Grundschule am Alten Postweg

Schränke rücken statt Osterferien

Die Schule am Alten Postweg in Hemelingen muss aufgrund von Problemen mit der Statik kurzfristig in ein ehemaliges Bürogebäude umziehen.
10.04.2021, 05:00
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Schränke rücken statt Osterferien
Von Christian Hasemann
Schränke rücken statt Osterferien

Raus aus der Baustelle: Schulleiter Sebastian Gerber muss umziehen.

PETRA STUBBE

„Nicht begeistert“ – so beschreibt Schulleiter Sebastian Gerber die Gemütslage des Kollegiums der Grundschule am Alten Postweg, als er sie am Gründonnerstag in einer Videokonferenz über den kurzfristigen Umzug der Schule in den Osterferien informieren musste. Der Grund: Im Altbau der 1910 gebauten Schule gibt es Probleme mit der Statik. Aus Sicherheitsgründen bleibt das Gebäude deswegen bis mindestens Pfingsten gesperrt. Ab Montag unterrichten die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder deswegen im ehemaligen Telekomgebäude in der Stresemannstraße.

„Wenn es Spitz auf Knopf kommt, kann man sich auf die Kollegen verlassen. Selbst die Lehrer der Klassen, die nicht umziehen, haben mitgeholfen“, fügt der Schulleiter hinzu. Im Laufe der Ferienwoche hieß es statt Ausspannen Anpacken für das Kollegium. Unterrichtsmaterial, Bücher, Karten und alles, was für die sechs Wochen im Ausweichquartier benötigt wird, kam in Kartons und in die Umzugswagen. Nur die Klassen im Neubau aus der 1970er-Jahren können am alten Standort bleiben.

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Sehr lange Tage seien es gewesen, sagt Gerber am Telefon. Da sitzt er bereits in seinem provisorischen Büro. Er hatte seine Sachen schon am Osterwochenende eingepackt, denn für die Schulleitung galt es, noch weitere Dinge zu organisieren: „Müllcontainer, Klopapier, Telefon, Internet, keine Schultafeln, wo bekommen wir das Reinigungspersonal her?“, das waren Fragen, die er sich stellte und für die Lösungen her mussten.

Die jüngsten Klassen werden in Großraumbüros unterrichtet, etwas ältere Klassen in jeweils zwei Räumen, die miteinander verbunden sind. Keine ideale Lösung, wie Gerber sagt. „Für sechs Wochen ist das okay“, sagt der Schulleiter. Bei der Alternative Distanzunterricht winkt Gerber ab: „Die Eltern haben in den letzten 13 Monaten schon so viel durchgemacht, das konnten wir nicht tun.“

Ruhig lässt die Situation am Alten Postweg auch Christiane Jacobs nicht. Sie war von 1998 bis 2016 Schulleiterin der Grundschule. „Ich habe 1998 angefangen und in meinen ersten Brief ging es um die katastrophale Toilettenanlage“, erinnert sie sich. Heizung, Elektrik, gesperrte Räume wegen Probleme mit der Statik – mit alldem habe sie sich schon herumschlagen müssen. „Wir haben es immer wieder angesprochen und ich weiß nicht wie viele Gutachter durch das Gebäude gegangen sind.“ Es habe immer nur Lippenbekenntnisse gegeben, dass etwas gemacht werden solle. „Das Einzige, was zügig ging, war der Brandschutz.“

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Immer hieß es, es sei zu teuer, es sei kein Geld da. „Man hätte bei der Sanierung Tempo machen müssen, aber jeder versteckt sich hinter dem Rücken des anderen“, sagt sie über Immobilien Bremen, Bildungsbehörde und Politik. „Was ich aber wirklich vermisse, ist, dass überhaupt nicht diskutiert wird, wie die Kinder vernünftig lernen sollen unter den Umständen.“ Sie glaube nicht, dass der Zeitplan bis Pfingsten eingehalten werden könne und dass eine Sanierung möglich ist. „Das Gebäude hat Ausstrahlung, aber da ist noch so viel mehr kaputt, als jetzt bekannt ist. Ein Fass ohne Boden“, sagt sie.

Derzeit laufen Untersuchungen von Immobilien Bremen in dem Altbau im Postweg. In den nächsten Tagen werden laut Peter Schulz, Sprecher des städtischen Eigenbetriebs, abschließende Ergebnisse erwartet. „Diese werden Aufschluss darüber geben, ob die Statik durch zusätzliche Vorkehrungen zur Abstützung der Decken derart stabilisiert werden kann, dass ein Schulbetrieb in absehbarer Zeit wieder möglich wird.“ Die Entscheidung über die erforderlichen Maßnahmen würde unter Einbeziehung der Bildungsbehörde und des Bauamtes kurzfristig getroffen, so Schulz weiter. „Dabei wird das Ziel verfolgt, das Schulgebäude nach Pfingsten wieder uneingeschränkt für den Unterricht nutzen zu können.“

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