Coronakrise

Kurzarbeit für Daimler-Beschäftigte

Erst die Produktionspause, jetzt der nächste Schritt: Autobauer Daimler schickt einen Großteil der Beschäftigten in Kurzarbeit. Der Betriebsrat begrüßt das.
27.03.2020, 06:00
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Kurzarbeit für Daimler-Beschäftigte
Von Stefan Lakeband
Kurzarbeit für Daimler-Beschäftigte

Rund 170.000 Menschen arbeiten für Daimler in Deutschland. Ein Großteil wird aber dem 6. April in Kurzarbeit gehen – vorerst für zwei Wochen. Konkurrent Volkswagen hatte bereits am Dienstag angekündigt, 80.000 Beschäftigte in die Kurzarbeit zu schicken.

Bernd Weissbrod

Der Autobauer Daimler schickt seine Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Um den Folgen der Coronakrise zu begegnen, sei dieser Schritt notwendig. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Demnach sollen ab dem 6. April große Teile der Produktion und ausgewählte Verwaltungsbereiche in Kurzarbeit gehen.

„Von der Kurzarbeit sind sowohl Pkw-, Transporter- und Nutzfahrzeug-Werke des Unternehmens in Deutschland betroffen“, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage des WESER-KURIER mit. Etwa 170.000 Menschen beschäftigt der Konzern in Deutschland. In Bremen dürfte die Kurzarbeit einen Großteil der rund 12.5000 Mitarbeiter im Mercedes-Werk treffen.

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Überraschend dürfte dieser Schritt aber für die Wenigsten gewesen sein. „Es war absehbar, dass es auf Kurzarbeit hinausläuft“, sagt Michael Peters, Betriebsratsvorsitzender in Bremen. Schon seit dem Wochenende stehen die Bänder in der Fertigung in Sebaldsbrück still: Die europäischen Daimler-Werke befinden sich in der Produktionsruhe, Mitarbeiter sollen zwei Wochen lang Überstunden und Urlaubstage abbauen. Damit habe man sich auch auf die Kurzarbeit vorbereitet, sagt Peters.

Reduzierte Arbeitszeit bis 17. April

Die Reduzierung der Arbeitszeit soll nun erst einmal bis zum 17. April gelten. „Die konkrete Ausgestaltung der Kurzarbeit wird standortspezifisch in lokalen Betriebs­vereinbarungen geregelt, die gemeinsam mit dem Betriebsrat abgeschlossen werden“, sagt die Konzernsprecherin. Zu den einzelnen Werken könne man bislang noch nichts sagen.

Klar ist aber bereits, dass der Autobauer das Kurzarbeitergeld der Beschäftigten aufstockt. Auch in Krisenzeiten sollen die Mitarbeiter noch 80,5 Prozent ihres Nettoeinkommens erhalten. Das reguläre Kurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit liegt bei 60 Prozent des Nettogehalts. Von der Kurzarbeit nicht betroffen sind Angestellte, die an den Zukunftsprojekten des Konzerns arbeiten. Das allein sei schon wichtig, „um auf die Zeit nach Corona vorbereitet zu sein“, sagt Betriebsratschef Peters.

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Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht hält die Entscheidung, jetzt in Kurzarbeit zu gehen, für richtig in der aktuellen Situation. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagt er: „Es hilft Unternehmen und Belegschaft. Für die Unternehmen sichert diese Maßnahme Liquidität. Für die Beschäftigten bedeutet es Sicherheit für Arbeitsplätze.“ Er sei zuversichtlich, auch weil sich die Kurzarbeit schon in den Krisenjahren 2008 und 2009 bewährt habe.

Auch Sorgen um seinen Job müsse sich aktuell niemand bei Daimler machen, sagt Ergun Lümali, ebenfalls Gesamtbetriebsratschef, der Zeitung. „Die festgeschriebene Beschäftigungssicherung bis 2030 beruhigt schon“, sagt Lümali. „Aber in vielen Themen ist heute nicht klar, wo wir in zehn Jahren stehen werden.“

Erst Anfang der Woche gab sich Daimler-Chef Ola Källenius betont zuversichtlich. Dem „Handelsblatt“ sagte er, dass sein Konzern, anders als etwa die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Lufthansa, keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen müsse. „Der Fokus liegt in den kommenden Wochen nun darauf, diese Situation zu managen und Liquidität zu sichern. Sollte dieser Zustand indes länger anhalten, dann müssten Investitionen überdacht werden“, sagt der Schwede. Er betonte aber: „Grundsätzlich sind wir in einer guten Verfassung, daher mache ich mir keine Sorgen.“

IG Metall Bremen begrüßt die Kurzarbeit

Für Volker Stahmann von der IG Metall Bremen, kommt der Schritt, konzernweit nun Kurzarbeit einzuführen, nicht überraschend. Die zweiwöchige Produktionspause und der Überstundenabbau seien schon eine Vorbereitung dafür gewesen. „Ich bin froh, dass das Unternehmen zu so einer realistischen Einschätzung kommt, schon frühzeitig die Kurzarbeit anmeldet und nicht erst nach Ende der Produktionsruhe. Das gebe den Mitarbeitern Sicherheit.

Daimler ist nicht der erste Autobauer, der auf die Coronakrise mit drastischen Maßnahmen und Einschnitten reagiert. So hat auch BMW die Autoproduktion in seinen europäischen Werken und in Südafrika wegen der Pandemie für vier Wochen eingestellt. Davon betroffen sind laut Konzern 30 000 Mitarbeiter. Auch Kurzarbeit sei noch möglich, heißt es.

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Einen Schritt weiter ist schon Volkswagen. Der Konzern aus Wolfsburg hatte am Dienstag mitgeteilt, 80.000 seiner Beschäftigten in die Kurzarbeit zu schicken. Diese Maßnahme soll zunächst bis zum 3. April gelten. Danach müsse man weitersehen, hieß es – vorerst hat der Autohersteller die Produktion in seinen Fabriken an den meisten Orten für zwei Wochen heruntergefahren. Auch mehrere andere Konzernmarken lassen ihre Fertigung ruhen. Bei MAN in München oder beispielsweise bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm gibt es ebenfalls Kurzarbeit, das Gleiche ist bei Porsche beantragt.

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