Lebensmittel für Bedürftige

Bremer Tafel trotzt Corona

Die Tafel setzt den Betrieb an zwei Standorten fort – jüngere Freiwillige ersetzen dort ältere Ehrenamtliche. Doch in die Ausgabe an der Berliner Freiheit können die Kunden nur noch alle zwei Wochen kommen.
25.03.2020, 18:01
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Tafel trotzt Corona
Von Christian Hasemann
Bremer Tafel trotzt Corona

Wer auf die Tafel im Hanna-Harder-Haus an der Berliner Freiheit angewiesen ist, muss mit dem Einkauf eine Woche länger auskommen, als sonst üblich.

PETRA STUBBE

Hemelingen/Vahr. Die Bremer Tafel hält trotz Corona-Epidemie an ihrem Angebot für Senioren in der Vahr und für Bedürftige in Hemelingen fest. Veränderungen am Einlass und mehr Abstand sollen die Sicherheit für Kunden und Ehrenamtliche sicherstellen. Unterstützung bekommt die Tafel von Studenten und Schülern.

Barbara Schneider vom Nachbarschaftstreff Vahrer See im Hanna-Harder-Haus an der Berliner Freiheit, wo die Essensausgabe organisiert wird, über die Veränderungen im Betrieb: „Wir haben das Einlassverfahren für unsere Kunden geändert.“ Das hat konkrete Auswirkungen. „Im Moment können unsere Kunden nur alle zwei Wochen einkaufen“, bedauert Barbara Schneider. Denn pro Woche sei der Verkauf auf eine der zwei Kundengruppen beschränkt. So soll ein zu großer Andrang vermieden werden. In dieser Woche sind es die Kunden mit den Nummern eins bis 60, die günstig Lebensmittel einkaufen können. „Und wir lassen die Kunden nur so rein, dass der Mindestabstand eingehalten wird“, sagt Schneider über die weiteren Sicherheitsmaßnahmen.

Die Tafel lebt von den Ehrenamtlichen bei der Lebensmittelausgabe. Viele ihnen zählen allerdings, so wie die Senioren bei der Lebensmittelausgabe in der Vahr, selbst zur Risikogruppe. Das Risiko schwerer Erkrankungen bei einer Infizierung mit dem neuartigen Coronavirus nimmt mit dem Alter oder bei Vorerkrankungen deutlich zu. „Gerade die älteren Ehrenamtlichen haben wir daher rausgehalten“, so Schneider. Insgesamt seien aber immer noch genügend Helfer vor Ort, für die dieselben Hygieneregeln gelten, wie in einem normalen Supermarkt. Eine kleine Delle habe es bei der Versorgung mit Lebensmitteln gegeben – einige Handelsketten waren davon ausgegangen, dass die Bremer Tafel ebenso wie einige Tafeln in den Umlandgemeinden schließt. „Aber jetzt haben wir wieder ein normales Aufkommen“, sagt Schneider. Tatsächlich seien in den vergangenen Tagen viele frische Sachen aus Restaurants geliefert worden. „Das war natürlich ganz schön.“ Damit dürfte mit den verschärften Ausgangsbeschränkungen allerdings Schluss sein.

Zum Stillstand gekommen ist dagegen das Leben im Nachbarschaftstreff Vahrer See außerhalb der Öffnungszeiten der Lebensmittelausgabe. „Die, von denen ich die Nummern habe, rufe ich an und erkundige mich“, sagt die Leiterin des Nachbarschaftstreffs. „Ich versuche, die Leute bei Laune zu halten und bei Bedarf Hilfe zu organisieren.“

Ehemann Uwe Schneider, Chef der Bremer Tafeln, spürt eine große Hilfsbereitschaft. „Wir haben erfreulich viele Menschen, die helfen wollen“, sagt er. Darunter seien viele Studenten, Schüler und Auszubildende. „Aber auch Menschen, die nicht in den Betrieb können und zu Hause sein müssen.“ So konnten alle älteren Ehrenamtlichen der Tafel daheim bleiben. Der Kundenverkehr dagegen habe insgesamt etwas abgenommen.

Am Hauptstandort in der Brauerstraße in Hemelingen würden die Kunden am Eingang einzeln eingelassen, und es werde darauf geachtet, dass alle Menschen den Mindestabstand einhalten. „Wir werden außerdem noch Abstandsmarkierungen machen“, kündigt er an. Trotz Krisenmodus geht der Betrieb so normal wie möglich weiter. „Es geht alles etwas langsamer, aber die Kunden sind sehr dankbar, dass wir noch aufhaben“, sagt Uwe Schneider.

Die Bremer Tafel für Senioren und Menschen mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten im Nachbarschaftstreff Vahrer See im Hanna-Harder-Haus, Berliner Freiheit 9c, Zugang Otto-Suhr-Straße, hat mittwochs von 14.30 bis 16 Uhr geöffnet. Die Hauptausgabestelle in Hemelingen, Brauerstraße 13, hat Montag bis Freitag von 13 bis 15 Uhr geöffnet. Neuaufnahmen sind dort nur am Montag von 9 bis 11 Uhr möglich. Das Angebot richtet sich an Menschen mit einer niedrigen Rente, an Bezieher von Arbeitslosengeld II oder vergleichbaren Einkommen.

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