Mahndorfer See

Wege ans Wasser

Der Beirat Hemelingen und Anwohner suchen nach Möglichkeiten, die Verkehrssituation rund um den Mahndorfer See zu verbessern. Im Gespräch sind kostenpflichtige Parkplätze.
26.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wege ans Wasser
Von Christian Hasemann
Wege ans Wasser

Noch ist es ruhig am Mahndorfer See. Doch je höher die Temperaturen steigen, desto stärker wird das Gelände frequentiert.

PETRA STUBBE

Noch beherrschen kühle Luftströme das Wetter, aber der Sommer kündigt sich bereits mit längeren Sonnenstunden an. Mit steigenden Temperaturen wächst auch die Zahl der Besucher am Mahndorfer See und damit die Verkehrsbelastung der Anwohner. In einer Planungskonferenz haben Anwohner und Beirat über Möglichkeiten gesprochen, die Situation zu verbessern. Dabei haben sich kostenpflichtige Parkplätze als eine Lösung herauskristallisiert.

Anlass für die Konferenz war eine Einwohnversammlung im vergangenen Herbst zum Thema „An der Lieth“. An der Straße ist ein Spielplatz gelegen, der in den vergangenen Jahren umgestaltet worden war und nun, so die Aussagen von Eltern vor Ort, mehr Besucher denn je anzieht. Auf dieser Versammlung wurde auch der Wunsch einer Spielstraße „An der Lieth“ formuliert, um die Kinder besser vor den direkt vorbeifahrenden Autos schützen zu können. Gerade im Sommer ist aber der gesamte Bereich von Verkehrsproblemen betroffen, sodass sich der Beirat entschied, eine Planungskonferenz einzuberufen, um das gesamte Quartier unter die Lupe zu nehmen.

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Die Spielstraße war in der Diskussion schnell vom Tisch. Anders als häufig angenommen, wird eine Spielstraße nicht durch das bekannte blaue Verkehrsschild mit spielenden Kindern angezeigt. Letzteres bezeichnet lediglich einen verkehrsberuhigten Bereich. Dirk Bülow, Revierleiter in Hemelingen, erklärte den Unterschied: „Eine Spielstraße kann temporär gelten, dann sind in dieser Zeit sämtliche Verkehre verboten – auch für Anwohner, Besucher und Lieferdienste.“ Das schließe auch Fahrräder und E-Bikes ein.

Ein verkehrsberuhigter Bereich, gekennzeichnet mit dem blauen Schuld, würde hingegen einen Umbau nötig machen, um den „straßenartigen Charakter“ aufzuheben. Heißt: Gehwege und Fußwege werden entfernt, um eine einheitliche Fahrbahn zu gestalten. „Fußgänger haben in diesen Bereichen absoluten Vorrang, alle anderen Fahrzeuge müssen sich unterordnen, Kinderspiele sind überall auf der Straße erlaubt, es gilt Schrittgeschwindigkeit“, so Bülow. Letzteres schließe wiederum Fahrräder und E-Bikes mit ein.

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Benjamin Groß von der Elterninitiative Mahndorfer Deichpiraten konnte dem Vorschlag Positives abgewinnen. „Wir finden den Vorschlag sehr gut. Wir möchten, dass die Kinder sicher auf die Straße gehen können, wenn mal der Ball über den Zaun fliegt.“ Lutz Schmauder-Fasel vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV) brachte den mutmaßlichen Knackpunkt ins Spiel. „Für eine verkehrsberuhigte Zone müsste die Straße umgebaut werden.“ Dafür müsse ein „bisschen“ Geld in die Hand genommen werden.

An einen anderen Vorschlag erinnerte Ralf Bohr (Grüne). „Es gab auch die Idee, zwischen Hellweger Straße und An der Lieth Poller zu setzen. Dann könnte man dort nicht mehr durch.“ Überprüfen lassen möchte das Beiratsmitglied außerdem, ob sogenannte „Pflanznasen“, also bepflanzte Einengungen auf den Fahrbahnen, oder Pflanzkübel zum Mahndorfer See möglich sind. „Eine Kritik der Bürgerinnen und Bürger war ja, dass in dem Bereich viel zu schnell gefahren wird.“ Der Weg zum Mahndorfer See führt von der Heerstraße über die Hellweger Straße zu einer unbenannten Stichstraße zum See.

