Nachteile für den Stadtteil befürchtet

Beirat grollt wegen Querverbindung

Bürger und Stadtteilparlament in Hemelingen wollen den Druck auf die Baubehörde und die Innenstadt-Politik erhöhen, damit die Verlängerung der Straßenbahn von Sebaldsbrück nach Osterholz kommt.
14.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Beirat grollt wegen Querverbindung
Von Christian Hasemann

Der Frust im Beirat Hemelingen über die sogenannte Querverbindung Ost ist nach wie vor bei einigen Ortspolitikern groß. Im Dezember wurde der Planaufstellungsbeschluss für die Straßenbahnverbindung zwischen Bennigsenstraße und Steubenstraße verabschiedet – gegen den Willen des Beirats Hemelingen, in dessen Bereich der gesamte Streckenbau fällt. Nun möchten Bürger und Beirat an anderer Stelle den Druck erhöhen, damit die befürchteten negativen Auswirkungen auf den Stadtteil zukünftig aufgefangen werden.

Am deutlichsten fasste Christian Meyer (CDU) seine Ablehnung der geplanten Trasse zwischen der Östlichen Vorstadt und der Vahr in Worte. „Es ist eine Riesengeldausgabe für eine kurze Verbindung und eine Haltestelle.“ 190 Bäume in Hemelingen würden gefällt. „Die nicht hier ersetzt werden“, fügte er an. Er werde immer gegen die Querverbindung sein.

„Mir geht es darum, dass hier Dinge entstehen, die uns nicht voranbringen, sondern uns etwas wegnehmen und da haben wir uns nicht vehement genug gewehrt.“ Kritik äußerte Meyer damit nicht nur an den Planungen für die Querverbindung, für deren Bau voraussichtlich tatsächlich nach neuestem Stand 180 Bäume gefällt werden, von denen 70 nach Baumschutzverordnung geschützt sind, sondern auch am Verhalten des Beirats. Aus seiner Sicht sei das Gremium nicht konsequent genug gegen die Pläne vorgegangen.

„Ich finde es ganz schrecklich, wie wir uns verhalten haben“

„Ich finde es ganz schrecklich, wie wir uns verhalten haben und einige sich nicht konsequent genug gegen die Querspange ausgesprochen haben“, so Meyer weiter. Uwe Janko (FDP) schloss sich der Kritik an. „Wir hätten uns mehr wehren müssen“, so der Liberale.

Nico Ahlers (SPD) sieht den gesamten Stadtteil im Hintertreffen. „Das eine sind die Baumaßnahmen, das andere die Verschlechterung der Anbindung, und das ist ein Zeichen der Geringschätzung der Stadt gegenüber unserem Stadtteil.“ Parteikollege Jens Dennhardt: „Es gibt nur Nachteile für den Stadtteil: Lärm, Dreck, gefällte Bäume und auf Jahre eine Verschlechterung des öffentlichen Nahverkehrs für Hemelingen, und das passt nicht in die Klimapolitik, wenn hier die Menschen Beförderungsmöglichkeiten verlieren.“

Nach derzeitigem Stand würde das 42-Millionen-Euro-Projekt tatsächlich für den Stadtteil Hemelingen Nachteile mit sich bringen, da eine Straßenbahnlinie künftig von der Bennigsenstraße über die Stresemannstraße in die Vahr abbiegt. Das führt vor allem im Bereich zwischen Bennigsenstraße und Depot Sebaldsbrück, wo mit Mercedes, Atlas und Rheinmetall gleich drei große Arbeitgeber Bremens direkt an der Straßenbahn liegen, zu einem längeren Takt im Fahrplan.

Der Beirat hatte die Querspange in mehreren Beschlüssen abgelehnt, zuletzt allerdings mit dem Hinweis, dass eine Zustimmung dann erfolgen könne, wenn auch eine Verbindung zwischen Weserwehr und Malerstraße sowie die Verlängerung der Straßenbahnlinie über das Depot nach Osterholz kommt.

Möglichkeit der Klage steht im Raum

Ralf Bohr (Grüne) wollte indessen nicht in die Vergangenheit schauen. „Die Beteiligung ist abgeschlossen, was jetzt noch kommen kann, ist, dass jemand klagt.“ Möglich sind Klagen gegen den Planaufstellungsbeschluss vor dem Oberverwaltungsgericht Bremen. Der Beirat habe immer den Kurs verfolgt, die Lücken zwischen Malerstraße und Weserwehr sowie nach Osterholz zu schließen, so Bohr weiter. „Da müssen wir jetzt Druck aufbauen, ihr wisst ja wie lange das dauert“, blickte er in die Zukunft.

Tatsächlich sind beide Maßnahmen im Verkehrsentwicklungsplan 2025, der 2014 in der Bürgerschaft beschlossen wurde, verankert – zu einer Umsetzung oder einer intensiven Planung ist es indessen nicht gekommen. An Christian Meyer gewandt, ergänzte Bohr: „Wir haben die Querspange nicht im Beirat durchgewinkt, das kann man nicht so stehen lassen.“

Damit es nun wenigstens bei der Verlängerung nach Osterholz sowie der Verbindung zwischen Weserwehr und Malerstraße vorangeht, hat der Ausschuss einstimmig für ein politisches Joint Venture mit dem Beirat Osterholz gestimmt. So soll künftig mehr Druck aus dem Bremer Südosten auf das Verkehrsressort und die politischen Entscheidungsträger in der Innenstadt ausgeübt werden.

Der Ausschuss unterstützt mit seinem Votum außerdem einen Bürgerantrag, der die Gleisverbindung vom Weserwehr zur Malerstraße fordert – notfalls auch nur eingleisig. Hintergrund dieses Vorschlags: Der Baugrund gilt an der Stelle als besonders herausfordernd, weil dort auch eine Fernwärmetrasse entlangführt.

Weitere Informationen

Die Planungsunterlagen für die Straßenbahnverbindung Querspange Ost können auf www.bauumwelt.bremen.de angesehen werden.

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