Parsevalstraße

Wo Schüler dösen dürfen

In der Grundschule an der Parsevalstraße hat sich einiges getan. Es gibt nun einen Ruheraum mit Matrazen, sanfter Musik und beruhigenden Bildern.
05.01.2019, 14:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Matthias Holthaus
Wo Schüler dösen dürfen

Regina Kück (links)und Irene Böer
haben in der Grundschule an der Parsevalstraße einen
Ruheraum für
gestresste Jungen und Mädchen eingerichtet.

PETRA STUBBE

Irene Böer schaut in den neu eingerichteten Raum in der Grundschule an der Parsevalstraße und freut sich: „Wir haben lange darauf hingearbeitet, um diesen Raum zu bekommen“, sagt sie. In der Tat hat es drei Jahre gedauert, bis der „Traumpalast“ endlich Wirklichkeit wurde.

Der „Traumpalast“ ist aber eigentlich ein „Snoezelenraum“ – dieses Wort kommt aus dem Niederländischen und ist eine Kombination aus „doezelen“ und „snuffelen“, also dösen und schnuppern. „Kinder reagieren immer häufiger mit Kopfschmerzen, Nervosität, Hyperaktivität und erhöhter Aggressivität auf Stress“, heißt es von Irene Böer, die noch bis vor drei Jahren als pädagogische Fachkraft in der Parsevalstraße tätig war. Die Schnelllebigkeit der Zeit lasse kaum Raum für Muße und Entspannung. Um diesem Missstand etwas entgegenzusetzen, entstand die Idee, einen gemütlichen Raum herzurichten, damit die Kinder im Schulalltag einmal dieser Reizüberflutung entkommen könnten und eine Auszeit hätten, beschreibt Irene Böer die Motivation.

Herausgekommen ist nun ein ruhiger Raum mit insgesamt neun weißen Matratzen auf einem blauen Teppich. Weiße Tücher sind im Raum gespannt, und es gibt eine kleine Empore in einer Ecke, die nicht nur mit zwei Matratzen, sondern auch mit einer leicht blubbernden Plexiglas-Wassersäule aufwarten kann, die langsam die Farben wechselt. Ein Diaprojektor zeigt derweil in ruhigen Bildern einen Tannenwald im Wandel der Jahreszeiten, eine Discokugel zaubert Lichtreflexe in den Raum, und sanfte Musik sorgt für sofortige Entspannung. Überwiegend weiß sei er, weil Weiß reizarm sei, sagt Irene Böer, und er sei deshalb auch bewusst schlicht gehalten.„Wir haben damals im Rahmen unserer Arbeit auch Traumreisen abgehalten“, erzählt Irene Böer. „Traumreisen entstehen in der Fantasie, sie finden im Kopf statt. Man erzählt den Kindern etwas, und sie stellen sich etwas vor.“ Und Schulleiterin Dagmar Bardenhagen ergänzt: „Die Kinder bekommen Anregungen, viele von ihnen haben ja kaum noch Vorstellungskraft.“ Denn Kinder bekämen sehr viel visualisiert, es werde viel ferngesehen, kann sie berichten. „Oder es werden Computerspiele gespielt, ohne dass man eigene Vorstellungen entwickeln muss. Geschichten, die wir selbst noch gelesen oder vorgelesen bekommen haben, bekommen sie heute fertig vorgesetzt.“ Der Raum habe aber auch etwas mit Ruhe zu tun, denn: „Wenn man Vorstellungskraft wecken möchte, muss man Ruhe haben. Und auch für den Ganztag brauchen wir einen Ort der Ruhe für die Kinder.“

Eine Auszeit für die Kinder solle der Raum sein, sagt Irene Böer, die bereits mit der damaligen Schulleiterin Jutta Schmidt die Planung für den Raum begonnen hat: „Man merkt schon, dass es für die Kinder schwer ist, runterzukommen.“ Visuell könne man nun dieses „Runterkommen“ super unterstützen, sagt sie, und außerdem vermittele der Raum auch Geborgenheit: „Bereits im Mutterleib waren die Kinder geborgen, und immer noch bauen sich Kinder ja auch gerne Höhlen.“ Die Nachfrage jedenfalls sei groß: „Und es ist ja auch immer auf freiwilliger Basis, bestimmen bringt da nichts.“ Freiwillig akzeptieren sie dann auch die Regeln. Etwa die, dass im Traumpalast nur Sportkleidung getragen werden dürfe, weiß Regina Kück von der Grundschule Parsevalstraße zu berichten: „Und viele erklären dann auch anderen Kindern die Regeln.“

Die Kinder, die im „Traumpalast“ gewesen seien, kämen übrigens anders in den Unterricht zurück: „Sie sind entspannter“, sagt Dagmar Bardenhagen.

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