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Verengungen seien grundsätzlich möglich, so Jessica Dove vom ASV. Allerdings mit der Einschränkung, dass weiter Rettungsfahrzeuge die Straße passieren können. „Da gäbe es auch die einfachen Lösungen mit Barken.“

Nein zu Pollern

Eine Änderung des Einbahnstraßensystem zum und vom See weg, um den Verkehr zu entzerren, lehnt die Polizei ab. „Wenn dort etwas passiert, dann kommt die Feuerwehr mit dem Taucherzug. Deswegen können wir es uns nicht leisten, auf der Stichstraße zum See Poller oder Pflanzkübel hinzustellen“, so Bülow.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass die unbenannte Stichstraße zum Strand sowie der Bollener Kirchweg und Am Hogenkamp/ Mahndorfer Deich häufig deutlich zu schnell befahren werden. Eine Anwohnerin zog einen drastischen Vergleich: „Das ist Paris-Dakar.“ Eine Anruferin der virtuellen Konferenz schlug eine Sperrung der Straße im Sommer für den privaten Autoverkehr zum See vor. Eine andere Anwohnerin brachte das Konzept des Oyter Sees ins Spiel. Dort ist die Zufahrt zum See mit dem Auto kostenpflichtig. „Das würde schon einige abschrecken.“ Ein Konzept, das in der Diskussion Anklang fand.

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„Ich finde den Vorschlag gut“, so Ralf Bohr. „Da überlegt man sich eher, ob man mit dem Auto hinfährt.“ Wer ein Auto kaufe, kaufe damit nicht das Recht, sein Auto überall und zu jeder Zeit kostenlos abstellen zu können.

Carsten Koczwara (Die Partei) war skeptischer. „In Oyten wird im Sommer am laufenden Band abgeschleppt, weil die Leute in den Wohngebieten parken.“ Ähnlich hatte sich zuvor Jessica Dove geäußert. In der Regel würden Lösungen wie Poller und kostenpflichtige Parkplätze zu Verlagerungen führen, so Dove. „Und dann sorgen die für ein Chaos im Wohngebiet.“

Falschparker ist Falschparker

„Der Bußgeldkatalog wird wieder verschärft“, erinnerte Bohr. „Falschparken wird dann 55 Euro kosten, wenn jemand behindert wird, kommt noch ein Pünktchen hinzu.“ Auch Andrea Twachtmann, Innenbehörde, konnte dem Vorschlag einer Parkraumbewirtschaftung einiges abgewinnen. Sie erinnerte die Anwohner aber auch daran, dass bei Kontrollen alle gleich behandelt würden: „Wir können nicht zwischen guten und schlechten Falschparkern unterscheiden.“ Auch sie hoffe auf eine rasche Umsetzung des Bußgeldkatalogs. „Die Klientel erreichen sie nicht mit schönen Worten.“

Info

Zur Sache

Bußgeldkatalog

2020 gab es Änderungen am Bußgeldkatalog, wobei vor allem höhere Strafen für das Parken in zweiter Reihe sowie auf Geh- und Radwegen, das Blockieren der Rettungsgasse, der größere Abstand zu Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern beim Überholen im Fokus standen. Teile der neuen Straßenverkehrsordnung waren wegen eines Formfehlers rechtswidrig, deswegen galten ab Juli 2020 zunächst die alten Regelungen weiter. Im April 2021 haben sich die Verkehrsminister der Länder mit dem Bundesverkehrsministerium auf einen neuen Bußgeldkatalog verständigt, der bis zum Spätsommer 2021 in Kraft treten soll. Für das Parken auf Geh- und Radwegen sowie das Halten in zweiter Reihe sowie auf Schutzstreifen werden künftig 110 Euro fällig.

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