Deputation soll eingreifen

In Hemelingen fehlen knapp 200 Kita-Plätze

Die Bildungsdeputation soll sich der desaströsen Versorgung mit Kita-Plätzen in Hemelingen annehmen. Das hat jetzt parteiübergreifend mit einem einstimmigen Beschluss der zuständige Beirat gefordert.
08.09.2019, 17:09
Lesedauer: 3 Min
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In Hemelingen fehlen knapp 200 Kita-Plätze
Von Christian Hasemann
In Hemelingen fehlen knapp 200 Kita-Plätze

In unmittelbarer Nähe der Sporthalle des ATSV Sebaldsbrück sollen Container für drei Kita-Gruppen aufgestellt werden.

Petra Stubbe

Als „desaströs“ bezeichnet der Beirat Hemelingen in einem fraktionsübergreifenden Beschluss die Versorgungslage mit Krippen- und Kitaplätzen im Stadtteil. Geschätzte 200 Plätze fehlen nach dem Start des neuen Kindergartenjahres zwischen Hastedt und Mahndorf. Nun soll sich die zuständige Bildungsdeputation mit dem schleppenden Ausbau in Hemelingen befassen.

Rede und Antwort stehen musste in der jüngsten Beiratssitzung Thomas Neumann, Referatsleiter Kitaplanung und -finanzierung im Bildungsressort. Er nahm dabei den Part ein, den zuvor der zuständige Sachbearbeiter für Hemelingen innehatte, der nach nur knapp einem Jahr seinen Hut nahm und innerhalb der Behörde den Arbeitsplatz wechselte.

187 Anmeldungen seien bei der zentralen Vermittlungsstelle aus Hemelingen eingegangen, so Thomas Neumann. „Davon konnten 16 Fälle abgeschlossen werden.“ 129 Eltern hätten nach einem Anschreiben durch seine Behörde noch weiteren Vermittlungsbedarf angegeben. Zum Hintergrund: Eltern müssen aktiv angeben und antworten, dass sie eine weitere Vermittlung über die Bildungsbehörde wünschen.

Ein Großteil der Kinder sucht dabei einen Platz in einem Kindergarten, also im Bereich ab drei Jahren. Den insgesamt 108 Kinder aus diesem sogenannten Ü3-Bereich stehen nach aktuellsten Zahlen gerade einmal fünf freie Plätze gegenüber. Dazu kommen allerdings noch Kinder, die auf den Wartelisten der Kitas stehen.

Demgegenüber stehen die Ausbaupläne der Bildungsbehörde. Noch in diesem Kitajahr sollen zwei Gruppen für unter Dreijährige (U3) und drei Ü3-Gruppen im Stadtteil entstehen. Letztere sollen Mobilbauten bis April 2020 auf dem Gelände des Sattelhofs sein. Allein: Das wird nicht reichen, um den Bedarf zu decken. „Wir sind damit nicht deckungsgleich mit den unversorgten Kindern“, wie es Thomas Neumann ausdrückte.

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Immerhin: Eine ganze Reihe von Projekten ist zumindest in der Planung. Zum Kindergartenjahr 2020/21 soll die geplante Kita in der alten Postfiliale in der Diedrich-Wilkens-Straße an den Start gehen. Diese Kita wird schon seit Jahren erwartet, immer wieder gab es Verzögerungen. „Es gab einen dreimaligen Besitzerwechsel und dann wechselte auch noch mal der Träger“, so Thomas Neumann zu den Verzögerungen. „Aber wir sind froh, dass wir mit dem SOS-Kinderdorf jetzt einen Träger gefunden haben, der dort tätig wird.“

Ende 2020 soll außerdem eine Kita in der Schlengstraße mit 90 Plätzen fertig sein. Noch unsicher dagegen ist, wann der Baubeginn für eine geplante Kita in der Hemelinger Bahnhofstraße/Auguste-Bosse-Straße ist. „Dort könnte es von uns aus losgehen, allerdings gibt es ein Problem mit dem Schallschutz“, erklärte Thomas Neumann.

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Soweit die bereits bekannten größeren Kitaprojekte im Stadtteil. Neu dagegen sind die Überlegungen zu weiteren Standorten am Kaufunger Weg und auf dem Sportplatz des Hemelinger SV. Der Verein hatte angekündigt, einen nicht genutzten Sportplatz aufgeben zu wollen. „Dort verfolgen wir mit Immobilien Bremen die ersten Planungen“, so Thomas Neumann. Auf dem 5000 Quadratmeter großem Gelände sei eine Kita mit acht Gruppen für bis zu 120 Kinder denkbar. „Wir würden außerdem Vorläufergruppen in Mobilbauten dort planen.“ Genug Platz sei dort schließlich vorhanden. Denkbar sei außerdem die Erweiterung der Kita Kleine Marsch. „Dort stehen zwei Gebäude für betreutes Wohnen“, beschrieb Thomas Neumann die Situation. Der Träger überlege in diesen Wohnungen neue Gruppen einzurichten. „Im Bestand zu bauen, würde deutlich schneller gehen“, beschreibt Neumann die Vorteile für diese Überlegungen. Eher abstrakt hingegen Pläne für Kitas auf dem Cola-Könecke-Gelände und der Galopprennbahn. „Da weiß keiner wohin die Reise geht, aber wir haben einen Nutzungsbedarf angemeldet“, betont Neumann.

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Ralf Bohr (Grüne) wunderte sich über die Differenz zwischen den 187 Anmeldungen und den nur 129 Kindern, die eine weitere Vermittlung wünschen. „Wo sind die geblieben?“ Eine konkrete Antwort konnte Thomas Neumann allerdings nicht geben. „Wohin sich diese Eltern orientiert haben, kann ich nicht sagen.“ Vielleicht hätten sich die Eltern innerhalb der Familie oder in Nachbarschaften organisiert. „Es ist letztlich der freie Wille der Eltern, wenn sie keine weitere Vermittlung wünschen.“

Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) wies auf die Auswirkungen des mangelnden Angebots hin: „Wir haben inzwischen Kinder, die in die Schule kommen, ohne je eine Kindertagesstätte gesehen zu haben. Die größten Fehlstellen haben wir immer da, wo die größten Bedarfe sind, während zum Beispiel die Östliche Vorstadt bestens versorgt ist.“ Er spielte damit auf Kritik an, dass die Stadtteile mit einer eher privilegierten Bevölkerung scheinbar schneller mit dem Ausbau der Kitaplätze voran kommen. Mutmaßlich deswegen, weil die Eltern sich dort im Zweifel den teuren Klageweg gegen die Stadt leisten können. Zu der Zahl von tatsächlich klagenden Eltern konnte Thomas Neumann auf Nachfrage des Beirats aber keine Antwort geben.

Carsten Koczwara (Die Partei) mahnte: „Es ist den Bürgern schwer zu vermitteln, dass es so lange dauert, wenn man sieht, dass in der Überseestadt ein Haus in zehn Tagen hochgezogen wird.“ Einstimmig fordert der Beirat die zuständige Deputation in einem Beschluss dazu auf, sich mit der Situation in Hemelingen zu befassen.

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