25 Jahre Minigolf am Hastedter Osterdeich

Lockere Leistungen

65 Minigolfer aus ganz Deutschland feiern mit einem Turnier das 25-jährige Bestehen des Miniatur-Golf-Vereins Bremen. Ein Besuch an der Bahn.
17.07.2019, 17:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Britta Kluth

Hastedt. Fast könnte man meinen, man sei in eine Art Familientreffen hineingeplatzt. Die Leute sitzen beieinander, halten bei Kaffee und Kuchen ein Schwätzchen und scheinen sich bestens zu verstehen. Nur von den Bahnen ertönt hier und da mal ein seichtes Stöhnen oder erleichterter Ausruf. „Beim Minigolf gibt es zwar auch einen Konkurrenzkampf“, sagt Marcus Leuthäußer, „aber der Zusammenhalt und die Gemeinschaft sind einfach großartig. Viele der Spielerinnen und Spieler sieht man regelmäßig auf Turnieren. So kommt man schnell ins Gespräch und hat eher das Gefühl, zu Freunden zu fahren als auf einen Wettkampf.“

Der Kattenturmer hat bereits im Alter von 15 Jahren mit Minigolf begonnen. Genauso lang schwingt er vereinsmäßig den Schläger. Seit 2016 ist er erster Vorsitzender beim Miniatur-Golf-Verein Bremen (MGVB). Am vergangenen Wochenende hatte dieser sein Gelände am Hastedter Osterdeich auf Hochglanz gebracht. Nicht ohne Grund: Der Verein feierte sein 25-jähriges Bestehen mit einem großen Turnier. 64 Frauen und Männer waren angereist, um zwei Tage lang gegeneinander anzutreten und beim Fest am Abend auf das besondere Ereignis anzustoßen.

Training statt Glück

Minigolf ist ein Leistungssport in Deutschland, auch wenn viele da doch zunächst eher an Freizeitvergnügen denken. „Was für den Laien nach Glück aussieht, ist Erfahrung, Konzentration und das Ergebnis langen Trainings.“ Cornelia Päuser aus Edermünde bei Kassel muss es wissen. Seit 2003 spielt sie für den 1. MGC Kassel-Vellmar in der Landesliga. Nicht jeden Tag gleich gut, wie sie augenzwinkernd sagt, aber immer mit Begeisterung. „Das schöne am Minigolf ist, dass man nicht so unter Anspannung steht, wie es bei anderen Sportarten oft der Fall ist. Die frische Luft, der Wechsel der Bahnen und das Miteinander fördern eine gewisse Lockerheit.“

Und die scheint sich durch alle Generationen zu ziehen. Elke Wuttke aus Bremen ist 82 und immer noch aktiv dabei. Angefangen hat sie bei einem Bremer Klub, doch schon nach ihren ersten Erfolgen wurde sie von einem Verein aus Hannover abgeworben, für den sie heute noch antritt. „Minigolf kann man in jedem Alter spielen“, sagt sie, „auch mal die Oma gemeinsam mit dem Enkel.“ Der Sport eigne sich für jeden. Sie selbst habe mit 57 Jahren das erste Mal einen Schläger in den Händen gehalten. Von Letzterem gibt es beim Minigolf übrigens nur einen. Womit wir schon beim größten Unterschied zum „Groß-Golf“ wären, wie die Minigolfer gern sagen. „Es gibt zwar nur einen Schläger, aber dafür hunderte Bälle mit verschiedenem Umfang, Gewicht und unterschiedlicher Härte“, berichtet Reiner Neumann vom Bahnen-Golf-Club (BGC) Bremen. „Viele Profis reisen mit einem oder mehreren Koffern voller Bälle an. Ich selbst habe meist nur 20 Bälle dabei.“ Die Auswahl sei eine Wissenschaft für sich. Je nach Temperatur, Witterung und Bahnbeschaffenheit wähle man einen anderen Ball aus. Letztendlich entscheide da die Erfahrung.

