Planungskonferenz nicht eingeladen. Dies soll nun in einer gemeinsamen Runde nachgeholt werden.

Einblicke in den Ausbau der digitalen Infrastruktur an den Bremer Schulen konnte Meik Hansen geben. Er ist Leiter des Referats IT-Infrastruktur bei der Senatorin für Bildung und Kinder. „Wir haben uns entschlossen, die Mittel aus dem Digitalpakt zentral und nach schulindividuellen Bedarfen zu vergeben.“ Das bedeutet, dass die Ausstattung der grundlegenden Technik an den Schulen, wie Leitungsbaus und kabelloses WLAN, zentral beauftragt wird, während die Präsentationstechnik, zum Beispiel Beamer und Videotafeln, von Schulen individuell angeschafft werden kann.

48 Millionen Euro aus Bundesmitteln stehen in Bremen bereit. Jede Schule erhält daraus, abhängig von der Schülerzahl, einen bestimmten Betrag. Die Voraussetzung dafür ist ein Medienkonzept. 870 000 Euro fließen so nach Hemelingen, allein 321 000 Euro an die Wilhelm-Olbers-Schule.

Diese ist Vorreiterin im Stadtteil und hat Mittel über 200 000 Euro beantragt und sich mit neuer Technik ausgestattet. Schulleiterin Anke Braunschweiger sprach von einem „Riesensprung“, den die Schule dadurch gemacht habe. „Wenn alle Schüler bald ein Tablet haben, dann brauchen wir auch in allen Klassen ein Videoboard, damit wir diese auch richtig nutzen können.“

Bis zum Ende des Jahres sollen alle Bremer Schüler nach einem Senatsbeschluss mit Tablets ausgestattet werden. In ihrer Schule werde die neu angeschaffte Technik bereits im Unterricht erfolgreich angewendet, so Braunschweiger. Und noch einen Effekt hat sie beobachtet: „Was passiert, ist, dass die Kollegen mehr und besser zusammenarbeiten, in den Jahrgängen und Fachbereichen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+