Andreas-Hospiz Auf der Baustelle geht es voran

Es kommt Bewegung in den Umbau des ehemaligen Gemeindehauses zum Andreas-Hospiz. Wenn es bei der Lieferung der Materialien keinen Engpass gibt, ist die Eröffnung für September geplant.
06.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Das Loch im Parkplatz ist zwei Meter tief. Mindestens. Und es ist entscheidend für alles, was im ehemaligen Gemeindehaus der Andreas-Gemeinde geplant ist. Das Loch legt die Mauer im Souterrain des Gebäudes frei. Dort soll ein Fahrstuhl eingebaut werden, in dem auch ein Bett Platz haben muss. Denn in wenigen Monaten sollen hier Menschen einziehen, die sterbenskrank sind und von denen manche nicht mehr laufen und auch nicht mehr im Rollstuhl sitzen können. Das Andreas-Gemeindehaus wird zum Andreas-Hospiz umgebaut.

Frank Deitschun ist erleichtert, dass endlich Bewegung in das Bauprojekt gekommen ist. Von November bis Mitte März seien nur vorbereitende Maßnahmen möglich gewesen, weil noch keine Genehmigung erteilt worden war, erzählt der Projektleiter. Inzwischen sind rund 30 Handwerker vor Ort, um Schlafzimmer, Bäder und Gemeinschaftsräume auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner zuzuschneiden. Das bedeutet zum Beispiel, die Balkone so groß zu bauen, dass ein Krankenbett darauf Platz hat. „Wir wollen unseren Gästen so viel Lebensqualität wie möglich bieten“, betont Kim Friedrichs vom Träger Mission Lebenshaus, einer Tochtergesellschaft der Inneren Mission. Die Hospiz-Bewohner werden bei der Mission Lebenshaus bewusst Gäste genannt. Hintergrund ist laut Friedrichs das erklärte Ziel der Einrichtungen, den Menschen ihre Zeit im Hospiz so angenehm wie möglich zu gestalten, damit sie sich wohlfühlen – „so, als ob man Gäste empfängt“.

Zentraler Ort im Andreas-Hospiz

Neun Gästezimmer entstehen im früheren Gemeindehaus. Jedes hat ein Bad, eines hat außerdem ein angrenzendes Familienzimmer. Für Angehörige, die häufiger über Nacht bleiben, sagt Friedrichs. Ein zentraler Ort im Andreas-Hospiz soll die frühere Küsterwohnung werden: hier entsteht gerade eine geräumige Wohnküche. Dass sie außergewöhnlich hell ist, verdankt sie einer kompletten Fensterfront – dort, wo der Küster früher seinen Balkon hatte. Direkt hinter der Küche liegt der Raum der Stille. Das klinge angesichts klappernder Teller und Töpfe im Nachbarraum vielleicht sonderbar, sagt der Projektleiter. Doch von alldem werde im Raum der Stille nichts zu hören sein, verspricht er. „Wir haben eine Schallschutzwand eingebaut.“ Das einzige Manko des Raumes sei ein optisches, sagt er und deutet auf eine mittig platzierte Stützsäule aus Stahl. Die aber werde dereinst der Hingucker des Raumes sein. „Sie wird mit einem Eichenstamm aus dem Bürgerpark verkleidet“, erzählt Deitschun. Er habe kürzlich beim Parkdirektor angefragt, und der habe sofort eingewilligt.

Überhaupt laufen die Kooperationen des künftigen Andreas-Hospizes bislang bestens, sagt der Projektleiter. Insbesondere die mit dem Vorbesitzer und künftigen Nachbarn: der Andreas-Gemeinde. „Bezüglich des Hospizes wurden die Gemeindemitglieder von Anfang an mitgenommen“, erzählt Friedrichs. Das habe entscheidend zur Akzeptanz beigetragen. Inzwischen hätten sich sogar erste Gemeindemitglieder als ehrenamtliche Mitarbeiter im Hospiz angeboten. Auch ein Freundeskreis habe sich schon gegründet, um die Arbeit zu unterstützen.

Pfarrhaus als neues Domizil für die Gemeindearbeit

Dass die Andreas-Gemeinde perspektivisch auf ihr Gemeindehaus verzichten musste, ist dem vergleichsweise schlechten energetischen Standard des 60er-Jahre-Baus geschuldet. Die Heizkosten waren immens – bei rückläufigen Gemeindemitgliederzahlen. Vor diesem Hintergrund sei es ein absoluter Glücksfall, dass sich die Kooperation mit der Mission Lebenshaus ergeben habe, betont Pastorin Saskia Schultheis. Neues Domizil für die Gemeindearbeit werde das Pfarrhaus, das zu diesem Zweck noch in diesem Monat umgebaut werde. „Für große Veranstaltungen nutzen wir weiterhin wie gewohnt den Gemeindesaal“, sagt die Pastorin.

Energetisch wird das Andreas-Hospiz bei seiner Eröffnung laut Deitschun auf dem neuesten Stand sein. Das Dach bekomme eine 20 Zentimeter dicke Dämmschicht, außerdem sei dort oben eine Solaranlage geplant. Für die Eröffnung peile er im Moment September an, vielleicht werde es aber auch Oktober. Das hänge von den coronabedingt unsicheren Materiallieferungen ab. „Die können uns ernste Probleme machen“, sagt Deitschun.

Hospiz-Leitung ist gefunden

Was die Besetzung der Leitungsstelle im Andreas-Hospiz betrifft, müssen sich die Verantwortlichen indes keine Sorgen um Verzögerungen machen. Der Posten ist bereits an Till Neumann vergeben. Er ist mit dem Haus bestens vertraut: vor 29 Jahren wurde er hier konfirmiert. Aktuell ist der gelernte Kinderkrankenpfleger noch Mitarbeiter im Kinder- und Jugendhospiz der Mission Lebenshaus in Wilhelmshaven. Auf seine künftige Rolle freue er sich in mehrfacher Hinsicht, sagt er. An erster Stelle sei ihm die besondere Kooperation mit der benachbarten Kirchengemeinde wichtig. Auch der Anspruch, das Horner Hospiz nicht im Klinikambiente sondern mit Wohlfühlcharakter zu gestalten, sei ihm außerordentlich wichtig. Außerdem sei es keine Selbstverständlichkeit, dass ein Hospiz in einem gewachsenen Wohngebiet eingebettet und bei den künftigen Nachbarn so willkommen sei, wie in der Werner-von-Siemens-Straße. Aber auch auf seinen neuen Arbeitsweg freut sich der 43-Jährige. Der beansprucht künftig nämlich nicht mehr eine gute Stunde, sondern nur noch fünf Minuten – „und zwar mit dem Rad“.

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