Nach über 100 Jahren in Sebaldsbrück

Zukunft des Bahnwerks ungewiss

Interessierte Bürger und Stadtteilpolitiker im Beirat Hemelingen warten vergeblich auf Stellungnahme der Unternehmensspitze. Im Raum steht die mögliche Schließung der Lokhalle mit 120 Beschäftigten.
31.08.2018, 17:23
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Zukunft des Bahnwerks ungewiss
Von Christian Hasemann
Zukunft des Bahnwerks ungewiss

Ein Werksarbeiter im Ausbesserungswerk Bremen. Hier werden unter anderem die Dieselmotoren von Lokomotiven gewartet.

Frank Thomas Koch

Wie geht es weiter mit dem Bahn-Ausbesserungswerk in Sebaldsbrück? Was passiert mit den über 400 Mitarbeitern und den 40 Auszubilden? Diese Fragen wollte sich der Beirat Hemelingen von der Führungsspitze des Werkes erklären lassen, diese allerdings ließ den Beirat auflaufen und erschien nicht. Die Begründung, laut Ortsamtsleiter Jörn Hermening: Der Zeitpunkt sei zu früh, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Dabei ist schon seit einem Jahr bekannt, dass ein Teil des Werkes verlegt werden soll.

Hans-Peter Hölscher (SPD) nannte das Gebaren der Manager „unerhört“ und beantragte, das Thema auch auf die Tagesordnung der kommenden Beiratssitzung zu setzen und die Führungsriege über das Ortsamt erneut einzuladen. Ein Antrag, dem der Beirat einstimmig folgte.

Spezialisierung auf Dieselloks macht Probleme

Um das Ausbesserungswerk wird schon seit Langem gerungen. Der Standort kann auf eine lange Historie zurückblicken. 1914 ging das Werk in Betrieb, konnte also vor vier Jahren sein 100-jähriges Bestehen feiern. In Spitzenzeiten arbeiteten rund 2000 Beschäftigte in dem Betrieb. Mit der Elektrifizierung weiter Streckenabschnitte gab es im Bremer Werk weniger zu tun, denn dies hatte sich ab 1962 auf Dieselloks spezialisiert. 1985 gab es eine erste kleinere Krise. Damals besetzten Lehrlinge die Lehrwerkstatt, als nur fünf der 45 angehenden Schlosser und Elektriker übernommen werden sollten. 2009 sicherte der damalige Bahnchef Rüdiger Grube dem amtierenden Bürgermeister Jens Böhrnsen den Fortbestand des Werkes zu. 2010 wurde die Anzahl der Mitarbeiter in dem auf Motorinstandhaltung spezialisierten Ausbesserungswerk von 500 auf knapp 400 reduziert.

Eine komplette Aufgabe des Standorts steht auch jetzt nicht im Raum, aber eben die Schließung der Lokhalle, in der etwa ein Drittel der Belegschaft arbeitet. Die mögliche Schließung der Lokhalle in Bremen ist in die „Werksstrategie 2030“ der Deutschen Bahn eingebettet. Diese sieht vor, dass die Bremer Dieselloks zukünftig in Werken in Cottbus und Dessau gewartet werden. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits, sagte Betriebsrat Helmut Blohm. „Schon jetzt findet ein Wissenstransfer nach Cottbus und Dessau statt, mit Arbeitern, die von dort kommen.“ Er schätzt, dass ungefähr 120 Mitarbeiter von der Umstrukturierung betroffen sein werden. „Aber man weiß nicht, wer das Werk verlassen muss und wann.“ Auch er habe sich von der Sitzung erhofft, mehr Informationen von der Betriebsleitung zu erhalten. Für das kommende Jahr seien außerdem keine Elektroniker mehr eingestellt worden, weil keiner wisse, was dann sein wird.

Keine greifbaren Pläne für die Zukunft

Ingo Tebje (Linke) wollte wissen, wie der Beirat den Betriebsrat unterstützen kann. „Dafür müssen wir wissen, was überhaupt passieren soll, bisher wissen wir nur, dass die Lokinstandhaltung gehen soll“, sagte Helmut Blohm. Ob es Strategien oder Pläne für die dann leer stehende Halle gibt, wisse er nicht. „Es gibt wohl einen Kooperationsvertrag zwischen der Stadt und dem Werk zum Thema 3D-Druck und IT, aber da gibt es noch nichts Greifbares“, so Helmut Blohm. Aus dem Publikum kam die Spekulation, dass die Bahn das Gelände an das fast unmittelbar angrenzende Mercedes-Werk verkaufen wolle. Ob Mercedes mit dem Ausbau des Gewerbeparks Hansalinie an der A1, der derzeitigen Produktionsdrosselung und die mittelfristige Umstellung auf Elektroautos, die bei der Herstellung weniger Teile benötigen, diese Flächen überhaupt braucht, ist allerdings fraglich.

Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) fragte nach alternativen Antriebsarten und damit nach der Zukunftsfähigkeit des Werkes in diesem Bereich. „Ich glaube, selbst bei der Bahn sind Dieselloks Auslaufmodelle. Ich glaube, die Kollegen sind hoch qualifiziert, da muss man gucken, wie man das auf andere Felder bringt“, so seine Einschätzung. Im Moment seien die neuen Technologien noch nicht da und der Bedarf an Dieselloks, unter anderem auch als Notfallloks im Falle eines Netzausfalls, noch da, so Helmut Blohm. „Es ist nicht so, dass wir keine Arbeit haben, die haben wir bis unters Dach.“ Gerhard Scherer (CDU) erinnerte in diesem Zusammenhang an die Bremer Hafenwirtschaft, die auf die Dieselloks angewiesen sei. „Die müssen doch auch gewartet werden, das sind so Dinge, die man auch im Hinterkopf behalten muss.“ Es bleiben weiter viele Fragen, wie es mit dem Ausbesserungswerk in Sebaldsbrück weitergeht.

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