Drehauftakt in Hemelingen

Letzter "Tatort" für Bremer Ermittlerduo

Im Frühjahr 2019 erscheint die letzte "Tatort"-Episode des Bremer Ermittlerduos Lürsen und Stedefreund. Als Gaststar agiert Kostja Ullmann vor der Kamera. Der WESER-KURIER ist beim Drehauftakt am Set dabei.
26.09.2018, 19:25
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Von Helge Hommers
Letzter "Tatort" für Bremer Ermittlerduo

Oliver Mommsen und Sabine Postel am Set der Dreharbeiten zur "Tatort"-Episode „Wo ist nur mein Schatz geblieben?“.

Frank Thomas Koch

Ein schwarzer Mercedes fährt eine verlassene Straße entlang. Ein paar Windmühlen drehen sich am Horizont, irgendwo wendet ein Lkw, dessen Piepen herüberhallt. Der Mercedes bleibt stehen und die Vordertüren fliegen auf. Heraus steigen die Kriminalhauptkommissare Inga Lürsen und Nils Stedefreund, die auf einen jungen Mann zugehen.

Der kommt ihnen entgegen, er trägt ein in ein Laken gewickeltes Baby vor sich her. „Moin“, grüßt Lürsen. „Moin“, antwortet der junge Mann. „Wie kann ich Ihnen helfen?“. Die Drei unterhalten sich kurz, dann gehen sie getrennte Wege. Plötzlich sagt jemand „Cut“. „Aus. Danke“, ruft eine andere Stimme – die Szene ist im Kasten. Es ist der zweite Drehtag der „Tatort“-Episode „Wo ist nur mein Schatz geblieben?“, die voraussichtlich im Frühjahr 2019 im Fernsehen laufen wird.

Zugleich handelt es sich um den Abschiedsfall der Bremer Kommissare, die von Sabine Postel und Oliver Mommsen gespielt werden. Für das Duo endet die Zusammenarbeit nach 18 Jahren Dienstzeit und 34 gemeinsamen Episoden. Postel hingegen stand sogar in 39 der für Radio Bremen produzierten Ausgaben vor der Kamera, ihre Rolle hatte sie mehr als 20 Jahre inne.

Postel und Mommsen geben sich gut gelaunt

Ein kalter Wind umweht am Mittwochmorgen das Set, dem ersten Drehtag der beiden Hauptdarsteller. Die Szene, in der sie zusammen mit Kostja Ullmann agieren, spielt auf einer Sandwüste im Gewerbepark Hansalinie in Hemelingen. Ein trockener, runder Strauch fliegt die Straße entlang und erinnert an Heuballen, die in Wildwestfilmen durch die Kulisse rollen.

Viele Crewmitglieder tragen Mützen oder ziehen die Kapuzen ihrer Jacken weit über die Ohren. Wer miteinander sprechen will, muss schreien oder sich nah zum Gesicht des Gesprächspartners vorbeugen. Postel und Mommsen geben sich gut gelaunt. Gerade Mommsen macht immer wieder Witze und lacht viel. Entspannt balanciert er auf einer Bürgersteigkante herum.

Gaststar Ullmann („Sommersturm“, „Mein Blind Date mit dem Leben“) steigt mit ein: Während Pressefotografen ein Foto der Ermittler schießen, springt er durchs Bild. Danach stellt er sich zwischen die beiden. Mommsen schiebt ihn grinsend weg. „Nice try (auf Deutsch: Netter Versuch)“, sagt er und bittet Postel in die Mitte.

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Die zwölfköpfige Crew und die drei Schauspieler nehmen erneut ihre Positionen ein, die Szene soll nochmal gedreht werden. Wieder fährt der Mercedes vor und bremst. Aus einem mit einem schwarzen Regenschutz überdachten Unterstand, in dem unter anderem der Regisseur sitzt und auf einem Bildschirm verfolgt, was die Kamera einfängt, ertönt ein „Cut“.

Die Einstellung der Schärfe stimmt nicht, die beiden Kommissare im Hintergrund kommen nicht wie gewünscht zur Geltung. Also wieder alles auf Anfang. Im letzten Fall der beiden Bremer Kommissare geht es um die Aufklärung des Mordes an einer jungen Frau.

Im Zuge der Ermittlungen geraten Lürsen und Stedefreund immer tiefer in einen Sumpf aus Korruption und Erpressungen, der auch ihrer beider Verhältnis stark belastet. Zu tun bekommen sie es unter anderem mit dem von Ullmann gespielten Verkaufsleiter. Dessen Chefin wird von Violetta Schurawlow („Honig im Kopf“, „Halbe Brüder“) in ihrem ersten „Tatort“-Engagement überhaupt verkörpert.

Der spannendste Fall

Das Gefühl, das sie an den ersten ihrer letzten Settage umtreibe, sei gut, sagt Postel, die als Kommissarin Lürsen wie gewohnt einen langen blauen Mantel trägt: „Wir haben beschlossen, jeden Tag zu genießen und uns nicht zu streiten.“ Auf die Frage, was sie am meisten vermissen werde, antwortet sie: „Oli“, und schaut lächelnd zu ihrem Ermittlerpartner hinüber.

Sowohl mit Bremen als auch mit Radio Bremen, ihrem „Heimatsender“, wie sie sagt, sei sie über die Jahre stark verwickelt. Die Episode „Brüder“ aus dem Jahr 2014, in dem ein schwerkrimineller arabischer Clan im Fokus steht, ist ihrer Meinung nach der spannendste Fall, in dem sie ermittelt hat. Schließlich steigen die Kommissare zum dritten Mal an diesem Tag aus ihrem Wagen und gehen dem von Ullmann gespielten Mann entgegen.

Zeitgleich schiebt jemand ein Auto eine wenige Meter lange Schiene entlang. Ein Kameramann sitzt auf dem Wagen und filmt das Geschehen, während er auf seinem Sitz nach vorne gerollt wird. Die Schauspieler gehen wieder auseinander, die Szene endet und der Kameramann dreht sich zum Regisseur im Unterstand um: „Ging doch, oder?“, fragt er. Kurz darauf wird das Set abgebaut.

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Mommsen, der in seiner Rolle als Stedefreund die inzwischen obligatorische grüne Lederjacke und grüne Sneaker trägt, hat an Bremen nicht nur sein Herz verloren, sondern auch eine zweite Heimat gefunden, wie er sagt. Vermissen wird er vor allem das Zücken des Dienstausweises. „Das feierst du innerlich“, sagt Mommsen. Herausfordernd sei am Set neben dem Hunger die Warterei gewesen.

Auch wenn er nicht mehr für den Bremer „Tatort“ arbeite, bedeute das aber noch lange nicht, dass er nicht hin und wieder nach Bremen und vor allem ins Viertel wiederkommen werde. Und er ergänzt: „Abschiede können ja auch schön sein.“ In der zweiten an dem Tag gedrehten Szene stehen Ullmann und das Baby im Vordergrund, die Kommissare werden nicht gebraucht.

Sie verlassen daher das Set zum zwei Autominuten entfernten Rückzugsort, wo mehrere Wohnmobile, Campingwagen und ein Cateringtruck auf die etwa 50 Mitarbeiter warten. Postel sitzt bereits auf dem Beifahrersitz, als der große Mercedes anrollt. Mommsen sprintet dem Auto entgegen, wedelt mit seiner Dienstwaffe vor der Windschutzscheibe herum und steigt anschließend durch die hintere Beifahrertür ein. Dann braust der Mercedes davon.

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