Höher gelegener Stadtteil

Hemelinger sind gut gegen Hochwasser geschützt

Der Deichverband am rechten Weserufer informiert im Beirat über Vorsorge gegen Hochwasser. Die geplante Weservertiefung macht den Fachleuten allerdings Sorgen.
09.02.2020, 22:01
Lesedauer: 3 Min
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Hemelinger sind gut gegen Hochwasser geschützt
Von Christian Hasemann

Hemelingen wird nicht untergehen – jedenfalls nicht so bald. So viel ist nach dem Vortrag von Rolf Dülge, Technischer Leiter beim Bremischen Deichverband am rechten Weserufer, in der jüngsten Sitzung des Beirates klar geworden. Ein gewisses Restrisiko allerdings bleibt.

Dass dem Stadtteil mittelfristig nicht das Schicksal des mythischen Atlantis droht, oder das real drohende Los zahlreicher flacher Pazifikinseln, liegt nicht nur an den Deichen, sondern auch an dem Bodenprofil im Südosten Bremens. „Hemelingen und Sebaldsbrück gehören zu den höher gelegenen Stadtteilen Bremens“, erklärte Rolf Dülge. Fünf bis sechs Meter über Normalhöhennull (Nhn) lägen diese beiden Ortsteile. Damit liegen sie oberhalb des mittleren Tidehochwassers, das ohne Deiche etwa 85 Prozent des Stadtgebiets überspülen würde. „Wir sagen immer: Die Deiche sind Bremens wichtigste Infrastruktur“, betonte Rolf Dülge. Ohne Deiche würde Bremen am Wattenmeer liegen.

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In Hemelingen gibt es sogar noch eine zweite Absicherung. „Wir haben hier eine echte Besonderheit: Eine zweite Deichlinie, die wir immer noch aufrecht halten.“ Die Gefahr komme eher aus Niedersachsen. „Die haben sehr, sehr viele Deiche.“ Sprich: Einige niedersächsische Deiche sind noch nicht ausgebaut. Die insgesamt 56 Kilometer lange Deichlinie im Land Bremen sieht Dülge als für die Zukunft ausreichend sicher an. Sorgen macht dem technischen Leiter allerdings die geplante Weservertiefung. „Wir sind dagegen, denn so wird das Wasser immer schneller herangeführt. Dadurch haben wir eine sehr kurze Vorwarnzeit.“ Die durch den Ausbau zunehmende Strömungsgeschwindigkeit führe außerdem zu einer starken Ufererosion, die schon jetzt an der Wümme zu beobachten sei.

Große Regenmengen könnten für vollgelaufene Keller sorgen

Droht vom Meer also zunächst eher wenig Gefahr, könnten häufigere Starkregenereignisse, also große Regenmengen in sehr kurzer Zeit, für vollgelaufene Keller sorgen. „Der größte Teil des Stadtteils entwässert über die Kleine Wümme, das Achterkampsfleet und das Mittelkampsfleet nach Wasserhorst“, beschrieb Dülge die Lage. Das heißt, dass das Regenwasser einen weiten Weg durch die Stadt nehmen muss.

Der direkte Weg zur Weser ist durch den bebauten Dünenkamm, auf dem weite Teile des Stadtteils errichtet sind, versperrt. „Das ist eine sehr lange Fließstrecke mit einem sehr geringen Gefälle.“ Deswegen sei es besonders wichtig, dass diese ein großes Volumen hätten und erhalten blieben. „Auch kleine Gräben zwischen Privatgrundstücken, die vielleicht schon jahrelang trocken liegen“, wie Dülge betonte.

Als unproblematisch schätzt Dülge den Wasserabfluss im Gewerbegebiet Hansalinie ein. „Da wird die Wasserrückhaltung aus unserer Sicht gut umgesetzt.“ Die Forderung des Deichverbands, dass das Schöpfwerk Hemelingen keine zusätzlichen Wassermengen aus dem Gewerbegebiet aufnehmen dürfe, sei umgesetzt worden.

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Konkrete Gefahren für die Deiche sieht Dülge eher durch Nutrias, eine eingeschleppte Nagetierart, und Bisamratten, die die Deiche mit ihren Bauten aushöhlten. Aber noch etwas hat der Deichverband beobachtet: „Wir haben leider die zunehmende Problematik, dass ganze Wagenladungen Müll oder Bauschutt an den Deichen abgekippt werden.“

Direkt an der Weser und damit vor der Deichlinie liegt der Hemelinger Sand, ein Strandabschnitt, der für die Hemelinger Bürger einst als Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung der Hemelinger Marsch angelegt wurde. In den vergangenen Jahren nutzte das Kulturprojekt „Die komplette Palette“ in den Sommermonaten das vormals weitgehend brach liegende Gelände. Der Beirat sieht zukünftig eine weiter verstärkte Nutzung des Geländes durch Menschen aus dem Stadtteil als Naherholungsgebiet.

Die Bedürfnisse der Bewohner vor Ort

Im vergangenen Jahr hat eine Gruppe von Studierenden innerhalb eines Forschungsprojekts untersucht, welche Bedürfnisse die Bewohner vor Ort haben und welche Konfliktpotenziale bestehen. Das Ergebnis der nicht repräsentativen Befragung: Nur eine Person der knapp 130 befragten Anwohner und Besucher des Geländes hätte sich negativ geäußert. Im Wesentlichen tolerierten die Befragten die Interessen anderer Gruppen. Gewünscht sei dagegen eine bessere Anbindung des Geländes an den Nahverkehr, mehr Sitzgelegenheiten außerhalb der „Palette“ und Mülleimer sowie eine offizielle Hundefreilauffläche.

Eine Hundefreilauffläche sei am Mahndorfer See geplant, so der Hinweis von Ortsamtsleiter Jörn Hermening. Allerdings gibt es über die genau Gestaltung noch Streit zwischen Beirat und dem zuständigen Bauressort. Der Beirat Hemelinmgen möchte die geplante Fläche östlich der DLRG-Station gerne umzäunen lassen, das Bauressort sieht das als nicht notwendig an. Einstimmig erneuerte der Beirat die Forderung nach einem Zaun mit einem neuen Beschluss. Mit dem Zaun sollten andere Badegäste vor Hunden geschützt werden.

Einstimmig schlossen die Beiratsmitglieder außerdem den Hemelinger See für Freiluftpartys für dieses Jahr aus. Der Hintergrund ist, dass in diesen Jahr erneut das Kulturprojekt „Komplette Palette“ am Hemelinger Sand aufgebaut werden wird.

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