Marode Infrastruktur

Hemelinger CDU fordert Sanierung der Arberger Heerstraße

Die Heerstraße soll was hermachen. Der Beirat Hemelingen hat Haushaltsänträge für einen Neubau der Straße gestellt.
13.03.2020, 21:11
Lesedauer: 4 Min
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Hemelinger CDU fordert Sanierung der Arberger Heerstraße
Von Christian Hasemann
Hemelinger CDU fordert Sanierung der Arberger Heerstraße

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Marco Lübke und Alfred und Helena Kothe müssen an der Arberger Heerstraße durch den Schlamm schieben.

PETRA STUBBE

Hemelingen. Bröckelnde Bürgersteige, Gehwege, die vor Bäumen enden, und ein Fahrbahnbelag, der eher dazu einlädt Kohlensäure aus der Limonade zu schütteln, als ein bequemes Vorankommen zu ermöglichen: Der Zustand der Heerstraße zwischen Hemelingen und Arbergen ist seit Jahren ein Ärgernis für Anwohner und all jene, die sie, ganz gleich ob als Radfahrer, Fußgänger, Autofahrer oder als Kunde des öffentlichen Nahverkehrs, nutzen müssen. Die CDU Hemelingen möchte nun, dass es endlich mit der Planung für eine Sanierung vorangeht.

Beim Ortstermin schlägt der Wind ins Gesicht; der Regen der vergangenen Nacht hat die Pfützen noch einmal wachsen lassen. Alfred Kothe, für die CDU im Beirat Hemelingen und Sprecher des Bauausschusses, ist derzeit auf einen Rollstuhl angewiesen. Dabei sei ihm noch einmal deutlich geworden, in welch schlechtem Zustand die Straße ist. Er deutet auf den Randstreifen auf Höhe des Hofes Stackkamp, der stadteinwärts abrupt endet. „Da vorne geht es nicht weiter“, sagt er. Ohnehin ist der Weg mit Rollstuhl kaum zu bewältigen: Schlammpfützen haben sich gebildet. Es gibt zwar in der Nähe eine Ampel, wo Passanten die Straßenseite wechseln können, aber auf dem kombinierten Fuß- und Radweg direkt vor dem Übergangswohnheim stehen ebenfalls große Pfützen. Richtung Hemelingen ist an einigen Stellen das Pflaster uneben oder nach oben gedrückt.

Als besonders gefährlich hat Kothe auf dieser Seite die Einmündungsbereiche ausgemacht. „Die Radfahrer kommen ja von beiden Seiten und Rad- und Autofahrer müssen also nach rechts und nach links schauen.“ Nicht alle täten das aber. Der Fußweg ist für den Radverkehr in beide Richtungen freigegeben – das zeigen Schilder an. Und damit wird es stellenweise ziemlich eng an der Heerstraße.

Immer häufiger wird in Bremen gerade wegen der zu engen Rad- und Fußwege der Fahrradverkehr auf die Straße geholt. Das soll sicherer sein und gleichzeitig den Autoverkehr ausbremsen. Mit Blick auf die buckelige Straße gibt Alfred Kothe zu bedenken: „Auf diese Straße würde man nicht mal die Markierung malen können.“ Marco Lübke, Vorsitzender des Ortsverbandes der CDU, ergänzt: „Der Zustand ist eine Katastrophe für eine Stadt, die Fahrradstadt sein möchte.“

Durchgerüttelt werden auch die Fahrgäste in den Bussen der BASG. „Als Rollstuhlfahrer muss man sich da schon ordentlich festhalten“, sagt Alfred Kothe. Tatsächlich führte der schlechte Zustand der Straße sogar dazu, dass das Amt für Straßen und Verkehr Tempo 30 für weite Teile der Heerstraße angeordnet hat.

Die Straße hat schon mehrfach den Beirat beschäftigt. Auch Marco Lübke, inzwischen Bürgerschaftsabgeordnete, kann sich erinnern, das Thema in seiner Zeit als Beiratsmitglied in Hemelingen (2011 bis 2015) auf dem Tableau gehabt zu haben. „Wir haben damals schon Beschlüsse gefasst“, sagt er. Geschehen sei aber nichts. „Ich glaube, dass hier der politische Wille fehlt.“ Gerade die Grünen wollten es dem Individualverkehr so schwer wir möglich machen, greift er die Verkehrspolitik der Regierungsparteien an. „Dabei trifft es hier ja auch den Nahverkehr“, schiebt er nach.

Grundsätzlich ist sich der Beirat Hemelingen einig, dass die Straße saniert werden muss. Im vergangenen Jahr hatte er zwei Anträge für die derzeit laufenden Haushaltsverhandlungen gestellt, in denen er Geld für eine Sanierung zwischen Auf dem Hellen und Nauheimer Straße sowie zwischen Marschstraße und Stackkamp fordert. Stadteinwärts wünscht sich der Beirat auf der rechten Seite einen Radweg „ohne Schädigung des Baumbestandes“, wie es in dem Antrag weiter heißt. Zuvor, 2016 und 2017, hatte der Beirat bereits ähnlich lautende Beschlüsse verabschiedet.

Klar ist aber auch, dass eine Sanierung teuer und kompliziert wird – daran scheiterte bisher eine Reparatur der Trasse. Alte Bäume rahmen die Straße als Allee ein, zum Teil liegen Grundstücksflächen sehr nah an der Fahrbahn – kaum Platz also für einen Rad- und Fußweg am Rand und einer sanierten Straße in der Mitte. Dennoch: „Auch wenn es schwer wird: Fußgänger und Radfahrer sollen in den Nebenanlagen vorankommen können“, so Alfred Kothe.

Bekannt sind die Probleme der öffentlichen Verwaltung schon lange. 2014 findet sich der Abschnitt auf der Arberger Heerstraße, den Alfred Kothe anspricht, in der Mängelanalyse wieder. Tatsächlich findet sich auch die Sanierung der Nebenanlagen an Hemelinger, Mahndorfer und Arberger Heerstraße wieder. Eingeordnet ist sie in die Phase zwei des Entwicklungsplans. Diese reicht von 2020 bis 2024. Dies allerdings nur, wenn der Bund einen Teil der Kosten trägt. Sollte er dies nicht tun, der sogenannte „untere Pfad“ im VEP, dann verzögerte sich die Neugestaltung in die Phase drei bis vier. Dann wäre eine Sanierung frühestens 2025 (Phase drei) an der Reihe oder sogar erst ab 2030 (Phase vier). Wohlgemerkt: Gegenstand sind nur die Geh- und Radwege.

Auch Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) sehe gerne eine Sanierung der Heerstraße. „Die Fahrbahn muss auf jeden Fall gemacht werden. Bei den Nebenanlagen muss man sich überlegen, was man dort tut.“ Knackpunkt sei für ihn vor allem der Bereich von der Kreuzung Schlengstraße bis zur Nauheimer Straße. Uneins sei sich der Beirat aber, ob danach dort weiter Tempo 30 sein sollte, sagt Jahn. „Wenn es nach mir geht, kann dort 30 bleiben.“ Insgesamt ist er aber eher pessimistisch, was eine zeitnahe Sanierung angeht. „Schwerpunkt ist offenbar der Straßenbahnbau in die Überseestadt.“ Es sei verblüffend, wie schnell so etwas gehen könne. Eine süffisant gemeinte Bemerkung.

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