Bezirksklasse bis Bundesliga

Die Teilnehmer an diesem Wochenende kommen aus ganz Deutschland, aus Frankfurt, Göttingen, Ludwigshafen oder Hamburg. Aus Bremen und der Region sind ebenfalls zahlreiche Vertreter da. „Es handelt sich hier um ein offenes Turnier“, erklärt Michael Tiedtke. „Normalerweise ist der Spielbetrieb in verschiedenen Ligen organisiert, die von der Bundesliga bis hinunter zur Bezirksklasse reichen.“ Der 40-jährige Arberger ist seit 2016 Pressesprecher des MGVB. Er habe am Wochenende häufiger die Minigolf-Anlage besucht, nur so rumgedaddelt, wie er sagt. Aber ein paar Leute aus dem Verein hätten gesehen, dass er mit viel Spaß und wohl auch ein bisschen Talent bei der Sache war und ihn einfach angesprochen. „Wir machen das öfter so“, gibt Marcus Leuthäußer schmunzelnd zu. „Wenn wir sehen, dass jemand gute Anlagen und ein Gefühl für den Ball hat, zeigen wir ihm hier und da ein paar Kniffe und laden ihn ein, doch mal an unseren Trainingstagen wiederzukommen.“

Derzeit hat der MGVB 27 Mitglieder. Er gehört dem Landesverband Bremen-Niedersachsen an und spielt mit vier Mannschaften in der Bezirksliga Nord-Mitte und in der Bezirksklasse Nord. Und das mit guten Erfolgen: Alle Mannschaften liegen im oberen Tabellendrittel, eine hat sogar noch die Chance auf den Vizemeistertitel. Gegründet wurde der MGVB am 20. März 1994 von drei Sportlerinnen und fünf Sportlern, die sich bei ihrem bisherigen Verein nicht mehr gut aufgehoben fühlten. Zunächst richteten sie sich beim Haus Wieseneck, heute der Platzhirsch, ein. Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Pächter suchten sie ein neues Domizil.

Minigolf mit sozialer Funktion

In einem ehemaligen Park am Hastedter Osterdeich 225 wurden sie fündig. „Wir haben das Gelände von der Stadt gepachtet. Nach längeren Baumaßnahmen ging es dann im Jahr 2000 los“, erzählt Michael Tiedtke. Die Anlage ist dienstags bis sonntags für die Allgemeinheit geöffnet, ausgenommen bei Regen. Der Montag ist für das vereinsinterne Training reserviert. Seit einiger Zeit kooperiert der MGVB außerdem mit der Lebenshilfe und dem Martinsclub. „Minigolf kann problemlos von Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung gespielt werden. Ebenso auf Kinder mit ADHS hat die Mischung aus Konzentration und Entspannungsphasen positive Effekte“, erklärt Leuthäußer, der extra einen Übungsleiterschein für Präventionssport gemacht hat, damit der Verein Integrationskurse anbieten kann. Der Sport habe auch eine soziale Funktion zu erfüllen, betont der erste Vorsitzende, und dieser Aufgabe seien sich alle Mitglieder bewusst.

Als sich am Sonntag der Nachmittag seinem Ende neigt, steht fest: Spaß hatten alle, aufs Siegertreppchen passen dennoch nur wenige. In der Kategorie Herren machte Lars Prediger vom VFL Lüneburg das Rennen. In der Kategorie Senioren weiblich I siegte Kerstin Grobik vom MGVB und in der Kategorie Senioren weiblich II Marion Willenbrock vom MC „Möve“ Cuxhaven. Reiner Neumann vom BGC Bremen gewann in der Kategorie Senioren männlich I und sein Vereinskollege Joachim Viohl in der Kategorie Senioren männlich II. Die Doppelwertung entschieden André Kuhn und Holger Fabry vom MGC Göttingen für sich.

Weitere Informationen

Weitere Informationen rund um den Verein auf www.mgv-bremen.de.

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