Für Schmetterlinge und Gibbons

Neue Heimat für kleine und große Tiere in der Botanika

In einer Feierstunde zum Anbau der Botanika wird eine Zeitkapsel versenkt – im Sommer sollen die Tiere dort unterkommen.
19.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel
Neue Heimat für kleine und große Tiere in der Botanika

Armin Schlüter von der Botanika (links) und Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff füllen die Zeitkapsel für den Botanika-Anbau mit allerlei Kuriosem.

Petra Stubbe

Die Spuren der Handwerker sind unübersehbar, sie ziehen sich auf einigen Wegen bis hinter das Hauptgebäude der Botanika – denn dort bauen sie derzeit eine neue Heimstätte. Es sind bereits Einzelheiten des nächsten Schritts in der Entwicklung des Bildungszentrums im Rhododendronpark zu entdecken. Aus einer Baugrube erheben sich bereits die ersten Mauern, Baufahrzeuge unterhalb eines hoch aufragenden Kranes warten auf ihren weiteren Einsatz. Doch jetzt gerade herrscht Ruhe auf der Baustelle, die seit Mai Gestalt annimmt. Der Anlass für den zeitweisen Stillstand der Arbeiten ist ein angenehmer: Zum Bau des neuen Schmetterlings- und Gibbonhauses der Botanika gibt es eine kleine Feierstunde. Eine Zeitkapsel wird im Fundament des Neubaus mit Beigaben von Bremer Prominenz versenkt.

„Der Bremer Schlüssel steht dafür, dass wir den Schlüssel zu Toren von fremden Welten haben, um diese kennenzulernen“, beschreibt Frank Imhoff, Bürgerschaftspräsident, den überdimensionierten Schlüssel aus dem Bremer Stadtwappen, den er noch einmal hochhält. Der CDU-Politiker wird diesen wenig später in die Zeitkapsel legen, doch zuvor erläutert er, weshalb er nicht nur Tore in räumlicher Perspektive aufstößt. „Die Botanika öffnet allen Bremerinnen und Bremern den Zugang zu ganz neuen Welten. Mit dem Neubau geht es um eine neue Welt: die Insektenvielfalt, die man hier entdecken kann.“ Die Stadt Bremen fördert die Innenausstattung des Schmetterlingshauses. Der Bau wird von Hansewasser unterstützt. Imhoff begrüßt ausdrücklich das unternehmerische und bürgerschaftliche Engagement, das hinter dem Projekt steht.

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„Die Schmetterlinge sind Botschafter der Vielfalt“, beschreibt Sylvia Schuchardt, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Botanika, wie bedeutend die Schmetterlinge auch als Symbol für die Tierwelt als Ganzes sind. Denn in jedem Stadium als Ei, Raupe, Puppe und schließlich als ausgewachsener Schmetterling bräuchten sie jeweils ganz spezielle Bedingungen, damit sie überleben und sich fortpflanzen könnten. Der Wechsel von der jährlichen Sonderausstellung „Im Reich der tropischen Schmetterlinge” hin zu einer dauerhaften Unterbringung stelle einen wichtigen Schritt in dar.

Zusammen mit dem Neubau für die Schmetterlinge, der im Inneren 18 mal 18 Meter misst, entsteht auch ein neues Affenhaus. Drei der vier Weißhandgibbons sind 2016 aus einem ehemaligen Bremer Zoo-und Gartencenter übernommen und in der Botanika zunächst im Übergangsgehege untergebracht worden. Gibbons bilden eine Familie baumbewohnender Primaten – auch als kleine Menschenaffen bezeichnet – aus Südostasien. Knuppy, Yuna, Wody und Jupp bekommen nun allesamt ein neues Zuhause.

Eine deutliche Verbesserung

Sie bleiben zwar in zwei Gruppen – die kleinen und die größeren Affen – voneinander getrennt, werden aber im neuen Jahr Gehege beziehen, die mit ihren Außenbereichen jeweils direkt nebeneinanderliegen und nicht wie jetzt, recht weit voneinander entfernt. „Damals musste alles recht schnell gehen“, verweist Schuchardt auf den Umzug, in dem innerhalb von drei Monaten alles wirklich schnell gehen musste. Auch in der Größe werden die neuen Heimstätten für die Affen eine deutliche Verbesserung gegenüber dem inzwischen zum Langzeitquartier gewordenen Übergangsgehege darstellen. Das neue Gehege wird um ein Viertel größer und vor allem auch höher sein.

Ermöglicht wird das neue Affenhaus durch einen privaten Stifter. Der Bremer Kaufmann ist Anfang des Jahres verstorben, sodass er den Baubeginn nicht miterleben konnte. Stellvertretend für ihn und seine Stiftung haben seine Witwe und seine Kinder dem Festakt beigewohnt.

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Auch bei den Gibbons geht es der Botanika um Artenschutz. Zu Recht, denn die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) stuft ihn als stark gefährdet ein. Unter anderem sollen deshalb auch weltweite Projekte zum Erhalt und für die koordinierte Nachzucht im Zuge des neuen Affenhauses vorgestellt werden.

Der Neubau des kombinierten Schmetterlings-und Gibbonhauses setzt die Erweiterungen der Botanika aus den vergangenen Jahren fort. Zuvor veränderte sich das Domizil für nicht einheimische Pflanzen und Tiere inmitten des Rhododendronparks durch den Anbau des Veranstaltungszentrums sowie dank der Erneuerung des Entdeckerzentrums. Es zählt heute nach eigenen Angaben zu einer der besucherstärksten Kultur-und Bildungseinrichtungen Bremens.

Ein Schmuckdeckel eines Abwasserkanales

In die Zeitkapsel kommen schließlich mehrere Andenken, die – so die Zeitkapsel jemals gefunden werden sollte – den Entdeckern einige Kopfzerbrechen bereiten werden. Zumindest ohne einige historische Forschung kann die Bedeutung jedes Objektes dann wohl nicht mehr aus dem erschlossen werden – der Schlüssel gehört da noch zu den einfachen Objekten. Kryptischer wird es schon bei einem Miniatur-Schmuckdeckel eines Abwasserkanales – die Beigabe von Hansewasser Bremen. Ihr technischer Geschäftsführer Jörg Broll-Bickhardt zeigt sich über das Vorankommen des Baus sehr erfreut. „Für die Förderung lokaler Umweltprojekte und Engagement in Jugend und Bildung sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung.“ Der Umweltbericht, der zusammengerollt ebenfalls seinen Platz findet, lässt wohl die einfachste Verbindung zum Tierschutz zu.

Petra Schäffer, Geschäftsführerin der Botanika, freut sich über jede Beigabe für die Zeitkapsel. Fertig werden sollen die neuen Heime für Gibbons und Schmetterlinge im kommenden Sommer. „Wann genau können wir noch nicht sagen“, gibt Sylvia Schuchardt zu bedenken. „Aber spätestens im August oder September nächsten Jahres sollen die Tiere einziehen können.“ Die Botanika hoffe aber, dass es früher klappt. Bisher sei man zumindest im Zeitplan.

Botanika Zeitkapsel

Die Außenmauern des Botanika-Anbaus wachsen schon: Der vordere Bereich ist für die Gibbons, im hinteren Teil sollen die Schmetterlinge ihre Heimat finden.

Foto: Petra Stubbe
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