Terrassenkonzert Lockdown-Boogie im Stiftungsdorf

Die Bewohner der Einrichtung Arberger Mühle feiern eine kleine Balkon-Party zur Musik von Emanuel Jahreis und Maximilian Suhr.
10.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Chantal Moll

Kleine Tanz-Party auf dem Balkon: Nicht nur für Boogie-Woogie-Fans hatte Emanuel Jahreis Musik ins Stiftungsdorf Arberger Mühle mitgebracht. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Bremer Heimstiftung tanzten auch zu Klassikern von Udo Jürgens „Aber bitte mit Sahne“. Maximilian Suhr begleitete den Musiker dabei am Schlagzeug.

Auch das Schauer zwischendurch hielt die Bewohner nicht davon ab, auf den Balkonen zu bleiben. „Ich glaube die Bewohner sind ganz froh, wenn hier mal ein bisschen Action ist“, sagt Musiker Jahreis. Wenn Suhr sein Schlagzeug-Solo spielte, konnte Jahreis auf der Terrasse klatschen, tanzen und sein Publikum zum Mitmachen animieren. Die Bewohner saßen und standen auf den Balkonen ihrer Wohnungen während Jahreis und Suhr unten auf der Terrasse ihre Lieder spielten. Drei Titel davon auch aus Jahreis neuem Album „Lockdown-Boogie“. Doch der Künstler passt sein Programm immer seinem Publikum an und brachte deshalb auch ein paar Klassiker mit. „Die Bewohner sind immer unglaublich dankbar für unsere Musik“, freut sich Jahreis.

Denn wirklich viel passierte in der Bremer Heimstiftung in den vergangenen Monaten nicht. Die typischen Aktionen wie Tablet-Runden und Musik-Stunden seien in dieser Form derzeit nicht möglich, berichtet Hausleiterin Sabine Bonjer. Normalerweise sitzen und stehen bei Musik-Veranstaltungen wie der mit Jahreis alle unten zusammen. Doch die U-förmige Gestaltung der Balkone im Hof sei wie für Konzerte in der Pandemie gemacht, sagt Bonjer. „Emanuel Jahreis gehört hier dazu“, stellt die Hausleiterin klar. „Er stellt sich so gut auf das Publikum ein.“

Bereits zu Weihnachten und Neujahr war der Musiker für ein Konzert zu Besuch in der Anlage für betreutes Wohnen im Alter. Insgesamt sein siebtes Konzert gab er damit am Donnerstag im Stiftungsdorf Arberger Mühle. Für Konzerte während der Pandemie sorgten neben Jahreis schon die Kirchengemeinde Mahndorf und Julia Bachmann im vergangenen Jahr.

Bewegungsangebote und mehr

Aber nicht nur Konzerte organisiert Bonjer, auch um Bewegungsangebote bemüht sie sich während der Corona-Krise. So steht die Therapeutin der Physiopraxis auch mal auf der Terrasse und macht Übungen vor, die die Bewohner auf ihren Balkonen nachmachen können. „Das ist was ganz unwahrscheinlich Gutes“, sagt Bewohnerin Ursula Rüscher über die Konzerte. „Nur mit solchen schönen Sachen sind wir bisher durch die Corona-Zeit gekommen“, erklären auch Lotti Thomas und Elke Höveler. Besonders dankbar sind die drei Bewohnerin der Hausleiterin Bonjer, denn ohne solche Veranstaltungen wären sie depressiv geworden, sind sie sich einig.

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Auch die Hausleiterin nimmt die Stimmung ihrer Bewohner wahr. „Hier im kleineren spiegelt sich die Atmosphäre der Gesellschaft wider“, ist Bonjers Eindruck. Sie beobachte die Empfindlichkeiten der Gesellschaft in den einzelnen Personen ihrer Heimstiftung. So gebe es Bewohner, die stetig genervt von der Situation seien und einfach nur wollten, dass es aufhöre. Andere nähmen die Situation so hin wie sie sei, hofften aber auf Besserung. Ebenso sind da noch diejenigen, die das alles eher locker nehmen und mit der Pandemie leben. Es herrsche damit eine gemischte Stimmung in der Heimstiftung – wie man auch den Eindruck von der Gesellschaft in dieser Zeit habe, erklärt Bonjer.

Kein Besuchsverbot

Da es sich bei der Anlage nicht um ein Pflegeheim handelt, gab es dort auch zu keinem Zeitpunkt ein Besuchsverbot. Natürlich gelten hier die allgemeinen Vorschriften, Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen. Dennoch leben die Bewohner in ihren eigenen Wohnungen und können Besuch empfangen. Bonjer hat aber einen Blick darauf: „Ich kann unsere Bewohner nur bitten sich an die Bedingungen zu halten und achtsam zu sein.“ Sie habe den Eindruck, dass das auch so ist. Außerdem empfangen die Bewohner spürbar viel weniger Besuch seit Ausbruch der Pandemie, ergänzt sie. „Gerade die Familien achten darauf und sind vorsichtig.“ Einige Kinder der Familien gehen in die Kindertagesstätten und obwohl die Bewohner alle seit Februar vollständig geimpft sind, sei man weiterhin vorsichtig und bedacht.

Das Konzert jedenfalls war für alle wieder ein Erlebnis. „Für uns ist das auch schön mal wieder zu musizieren“, sagt Emanuel Jahreis. Denn alle geplanten Auftritte wurden der Reihe nach abgesagt. Derzeit kommt der Sänger mit Online-Auftritten durch die Zeit. Dazu gehören unter anderem Livestreams auf den Plattformen Instagram und Facebook. „Es ist aber einfach nicht das Gleiche“, sagt er. Sowohl vom Erlebnis her als auch finanziell.

Jetzt hofft der Sänger auf die Sommerzeit: Das nächste Mal in Bremen tritt Emanuel Jahreis am Sonntag, 4. Juli, im Bürgerhaus Mahndorf, Mahndorfer Bahnhof 10, auf. Wenn die Corona-Verordnungen es dann zulassen.

Info

Zur Sache

Stiftungsdorf Arberger Mühle

Die Wohnanlage der Bremer Heimstiftung liegt mitten im alten Ortskern Arbergens, auf dem Gelände befinden sich die 1803 erbaute Mühle, eine historische Scheune und ein traditionelles Backhaus. In der Einrichtung wird Wohnen mit Service angeboten. Die 1953 gegründete Bremer Heimstiftung ist nach eigenen Angaben Bremens größter Anbieter im Bereich Seniorenwohnen und Pflege, mit über 30 Standorten, zahlreichen Tochterunternehmen und mehr als 2600 Beschäftigten.

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