Umbau zum Naturparadies

Zeit fürs Gärtnern und Tiere beobachten

Das Nabu-Gelände ist für Besucher gesperrt, doch Themen rund um die Natur haben derzeit Hochkonjunktur
06.04.2020, 05:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Zeit fürs Gärtnern und Tiere beobachten

Als wäre alles wie immer, grasen die Schafe des Naturschutzbundes mit ihrem Nachwuchs wie jedes Jahr um diese Zeit, am Rande des Vahrer Feldwegs. Auch wenn das Nabu-Gelände nach wie vor für Besucher geschlossen ist, können Spaziergänger die Muttertiere mit ihren herumtollenden Lämmern aus nächster Nähe beobachten. Nur das Füttern ist nicht erlaubt.

PETRA STUBBE

Die Corona-Krise trifft den Naturschutzbund (Nabu) Bremen in einer Zeit, in der die Aktivitäten eigentlich ihren ersten Jahreshöhepunkt erreichen: Auf dem weitläufigen Gelände stehen vielfältige Gartenarbeiten an, zahlreiche Frühjahrs-Veranstaltungen und Workshops hätten mit breit aufgestelltem Programm laufen sollen, und dann noch die Osterferien-Freizeiten für Kinder und Jugendliche, die für gewöhnlich auf der Dreptefarm in Wulsbüttel stattfinden. „Das ist für uns natürlich auch ein starker finanzieller Einschnitt, wenn gleich zwei Ferienwochen auf der Dreptefarm wegbrechen“, sagt Sönke Hofmann, der Geschäftsführer des Naturschutzbundes Bremen.

Doch auch wenn das Gelände in Sebaldsbrück geschlossen ist und alle Veranstaltungen für die Öffentlichkeit ausfallen, laufen auf dem Gelände viele Arbeiten weiter. Denn bei allen Tätigkeiten, bei denen nicht Gruppen zusammenkommen, kann weiterhin angepackt werden: Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei, zwischen zwei Kleingartenvereinen gelegen, steht der Bau eines Cafés an. Für diesen Zweck soll eines der ehemaligen Gewächshäuser zu einem lichtdurchfluteten Raum umgebaut werden. „Die Arbeit daran geht auch in der Corona-Krise voran“, sagt Sönke Hofmann. „Allerdings warten wir immer noch auf die Baugenehmigung. Wir hoffen, dass sie in wenigen Wochen kommt.“

Das große Gelände am Vahrer Feldweg soll zu einem kleinen Naturparadies werden. Schon jetzt sind ausgedehnte Wildnisbereiche da, die sich zu einem, etwa ein Hektar großen Wald entwickeln sollen. Daneben vielfältige Äcker, Gärten und die Streuobstwiese. Schritt für Schritt wird auch die Erlebnisqualität auf dem Gelände erhöht. „In den nächsten Wochen werden wir vier Beobachtungsstationen auf unserem Rundweg über das Gelände einrichten“, sagt Sönke Hofmann. „Die eine wird eine Futterstation für Vögel sein, an denen die Leute gut beobachten können.“ Auch der Weg selbst soll optisch etwas aufgemöbelt werden – so wird der gesamte Rundweg nicht nur spannender , sondern auch besser begehbar.

„Natürlich muss auch die Arbeit in den Nutzgärten weiterlaufen, und die Tiere müssen schließlich in diesen schwierigen Zeiten auch versorgt werden“, sagt Hofmann. Erst vor Kurzem hat der Nabu ein umfangreiches Klimaprojekt bewilligt bekommen, bei dem der eigene Anbau von Gemüse und Kräutern auf dem Gelände erlernt und praktiziert werden soll. Doch auch wer keinen Garten besitzt, kann in dem Vorhaben lernen, wie man auf Balkon oder Terrasse kleine Schritte in Richtung Selbstversorgung mit eigenhändig angebauten Lebensmitteln unternehmen kann. Auch Färben, Kochen oder Upcycling von Textilien stehen auf dem Programm – mit den geplanten Veranstaltungen wird es jedoch vorerst nichts. „Doch die Acker-AG trifft sich weiterhin, und die Teilnehmer bestellen die Felder – allerdings so, dass jeder mit dem nötigen Abstand vom anderen entfernt ist“, sagt Sönke Hofmann – das muss im Frühling unbedingt sein, wenn zum Beispiel unerwünschte Gräser und Kräuter zu sprießen beginnen.

Der Nabu-Geschäftsführer versucht jedenfalls, der Corona-Krise auch gute Seiten abzugewinnen. „Persönlich komme ich endlich mal dazu, die Homepage zu verbessern und kann Sachen abarbeiten, die lange liegen geblieben sind“, sagt er. Draußen in der Natur dreht er auch kleine Filme, zum Beispiel zu seinen hauseigenen Hühnern oder Anleitungen, wie man Nistkästen baut, und stellt sie auf Youtube zur Verfügung. Und Hofmann ist infolge der Corona-Krise auch ein Sinneswandel in der Bevölkerung aufgefallen: „Die Leute haben mehr Zeit, sich zu besinnen, über sich nachzudenken und sich zu fragen, ob sie all den Überfluss wirklich brauchen“, sagt er. Und weil viele nun stark ans Zuhause gefesselt sind, spiele der Garten bei manchem eine zentrale Rolle. Manche Eltern leiten ihre Kinder an, aus dem Fenster Vögel am Futterhäuschen zu beobachten. Die Themen Garten und Vögel werden deshalb in den letzten Tagen verstärkt beim Nabu nachgefragt, sagt Hofmann, „und merkwürdigerweise interessieren sich viele auch für die Hühnerhaltung daheim – die Selbstversorgung rückt offenbar bei vielen Stadtbewohnern stärker in den Mittelpunkt.“ Ein Umdenken, das die beschleunigte und globalisierte Welt auf einmal in Frage stellt, finde derzeit offenbar bei vielen Leuten statt, von denen man es nicht erwartet hätte: „Die Corona-Krise setzt auf einmal vieles frei, was sonst im Alltag untergeht“, sagt Sönke Hofmann.

Unter www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben gibt der Nabu Bundesverband zahlreiche Tipps, wie man den Frühling trotz Corona erleben kann. Außerdem bietet der Nabu Apps und digitale Lerntools an, mit denen man zum Beispiel sein Wissen über Vögel oder Insekten auffrischen kann. Auf der Homepage wird auch gezeigt, wie sich der eigene Balkon zum Nasch- und Gemüsegarten oder zur neuen Heimat für Insekten entwickeln lässt.

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