Oberschule Ronzelenstraße

Auftrieb für Schwimmkurse

Nur vier von zehn Schülerinnen und Schülern, die in Bremen auf eine sportbetonte Schule gehen, können schwimmen. Das soll sich nun ändern.
31.10.2018, 16:37
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Von Maren Brandstätter
Auftrieb für Schwimmkurse

Lust aufs Wasser machen. Das will eine Initiative des Bremer Sport-Clubs, der die Ronzelenschule unterstützt, und an der sich nun der Jugendbeirat Horn-Lehe beteiligen will.

Jonas Völpel

Einmal pro Woche machen sich zehn Schülerinnen und Schüler der Oberschule Ronzelenstraße auf den Weg zum Unibad. Alle zehn haben einen Flüchtlingshintergrund und sollen möglichst schnell schwimmen lernen. Seit vier Wochen läuft der neue Kursus, zwölf bis 15 Wochen hat Leistungssport-Koordinator Harald Wolf insgesamt veranschlagt. Aktuell zeige sich die Problematik bei den Flüchtlingskindern am drängendsten, da die meisten von ihnen Nichtschwimmer seien, sagt er. Dennoch sollen dem aktuellen Kurs weitere folgen. „Unter den übrigen Schülern gibt es sehr viele, die nur unsicher schwimmen können“, berichtet er. Insgesamt belaufe sich die Quote an der Ronzelenschule auf knapp 40 Prozent. Wolf geht deshalb davon aus, dass der Schwimmkursus das gesamte Schuljahr über angeboten werden muss, wahrscheinlich auch noch darüber hin­aus.

Möglich ist das Angebot nur, weil die Schwimmer des Bremer Sport-Clubs (BSC) mit der Ronzelenschule kooperieren. Der Verein stellt die Übungsleiter für den einstündigen Kursus. „Die Schüler zahlen eine einmalige Teilnahmegebühr von zehn Euro, den Rest steuert die Schule bei“, erzählt Wolf. Für die Ausstattung allerdings reiche das Budget der sportbetonten Oberschule nicht mehr aus. An dieser Stelle ist jetzt ein Gremium eingesprungen, das für Fälle wie diese prädestiniert ist: der Horn-Leher Jugendbeirat. 700 Euro hat er aus seinem Budget zur Verfügung gestellt, damit die Schule Übungsmaterialien wie Schwimmbretter und Tauchringe anschaffen kann.

Mehr als nur das Seepferdchen

„Dass es Jugendliche gibt, die nicht oder nur unsicher schwimmen können, wusste ich aus meinem eigenen Bekanntenkreis“, erzählt Marie-Sophie Dießelberg, stellvertretende Vorsitzende des Jugendbeirats. „Erschreckend fand ich allerdings, dass es derart viele Jugendliche betrifft.“ Dießelberg, selbst jahrelang Leistungsschwimmerin, weiß, dass ein Seepferdchen-Abzeichen im Ernstfall nicht ausreicht, um sicher über Wasser zu bleiben. „Gerade in Flüssen gibt es oft Strömungen, die an der Oberfläche nicht zu erkennen sind – da wird es dann schnell richtig gefährlich“, sagt die 17-Jährige.

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Bei den 700 Euro Zuschuss wollen es die Jugendlichen nicht belassen und haben auf ihrer jüngsten Sitzung deshalb einen weitreichenden Beschluss gefasst. Demnach will sich das Gremium gemeinsam mit der Oberschule Ronzelenstraße dafür einsetzen, dass Jugendliche die Chance bekommen, sich im Rahmen eines kostenlosen „Tobetages“ im Unibad ans Wasser zu gewöhnen und außerdem Lust bekommen, sicher schwimmen zu lernen. Für ein solches Projekt brauche es freilich weitere Unterstützer, betont Harald Wolf. Zum einen müsse es seitens der Bremer Bäder die Be­reitschaft geben, das Unibad für den Tobetag zur Verfügung zu stellen, zum anderen brauche es Sponsoren, die das Projekt unterstützen. „Mehr als ein Termin im Monat wird sich vermutlich nicht realisieren lassen, aber das wäre doch schon mal ein guter Anfang“, sagt Wolf.

Auch in Richtung Bürgerschaft wendet sich der Jugendbeirat Horn-Lehe in seinem Beschluss und fordert, sich dafür einzusetzen, dass der Schwimmunterricht an den Grundschulen verbessert wird und Schulstunden hierfür nicht gekürzt werden. Am Runden Tisch „Badeunfälle in Bremen“, organisiert durch das Sportamt, hat der Jugendbeirat bereits teilgenommen und das Koop-Konzept mit der Oberschule Ronzelenstraße vorgestellt. Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) erklärt auf Nachfrage des STADTTEIL-KURIER, sie freue sich, dass der Jugendbeirat die Bedeutung des Schwimmens so hoch ansiedele. Sie nehme den Wunsch mit, das Gespräch mit den Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft in dieser Frage zu intensivieren, erinnere aber auch daran, dass die Bürgerschaft bereits mehrere Beschlüsse gefasst habe, mit denen das Schwimmen in der Grundschule gestärkt werden soll.

Beginn eines Langzeitprojektes

„Auch der Schwimmgipfel und der Runde Tisch, an dem der Jugendbeirat teilgenommen hat, sind Ausdruck davon, dass der Jugendbeirat, der Senat und die Bürgerschaft hier eine gemeinsame Linie verfolgen“, sagt Stahmann.

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Auf das gemeinsame Projekt „Tobetag im Unibad“ sei sie sehr gespannt, erklärt die Senatorin. „Ich glaube, junge Leute haben da eine Kreativität, die Erwachsenen manchmal fehlt“, sagt sie. Freilich könne sie nicht schon im Vorgriff Zusagen machen, aber sie wolle sich das Ergebnis genau ansehen und prüfen, wie realistisch eine Umsetzung gemeinsam mit den Bremer Bädern sei, stellt sie in Aussicht. „Alles, was Lust macht, die Schwimmfähigkeit und die Lust am Schwimmen zu fördern, ist in meinem Sinne“, sagt sie.

Anfang kommenden Jahres wollen sich die Oberschule und der Jugendbeirat zu einer Planungsrunde treffen, um ein Konzept für den Tobetag auf den Weg zu bringen. Damit sei es natürlich längst nicht getan, betont Marie-Sophie Dießelberg. „Ich denke, das Thema wird eine Art Langzeitprojekt für uns werden.“

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