Recyclinghöfe in Hemelingen

Recyclingkonzept mit Haken

In Hastedt soll in den kommenden Jahren die Recyclingstation modernisiert werden, gleichzeitig wird das Angebot des Recyclinghofes im Hemelinger Hafen stark eingeschränkt.
21.01.2021, 05:00
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Recyclingkonzept mit Haken
Von Christian Hasemann

„Modern und Grün“ – so lautet der Name des Recyclingstationenkonzepts für Bremen, auf das sich der Vorstand und der Verwaltungsrat der Bremer Stadtreinigung (DBS) geeinigt haben. Für Hemelingen bedeutet das Konzept für den Standort an der Bennigsentraße eine Aufwertung des Angebots, im Hemelinger Hafen bringt es allerdings eine deutliche Einschränkung für die Anwohner mit sich. Der Ausschuss für Umwelt und Lärm des Beirats Hemelingen hat sich in seiner jüngsten Sitzung die Details des schon länger bekannten Konzepts erklären lassen.

Das Konzept „Modern und Grün“, das nun nach und nach umgesetzt werden wird, ist eine Kompromissentscheidung. Tatsächlich hatte die DBS mehrere Varianten für die Neugestaltung des Recyclingstationen-Systems in Bremen bewertet. Aus den Worten Christian Vaters, Leiter der Abteilung Deponie und Recyclinghöfe, war herauszuhören, dass der Vorstand eine andere Lösung mit insgesamt deutlich weniger Höfen bevorzugt hätte. Tatsächlich habe der Vorstand die Variante „Sieben plus eins“ empfohlen, so Vater. Gemeint ist damit der Erhalt und teilweise Ausbau von sieben Stationen und der Neubau einer modernen Station am Weserpark im Stadtteil Osterholz. Derzeit sind es 15 Stationen, zu dem noch der geplante Neubau in Osterholz kommen soll.

„Damit sind wir in einer extremen Situation“, so Vater. Nur noch Leipzig habe als vergleichbare Großstadt eine ähnliche hohe Anzahl an Recyclingstationen. Die Vorteile einer Zentralisierung liegen vor allem in der Kosteneinsparung, denn weniger Stationen bedeuten auch weniger Personal. Aber auch ökologisch seien, so stellte es Vater dar, wenige große Stationen sinnvoll. In großen, modernen und zentralen Anlagen könne der Abfall mit speziellen Maschinen stark verdichtet werden und dadurch seien weniger LKW-Fahrten notwendig. Dies führe zu Einsparungen bei der CO2-Bilanz.

Der unter anderem mit Politikern besetzte Verwaltungsrat, offenbar aufgeschreckt durch den öffentlichen Aufschrei nach der Schließung der alten Recyclingstation am Weserpark, lehnte die kostensparende Variante allerdings ab und entschied sich für den Erhalt aller Stationen mit dem „Modern-und-Grün“-Konzept. Die höheren Kosten, Vater bezifferte sie auf etwa 1,3 Millionen Euro im Jahr, im Vergleich zum Vorschlag „Sieben plus eins“ würden über die Abfallgebühren finanziert. Das neue Konzept sei aber insgesamt günstiger als das bisherige. „Die Einsparungen kommen dann von den Grünstationen“, so Vater auf Nachfrage von Rohde, sachkundiger Bürger für die Linken.

Konkret für Hemelingen bedeutet das Konzept, dass an der Station im Hemelinger Hafen, wie an allen künftigen sieben Grünstationen, künftig vor allem Grünabfälle abgegeben werden können. Dazu kommen Container für Glas, Textilien und Elektrokleingeräte. Überdies wird die Station nur noch an drei Tagen in der Woche geöffnet haben und überdies drei Monate im Jahr komplett geschlossen sein. „Die Station ist mit 880 Quadratmetern sehr klein, hat kein festes Sozialgebäude, keine Eingangskontrolle und hat nur sehr geringe Abfallmengen, davon der überwiegende Teil Grünabfälle“, so Vater zu den Gedankengängen der DBS. Knapp 1000 Tonnen Grünabfälle fielen an der Anlage an, was im Vergleich zu anderen Stationen wenig sei. „Und es gibt Monate, da gibt es fast gar keinen Grünabfall.“

In Hastedt an der Bennigsenstraße, derzeit noch Recyclingstation Hulsberg, obwohl in Hastedt gelegen, soll hingegen eine moderne Station entstehen. Vater definierte, was eine moderne Recyclingstation ausmacht. „Ein großes Thema ist die Ergonomie: Wie anstrengend ist der Einwurf?“ Moderne Stationen hätten ein Rampensystem, bei dem Kunden ihren Müll von oben nach unten einwerfen können. Ein anderes Kriterium sei die Eingangskontrolle. „Das ist auch eine Frage der Gebührengerechtigkeit“, so Vater. Gemeint ist damit, dass Bremer Bürger nicht mit ihren Abfallgebühren dafür zahlen sollen, dass Niedersachsen in Bremen ihren Müll entsorgen.

Der Ausschuss fand für die Pläne in Hastedt lobende Worte, mahnte aber Verbesserungen am Verkehrskonzept an. „Eher kritisch sehe ich die verkehrliche Situation in Hastedt“, meinte Ralf Bohr (Grüne). Nurtekin Tepe (SPD) schlug in dieselbe Kerbe. „Die Verkehrssituation ist schon jetzt unmöglich. Wäre es nicht eine Idee, die Station im Hafen auszubauen?“

Im Hemelinger Hafen sei die DBS nur Pächter des Grundstücks und habe keine Möglichkeit, sich auszudehnen. In Hastedt hingegen sei der Platz für einen modernen Umbau vorhanden. „Aber wenn man umbaut, wird man die Einfahrt wieder verlegen müssen.“ Derzeit liegt die Einfahrt in der Stolzenauer Straße, vorher lag sie in der Petershagener Straße, wo sie nach einem Umbau wieder liegen könnte. Vater versuchte zu beruhigen: „Mit einem Umbau hätten wie einen höheren Umsatz und die Kunden könnten viel schneller wieder weg und dadurch hätten wir auch weniger Stau.“

Der Ausschuss stimmte im Anschluss an die Diskussion einstimmig für einen Beschluss, in dem er den Neubau in Osterholz und den Ausbau in Hastedt begrüßt, eine Reduzierung der Öffnungszeiten der Station im Hemelinger Hafen ablehnt und die Umbenennung der Recyclingstation Hulsberg in Recyclingstation Hastedt fordert.

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