Große Kundenzentren geplant

Sparkasse will Stadtteilfilialen in Hemelingen einrichten

Einige große Kundenzentren statt vieler kleiner Zweigestellen – die Sparkasse Bremen nimmt Änderungen am Filialnetz vor und sucht nach geeigneten Immobilien.
06.09.2020, 21:53
Lesedauer: 4 Min
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Sparkasse will Stadtteilfilialen in Hemelingen einrichten
Von Christian Hasemann
Sparkasse will Stadtteilfilialen in Hemelingen einrichten

Statt viele kleiner Filialen, wie in der Hannoverschen Straße, setzt die Sparkasse auf weniger aber größere Zweigstellen.

PETRA STUBBE

Die Sparkasse Bremen setzt in Hemelingen weiter auf Präsenz mit eigenen Filialen. Allerdings wird es Änderungen geben. Statt einer Reihe von kleinen Zweigstellen zu unterhalten, will die Bank – wie auch in anderen Stadtteilen – wenige große Geschäftsstellen, sogenannte Stadtteilfilialen, einrichten. Über mögliche Standorte haben Vertreter der Sparkasse in der jüngsten Sitzung des Beirates Hemelingen gesprochen.

Eigentlich stehen stationäre Filialen, die mit Mitarbeitern besetzt sind, dem allgemein vorherrschenden Trend in der Bankenbranche entgegen: Im gesamten Stadtgebiet und auch bundesweit werden Zweigstellen geschlossen und bestenfalls durch reine Automatenfilialen, also solche ohne Kundenbetreuung, ersetzt. Diesen Schritt begründen Banken häufig mit einem geänderten Kundenverhalten: die bezahlten eben häufiger mit EC-Karte und nutzten vermehrt Onlinebanking.

„Wir möchten gerne wieder näher an die Bürger heranrücken“

Ein Prozess, der durch die Corona-Krise noch einen „Turbobeffekt“ erhalten habe, wie Michael Feht, Vertreter der Sparkasse Bremen, bei der Beiratssitzung erklärte. „Die Kartenakzeptanz und der -einsatz ist exorbitant gestiegen und ich glaube nicht, dass sich das wieder ändert.“ Warum die Sparkasse dennoch sogenannte Stadtteilfilialen bauen möchte, begründete Michael Feht so: „Wir möchten gerne wieder näher an den Bürger heranrücken.“ Die Sparkasse habe gemerkt, dass weniger Menschen die Geschäftsstellen aufsuchten. „Und mit dem Konzept wollen wir wieder ins Gespräch kommen.“ Konkret sieht dieses 15 Stadtteilfilialen für Bremen vor. Einige davon sind fertiggestellt, so zum Beispiel in der Schwachhauser Heerstraße 197, die im Februar dieses Jahres eröffnet wurde. „Diese Filialen sind etwa 800 Quadratmeter groß“, beschrieb Feht die Dimensionen. Neben der Kundenbetreuung sollen diese auch als Treffpunkte dienen. „Mit Cafés und einem Community-Bereich“, so Feht. Dort könnten dann auch Veranstaltungen abgehalten werden. „Zum Beispiel eine Beiratssitzung“, sagte er mit Blick in die Runde.

Der erste Standort für eine solche Stadtteilfiliale wird seinen Worten nach am derzeitigen Standort in der Mahlerstraße in Hastedt entstehen. „Dort planen wir einen Umbau“, sagte Feht. Der Wunschstandort ist das allerdings nicht. „Wir würden eigentlich gerne auf das Coca-Cola-Könecke-Gelände, aber die Entwicklung dauert uns zu lange.“ Allein die Planung einer Zweigstelle brauche bis zu zweieinhalb Jahre.

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Ein zweiter Standort werde im Bereich Mahndorf/Arbergen gesucht. „Da sind wir auf einem ganz guten Weg, eine Immobilie zu finden“, so Feht, der betonte, dass die Sparkasse Bremen mehr Niederlassungen betreibe, als alle anderen Banken zusammen. „Sobald wir da einen Haken dran machen, informieren wir sie“, versprach er den Beiratsmitgliedern bei der Sitzung.

Die Kehrseite dieser Entwicklung ist allerdings, das andere Standorte schließen oder zu reinen Automatenfilialen umgebaut werden. Das trifft zum Beispiel auf die Außenstelle in der Georg-Bitter-Straße in Hastedt zu. Christa Komar (Grüne) hatte mit ihrer Frage ältere Bürger im Blick. „Wie gehen sie mit älteren Leuten um? Gibt es vielleicht eine mobile Beratung?“ Die Sparkasse biete beispielsweise einen Bargeldbringservice an, erwiderte Feht. „Sie können aber auch Sparbücher auf Karte umstellen.“ Die jetzige Generation werde sich immer mehr an bargeldlose Bankgeschäfte gewöhnen. „Wenn ich mir angucke, was in den letzten Jahren passiert ist, braucht man kein Hellseher sein, um zu sehen, dass sich das noch beschleunigen wird.“ Will heißen: Das Bargeld im Sparstrumpf wird ersetzt durch Bits und Bytes im digitalen Bankensystem. „Ich kann jedem nur empfehlen sich damit anzufreunden.“ Die Sparkasse biete Kurse an, um auch Senioren an das Onlinebanking heranzuführen. „Oder kommen sie in unsere Filialen, unsere Mitarbeiter helfen ihnen“, so sein Appell.

Sparkasse bietet Alternativen für zurückgefahrene Strukturen

Andree Hilken, ebenfalls von der Sparkasse Bremen, ergänzte. „Wir bieten auch ein Servicetelefon an, bei dem sie zum Beispiel auch überweisen können.“ Für jede Infrastruktur, die zurückgefahren werde, biete die Sparkasse auch eine Alternative an.

Nurtekin Tepe (SPD) warf ein, dass auch viele Inhaber kleinerer Geschäfte auf eine Zweigstelle im näheren Umfeld angewiesen seien, zum Beispiel um Wechselgeld zu holen oder die Tageseinnahmen einzuzahlen. „Für mich war die Sparkasse immer die Bank, die überall vor Ort war“, sagte Tepe. Auch im Geschäftsbereich gehe der Trend deutlich in Richtung bargeldloser Transaktionen, entgegnete Feht. Inzwischen könne man auch Kleinstbeträge beim Bäcker mit Karte zahlen. „Trotzdem versuchen wir immer, technischen Ersatz bereitzustellen“, so Hilken. In diesem Zusammenhang sprach er von Ein- und Auszahlungsautomaten. Nicht alle Beiratsmitglieder sahen die Umgestaltung und Ausdünnung des Filialnetzes kritisch. „Für mich hatte die Sparkasse immer so ein Alte-Leute-Image, deswegen verstehe ich die Diskussion hier nicht wirklich“, kommentierte Carsten Koczwara (Die Partei) das Sitzungsgeschehen.

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Das Filialnetz

der Banken in Bremen wurde in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut. Die Sparkasse betreibt derzeit in Bremen und Bremen-Nord noch 37 Filialen mit Kundenberatung. Dazu kommen noch Geldautomaten und sogenannte SB-Center. Die Postbank bietet in Bremen noch neun Filialen mit Beratung an. Die Deutsche Bank verzeichnet hingegen auf ihrer Homepage derzeit noch drei Filialen in Bremen. Das sogenannte „Filialsterben“ wird gerade im Hinblick auf den Bedarf älterer Menschen häufig kritisiert.

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