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Interreligiöser Kalender 2020 des Anatolischen Bildungs- und Beratungszentrums listet religiöse Feiertage und deutsche und internationale Feier- und Gedenktage auf.
09.01.2020, 10:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Jede Weltreligion hat ihre eigenen Feiertage, die Christen etwa feiern Himmelfahrt, bei den Muslimen gibt es das Opferfest und bei den Juden den Versöhnungstag Jom Kippur. Und diese Feiertage sind an ganz unterschiedlichen Tagen im Jahr datiert – ein interkultureller und interreligiöser Kalender, erstellt vom Anatolischen Bildungs- und Beratungszentrums in Hemelingen, bringt die wichtigsten religiösen, nationalen und internationalen Feiertage für das Jahr 2020 auf mehreren Seiten übersichtlich zusammen. Berücksichtigt sind dabei die christlichen, orthodoxen, die jüdische, hinduistischen und muslimischen Religionen.

Außerdem führt der Kalender auch deutsche und internationale Gedenktage auf: Tage, die an Katastrophen erinnern, wie den 26. April, an dem der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gedacht wird, oder den 29. April, der den Menschen gewidmet ist, die durch chemische Waffen ums Leben kamen. Auch an Massaker, wie den Völkermord in Srebrenica in Bosnien-Herzegowina am 11. Juli 1995, erinnert der Kalender.

Zudem werden Menschen, die an Behinderungen leiden, in den Mittelpunkt gerückt, beispielsweise am Internationalen Tag der Gehörlosen am 29. September. Der interkulturelle und interreligiöse Kalender will mit der Nennung dieser Gedenktage das in Erinnerung rufen, was über die Grenzen von Völkern, Religionen und Kulturen hinweg alle Menschen angeht.

„Um den Kalender zu aktualisieren, haben wir mit vielen Geflüchteten Kontakt aufgenommen und sie die Daten überprüfen lassen„, erklärt Rahmi Tuncer vom Anatolischen Bildungs- und Beratungszentrum. “Außer Muslimen gehörten zum Beispiel auch Menschen aus dem griechisch-orthodoxen Kulturkreis dazu, und die Befragten konnten auch wichtige Termine und Ereignisse ergänzen.“

Auch wurde in den interreligiösen Kalender zum Beispiel der Völkermord an den Armeniern aufgenommen oder andere Tage, an denen Unschuldige getötet wurden, beispielsweise der 6. April, an dem es 2006 zur Ermordung von Halit Yozgat durch die rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in Kassel kam.

Das Anatolische Bildungs- und Beratungszentrum setzt sich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben im Stadtteil ein. Dazu gehört auch, zu vermitteln, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Religionen gibt. Dazu zählt etwa das Gebot der Nächstenliebe, das jedoch insbesondere von religiösen Fanatikern vergessen oder verdrängt wird. Der Kalender, der kontinuierlich seit 2013 herausgegeben wird, soll einen Beitrag zur gegenseitigen Toleranz und zum Verständnis für den Anderen leisten.

„Vor allem mit der Erinnerung an die vielen Opfer von politischen und religiösen Verfolgungen soll unser Kalender auch politische Bildungsarbeit sein“, sagt Rahmi Tuncer, „und mit der Übersicht über die Vielfalt der vielen Feste der Kulturen will er auch zum religiösen Dialog beitragen.“

Der Kalender wird vom Anatolischen Bildungs- und Beratungszentrum in Hemelingen kostenlos abgegeben. „Außer viele Einzelpersonen sind vor allem Schulen Hauptabnehmer unseres Kalenders, und zwar nicht nur in Bremen, sondern auch im weiteren Umland“, sagt Rahmi Tuncer. Besonders an Schulen treffen Kinder und Jugendliche aus verschiedenen religiösen und kulturellen Traditionen auf engem Raum aufeinander.

„Man kann den Kalender telefonisch bestellen, und um Portokosten zu sparen, bringen ihn einige Mitglieder unseres Vereins sogar selbst an den Adressaten, man kann ihn aber auch bei uns abholen“, erklärt Rahmi Tuncer.

1000 Exemplare hat der Hemelinger Verein drucken lassen, wobei etwa 100 Kalender an die Förderer gingen – bei Bedarf sollen auch etwa Schulen mehrere Exemplare erhalten können. Das Anatolische Bildungs- und Beratungszentrum hat den Kalender zum größten Teil aus eigener Tasche finanziert, ein kleinerer Betrag floss über die Anzeigen, die der Kalender enthält, in die Kosten für den Druck ein. Zwar sei die Stadt Bremen im Vergleich zu vielen deutschen Städten toleranter, betont Tuncer. Allerdings werden seiner Ansicht nach demokratiefeindliche Herrscher in der Welt derzeit leider immer lauter. „Besonders in Zeiten, in denen verstärkt gegen religiöse Minderheiten gehetzt wird, wollen wir mit unserem Kalender einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben leisten“, sagt Rahmi Tuncer vom Anatolischen Bildungs- und Beratungszentrum in Hemelingen.

Der interreligiöse Kalender ist im Anatolischen Bildungs- und Beratungszentrums, Bultstraße 1, kostenlos erhältlich. Die Öffnungszeit ist jeden Donnerstag, 14 bis 17 Uhr. Er kann auch unter Telefon 68 56 98 36 sowie unter der E-Mail rahmituncer@web.de bestellt werden.

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