Camper beschäftigen Deputation Verwirrung um Wohnwagenplatz in Hemelingen

Ein Campingplatz auf dem Gelände des Wassersportvereins Hemelingen wirft Fragen auf. Nun soll ein neuer Vertrag mit der Stadt kommen.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Verwirrung um Wohnwagenplatz in Hemelingen
Von Christian Hasemann

Knapp 40 Stellplätze lassen sich auf Satellitenfotos auf dem Gelände des Wassersportvereins Hemelingen direkt an der Weser zählen. Wohnwagen, Reisemobile und Zeltvordächer – auf den ersten Blick sieht ein Teil des Geländes, das der Verein nutzt, wie ein Campingplatz aus. Allerdings sieht der Bebauungsplan an dieser Stelle gar keinen vor. Das hat so viele Fragen aufgeworfen, dass die Deputation das Thema auf der Tagesordnung hatte.

Hans-Peter Hölscher (SPD), Beiratsmitglied in Hemelingen und Mitglied der städtischen Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung, hatte zur Situation am Hafenbecken des Vereins eine ganze Reihe von Fragen an die Verwaltung gestellt, darunter auch, ob das Campen auf dem Vereinsgelände überhaupt gestattet sei.

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Die vorläufige Antwort auf die Frage von Hans-Peter Hölscher aus dem Ressort war zunächst eher ausweichend. Es handele sich nicht um einen allgemein zugänglichen Campingplatz, heißt es in der Antwort der Verwaltung. Die Zulässigkeit von Wohnwagen und Wohnmobilen sei abhängig von der Vereinsmitgliedschaft. Ein Blick in den Bebauungsplan 2320, verabschiedet im Mai 2007, zeigt, dass die fragliche Stelle lediglich als „Öffentliche Sportanlage“ gekennzeichnet ist. Und auch in dem noch aktuellen Flächennutzungsplan ist die Fläche nicht als „Sondergebiet C“ ausgezeichnet. Das „C“ bezeichnet in dem Fall den Zweck: Camping. Stehen die Wohnmobile dort also widerrechtlich?

„Beim Baywatch stehen morgens Leute und kontrollieren, aber um den Wassersportverein hat man sich noch nie gekümmert“, sagt Hans-Peter Hölscher. Der Vorwurf, der sich dahinter verbirgt: Die Behörden messen mit zweierlei Maß. Das Baywatch ist ein alternatives Kulturprojekt im Hemelinger Hafen. Der Verein hat dafür einen Vertrag mit Bremenports zur Nutzung eines kleinen Grundstückes abgeschlossen.

Unterlagen sind unauffindbar

Die bisherigen Antworten aus dem Ressort zur Situation vor Ort seien unbefriedigend gewesen, sagt Hölscher. „Man kann sich an Gespräche nicht erinnern, Unterlagen sind offenbar nicht mehr zu finden und man beruft sich zum Teil auf mündliche Absprachen.“ Hölscher stellt auch eine Forderung: „Dieser Bericht muss dazu führen, dass eine neue rechtliche Grundlage geschaffen wird.“

Die Unklarheit dürfte fürs Erste geklärt sein, denn tatsächlich wird zwischen dem Verein und der Stadt an einem neuen Vertrag gearbeitet. „Der Verein hat einen Vertrag über die Fläche, der vor 20 Jahren auf städtischer Seite zwischen Bremenports und Sportamt verloren ging“, so Fabio Cecere, Pressesprecher bei Immobilien Bremen (IB). Der Vertrag, der offenbar aus den 70er-Jahren stammt, liege aber beim Verein und als Kopie bei Immobilien Bremen vor und sei weiter rechtlich bindend.

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„Immobilien Bremen hat die Fläche nun in die Verwaltung genommen“, erklärt Cecere. Derzeit werde an einer aktualisierten Fassung gearbeitet. „Wir sind optimistisch, alle Interessen zu berücksichtigen“, so Cecere. Im Übrigen sei die Nutzung der Fläche als Campingplatz nur für Vereinsmitglieder eine erlaubte Begleiterscheinung des Wassersports. „Das ist vom Sportamt auch so gewollt“, sagt Cecere.

Kein Handlungsbedarf beim Verein

Rolf Hohenstein, Vorsitzender des Vereins, bestätigt Gespräche zwischen dem Verein und Immobilien Bremen. „Wir haben einen uralten Vertrag und haben seit Anbeginn Wohnwagenstellplätze auf dem Vereinsgelände.“ Diese seien insbesondere für ältere Mitglieder vorgesehen, die nicht mehr Wassersport ausüben, aber so weiter am Vereinsleben teilhaben könnten. „Insgesamt sehen wir keinen Handlungsbedarf“, so Hohenstein. Der Vertrag könne aber aktualisiert werden, wenn die Interessen des Vereins berücksichtigt würden.

Ein weiterer Punkt, von dem sich Hölscher in seiner Anfrage an die Verwaltung Aufklärung erhoffte, war die Frage des Zugangs zur Weser, denn den öffentlichen Weg zum Hemelinger Sandstrand hat der Verein mit einer Halbschranke gesichert. „Die Schranke führt offensichtlich auch dazu, dass Menschen denken, dass der Weg nicht öffentlich zugänglich ist“, befürchtet Hölscher.

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Zur Nutzung des Weges zum Hemelinger Sandstrand sagt Hohenstein: „Wir wollen uns nicht abschotten und die Leute sollen den Weg nutzen. Aber leider wurden schon jetzt am neuen Aussichtspunkt Mülleimer ausgerissen und der Müll verteilt.“ Ehrenamtliche Vereinsmitglieder hätten dann dort aufgeräumt. Dass die Halbschranke abschrecke, glaube er indessen nicht. Hohenstein betont, dass diese einzig zu dem Zweck aufgestellt sei, Dieben den Abtransport von Diebesgut zu erschweren. „Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei haben einen Schlüssel, das liegt ja auch in unserem ureigensten Interesse“, sagt der Vorsitzende von Bremens größtem Wassersportverein, der auch in der Segel-Bundesliga aktiv ist. Im übrigen habe der Verein den Weg gepachtet und er unterhalte ihn auch.

An der Schranke könnte sich dennoch etwas ändern. So gebe es derzeit Gespräche, ob die Schranke nicht durch einen umklappbaren Poller ersetzt werden könne, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Senatorin für Bau und Stadtentwicklung.

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