Kommunalpolitik online

Beirat Hemelingen tagt virtuell

Der Ortsbeirat Hemelingen hat einen gemeinsamen Beschluss gefasst. Er will sich für einen Ausbau der Infrastruktur für das Online-Lernen im Stadtteil stark machen.
09.05.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Beirat Hemelingen tagt virtuell
Von Christian Hasemann
Beirat Hemelingen tagt virtuell

Die Grünen im Beirat Hemelingen (von links: Christa Komar, Ralf Bohr und Angelika Beate Brand) wollen Schüler aus benachteiligten Familien beim Online-Lernen helfen.

PETRA STUBBE

Das Format der jüngsten Beiratssitzung in Hemelingen hätte nicht besser zum wichtigsten Tagesordnungspunkt des Stadtteilparlaments passen können. Statt wie gewohnt im Saal des Bürgerhauses, haben sich die Beiratsmitglieder virtuell in einer Videokonferenz getroffen. Obwohl nicht explizit auf der Tagesordnung genannt, avancierte dabei die Bildungsgerechtigkeit in Zeiten des Online-Lernens zum Thema der Stunde.

Eine gewisse Unsicherheit mit dem Umgang der Technik war den Beiratsmitgliedern während der knapp zweieinhalbstündigen Sitzung anzumerken, dennoch verlief das virtuelle Treffen weitgehend problemlos. Unsicherheit gab es allerdings zum Verfahrensablauf. Denn eigentlich sind Sitzungen des Beirats öffentlich abzuhalten, was in diesen Zeiten allerdings schwer bis unmöglich umzusetzen ist. Ein Beschluss der Bürgerschaft mit einer geänderten Fassung des Ortsgesetzes über Beiräte und Ortsämter wird erst nächste Woche erwartet (wir berichteten). Mit dieser Änderung ist ersatzweise eine Beteiligung der Öffentlichkeit über digitale Verfahren sowie durch die Teilnahme von Pressevertretern zulässig. Letztlich entschied sich die Mehrheit der Beiratsmitglieder dafür, die Sitzung dennoch abzuhalten. Der Tenor: Es gebe zu viele wichtige Themen, die behandelt werden müssten.

Eines dieser Themen waren die Auswirkungen der Corona-Epidemie auf den Stadtteil. Dafür waren zugeschaltet Dirk Bülow und Julia Wengeborg vom Polizeirevier Hemelingen sowie Quartiersmanagerin Heike Schilling. Während die Polizei das Verhalten der Bürger lobt und keine größeren Probleme wegen der Corona-Krise sieht, berichtete Heike Schilling von Schwierigkeiten der Schulen und Schüler im Stadtteil. „Es mangelt in den Schulen an der Ausstattung mit Tablets und Laptops, um die Kinder besser und umfangreicher beschulen zu können.“ Gerade die ohnehin sozial benachteiligten Schüler seien durch Corona noch weiter von Bildung ausgegrenzt. Christa Komar (Grüne): „Auch wenn der Bund Geld dazu gibt, können sich viele unserer Familien das nicht leisten.“ Der Stadtteil müsste sich etwas einfallen lassen. „Es läuft nicht nur in Hemelingen schlecht, sondern offenbar in der ganzen Stadt“, ergänzte Karsten Koczwara (Die Partei). Gerade Familien mit mehreren Kindern könnten nicht für jedes einen Laptop kaufen. „Und so wie es aussieht, wird es auch im kommenden Schuljahr keinem normalen Unterricht geben.“ Franjo Gießen vom Jugendbeirat Hemelingen, der ebenfalls zugeschaltet war, brachte die Perspektive der Schüler in die Diskussion ein. „Selbst wenn man ein Gerät zum Anmelden hat: Um acht Uhr morgens ist die It’s-learning-Plattform überlastet.“ It’s learning ist die Bremer Online-Plattform für digitales Lernen.

Ralf Bohr (Grüne) war es, der spontan einen gemeinsamen Beschlussvorschlag in die Diskussion einbrachte. „Ihr wisst ja, wie lang die Beschaffung dauert, da sollte man so schnell wie möglich damit anfangen.“ Ein Vorschlag, der breite Unterstützung in den Fraktionen fand. „Wir müssen handeln, denn den Kindern läuft die Zeit davon“, so Karsten Koczwara. Eine Überweisung an den Bildungsausschuss lehnte Ralf Bohr ab. „Die Quartiersmanagerin hat deutlich gemacht, dass die Kinder jetzt schon abgehängt sind.“ Der Beschluss, in dem der Beirat eine Ausstattung der Hemelinger Schüler mit passenden Geräten fordert, wurde bei einer Stimmenenthaltung angenommen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+