Feldmark wieder in Diskussion

Grundstücke für Kitas und Schulen in Osterholz gesucht

In Osterholz plant das Bildungsressort den Bau einer Kita und einer Grundschule. Das dafür in Betracht kommende Grundstück ist allerdings noch in Privatbesitz eines bekannten Bremer Bauunternehmers.
27.05.2020, 21:02
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Grundstücke für Kitas und Schulen in Osterholz gesucht
Von Christian Hasemann
Grundstücke für Kitas und Schulen in Osterholz gesucht

In Osterholz fehlen Kitaplätze. Wo allerdings Neubauten entstehen können, ist zum momentanen Zeitpunkt noch unklar.

Frank Molter / dpa

Es ist ein bisschen wie Kai aus der Kiste gewesen: Sehr zum Unverständnis der Mitglieder des Osterholzer Beirats hat das Bildungsressort die erneute Prüfung eines Grundstückes an der Elisabeth-Selbert-Straße auf der Seite der Osterholzer Feldmark für den Bau einer Kita angekündigt. Eine Idee eines Immobilienkaufmanns, die das Bildungsressort vor wenigen Monaten noch verworfen hatte. Offenbar ist es die Not, die zu den Gedankenspielen führt, denn in Osterholz fehlen Kitaplätze. Das ist auf der jüngsten Sitzung des Beirats, in der es auch um den Schulausbau im Stadtteil ging, klar geworden.

Für Janine Griem, in der Bildungsbehörde seit März zuständig für den Ausbau der Kindertagesplätze in Osterholz, war es der erste Auftritt im Osterholzer Beirat, der nur unter strengen Auflagen tagen konnte. Sie stellte die Ausbaupläne der Behörde vor. „Die Kita Scholener Straße wird wohl erst zum Kindergartenjahr 2021/22 eröffnen, dort gab es Verzögerungen beim Bauantragsverfahren.“ Geplant ist zudem eine Kita im künftigen Schweizer Foyer an der Sankt-Gotthard-Straße. Als weitere Standorte für Umbau, Sanierungsvorhaben und Neubauten sind außerdem der Ehlersdamm, Am Siek/Luzerner Straße sowie die Poggenburg in der Diskussion.

Lesen Sie auch

In der Planung ist außerdem der Standort an der Elisabeth-Selbert-Straße am Rande ­Osterholz. Ein Standort, der bereits verworfen schien. „Das hatte den Hintergrund, dass das damalige Konzept nicht funktionieren konnte“, so Janine Griem. Die Behörde habe sich aber intensiv mit dem Bedarf beschäftigt. „Und es gibt dort nur ganz wenige Plätze, deswegen wollen wir prüfen, was es für Möglichkeiten gibt.“

Feldmark wieder im Gespräch

Die Nachricht brachte Unruhe in die Reihen der Beiratsmitglieder. Sprecher Wolfgang Haase (SPD) kleidete diese dann in sachliche, aber auch deutliche Worte an die Adresse der Bildungsbehörde: Haase: „Die Elisabeth-Selbert-Straße war im letzten Herbst im Gespräch gewesen. Mir erschließt sich nicht, warum man da eine Kita bauen möchte.“ Ralf Dillmann (Grüne) ergänzte: „Die Elisabeth-Selbert-Straße ist aus unserer Sicht als Standort zu vergessen.“ Thomas Jablonski, Abteilungsleiter in der Bildungsbehörde, erklärte den Sinneswandel. „Wir haben jetzt doch einen größeren Kita-Bedarf, als wir ihn vor Monaten eingeschätzt haben.“ Es sei aber unklar, ob der Bebauungsplan geändert werden könne. Ursprünglich hatte der Bremer Immobilienkaufmann Holger Löwe der Bildungsbehörde den Bau einer Kita auf einem ihm gehörenden Grundstück an der Elisabeth-Selbert-Straße vorgeschlagen. Nötig wäre dafür aber eine Änderung des bestehenden Bebauungsplans. Kritiker mahnen, dass dies der Startschuss für die Bebauung der Osterholzer Feldmark sein könnte.

Lesen Sie auch

Der gedankliche Ausflug in die Osterholzer Feldmark überdeckte zeitweise die für viele Eltern wahrscheinlich entscheidendere Frage: Wo bekommt mein Kind noch einen Kitaplatz? Denn die Zahlen, die Janine Griem präsentierte, verheißen nichts Gutes für Osterholzer Eltern. Insgesamt fehlen nach den Kita-Anmeldungen Anfang des Jahres 258 Plätze. Das sind 16 Kita-Gruppen. Nach derzeitigem Stand kommen noch sechs Gruppen zum Start des neuen Kitajahres hinzu. „Was ist mit den Kindern, die zum neuen Kindergartenjahr keinen Platz bekommen haben?“, wollte Ralf Dillmann von Janine Griem wissen. „Das ist ja eine erhebliche Zahl, bei der wir wohl irgendwelche Notlösungen finden müssen“, befürchtet Dillmann. Die gelernte Architektin antwortete eher ausweichend. „Wir versuchen natürlich, Lösungen zu finden, zum Beispiel mit einem Besuch einer Kita in einem anderen Stadtteil.“ Weitere „Dinge“ seien in der Prüfung.

Die Zeit drängt

Der wegen der Corona-Pandemie in der Aula der Albert-Einstein-Schule öffentlich tagende Beirat hätte sich für diese Sitzung keinen besseren Platz aussuchen können. Denn die Oberschule mit dem weitläufigen Gelände wird von der Anpassung der Schulplanung für Osterholz profitieren. Die schon bekannten Pläne stellte Daniel de Olano im Detail im Beirat vor, denn noch vor der Sommerpause möchte das Bildungsressort die nötige Stellungnahme des Beirats einholen. Den Hintergrund für die Eile – der Beirat soll bis Mitte Juni Stellung beziehen – erklärte der Schulstandortplaner so: „Wenn wir nicht bis zum Sommer alle Beschlüsse haben, verlieren wir den ganzen Sommer.“ Will heißen: Die Planungsphase könnte sich deutlich verlängern.

Für Osterholz bedeutet die Anpassung, dass eine neue Grundschule und eine neue Oberschule im Stadtteil entstehen sollen. Damit entfällt zunächst der Ausbau der Albert-Einstein-Schule. Für die Grundschule wird ein Grundstück im südlichen Osterholz gesucht. „Das Problem ist, dass dieses in privater Hand liegt.“ Tatsächlich ist offenbar das Bauunternehmen Müller und Bremermann Eigentümer des Grundstücks, wie von verschiedenen Quellen zu hören ist. Das Unternehmen hat am Ehlersdamm bereits dutzende Neubauwohnungen gebaut.

Eine große Campuslösung mit Kita, Grundschule und Oberschule schloss Daniel de Olano wegen des Flächenbedarfs weitgehend aus. Eine kleine Lösung aus Kita und Grundschule sei hingegen angestrebt. Die Oberschule solle außerdem in räumlicher Nähe entstehen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+