Acht Erlebniswelten

Ausstellung über die Zukunft der Mobilität im Universum Bremen

Eine neuer Rundgang im Universum Bremen nimmt die Besucher mit auf eine Reise in die Zukunft der Mobilität. Acht interaktive Erlebniswelten beleuchten das Phänomen aus unterschiedlichen Perspektiven.
29.06.2019, 06:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Jakob Milzner
Ausstellung über die Zukunft der Mobilität im Universum Bremen

Vom Kinderwagen bis zum Rollator: Eine Sonderausstellung im Universum Bremen zeigt, wie wir in Bewegung bleiben können.

Frank Thomas Koch

Der Weg in die Mobilität der Zukunft beginnt zu Fuß – zumindest in der neuen Sonderausstellung „Der mobile Mensch“, die bis Ende August 2020 im Universum Bremen zu sehen ist. Dabei bewegen sich die Besucher durch einen multimedialen Rundgang, der anhand von Themenwelten strukturiert ist und dabei Futuristisches, aber auch Altbekanntes zusammenbringt.

Es müssen nicht immer Lufttaxis oder autonom fahrende Autos sein. Besucher, die die Ausstellung verlassen, nehmen mit nach Hause, dass auch ganz alltägliche Fortbewegungsmittel wie das Fahrrad oder der Bus innovativ sein können – nämlich, indem diese über Daten miteinander vernetzt werden. Von smarten Ampelschaltungen bis hin zu Autos, die kommunizieren, um Staus und Unfällen vorzubeugen: Die Vielfalt an Mobilitätskonzepten im Universum ist groß.

Ausgerüstet mit einem sogenannten Mobilitätsball, einer Plastikkugel von der Größe eines Tennisballs, beginnt man den Weg durch die Ausstellung, der durch acht Erlebnisstationen führt. Mit dem Mobilitätsball können sich die Besucher auf dem Rundgang an den verschiedenen Etappen einloggen. Sie werden dann zum Mobilitätsmanager der fiktiven Stadt Brematopia und haben die Aufgabe, den Verkehr in der Metropole zu lenken.

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Die acht Stationen entsprechen dabei jeweils einem menschlichen Bedürfnis und setzen sich aus drei Elementen zusammen: einer interaktiven Rauminstallation, einem Infotisch mit aktuellen Beispielen aus Forschung und Entwicklung sowie einem digitalen Spiel.

Untermalt wird das Ganze von einer Klangcollage, in die sich bekannte und futuristische Verkehrsgeräusche mischen, mitunter aber auch Vogelgetzwitscher und digital vor sich hin pluckernde Computerspielsounds. Auf den Wänden sind Zahlen und Statistiken aufbereitet, die das jeweilige Thema einordnen und für manche Überraschung gut sind. Ein Beispiel: Deutsche Autofahrer verbringen 41 Stunden im Jahr mit der Parkplatzsuche in Städten – während deutschlandweit nur elf Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Verfügbarkeit und Flexibilität

Überhaupt, das Auto. Schon die ersten beiden Themenbereiche Verfügbarkeit und Flexibilität verdeutlichen, dass der Besitz eines Autos auf der Liste zukunftsträchtiger Fortbewegungsmittel eher auf den hinteren Plätzen landet. Das Zauberwort lautet „Sharing Economy“. Ob Autos, Fahrräder oder E-Scooter: Der geteilten Nutzung von Fahrzeugen scheint die Zukunft zu gehören – zumindest, wenn es nach den Gestaltern der neuen Ausstellung geht.

Mit dem Leihfahrrad bis zur Station, von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt und die letzten Meter auf dem E-Scooter. Wenn Menschen unterschiedliche Fahrzeugtypen gemeinsam und nur dann nutzen, wenn sie sie auch wirklich brauchen, würde das nicht nur die Innenstädte entlasten, sondern zudem Ressourcen schonen und zu weniger Emissionen beitragen. Genau das ist „Sharing Economy“. Verfügbar und flexibel müssen dafür aber nicht nur die Fortbewegungsmittel sein: An zwei digitalen Spielstationen können die Besucher testen, wie dynamisch sie selbst bei der Wahl des besten Transportmittels sind.

Komfort und Sicherheit

Auch die beiden Themenwelten Komfort und Sicherheit konfrontieren die Besucher mit den eigenen Bedürfnissen. So wählen viele Menschen aus Bequemlichkeit das eigene Auto, obwohl dieses in puncto Sicherheit noch immer das gefährlichste Verkehrsmittel ist und die meisten Unfalltoten in Deutschland bei Autounfällen sterben.

Das Thema Sicherheit hängt auch eng zusammen mit der Frage, wie sehr man den Verkehr durch Vorschriften beschränken möchte. Dieses Problem wird in der Ausstellung am Beispiel E-Scooter thematisiert: Die vergleichsweise späte Zulassung der Elektroroller in Deutschland lag auch daran, dass zunächst Sicherheitsregeln festgelegt werden mussten.

Information und Entschleunigung

Universum Sonderausstellung - "Der mobile Mensch - Deine Wege. Deine Entscheidungen. Deine Zukunft." - Diese Besucherin erlebt, das sie , um sie mehr Fahrrad fährt, desto mehr Blumen wachsen.

An acht Erlebnisstation können die Besucher anhand von Spielen, Installationen und Infotischen zukünftige Formen der Mobilität kennenlernen.

Foto: Frank Thomas Koch

Informationen werden in der fünften Erlebnisstation thematisiert. Die Mobilität der Zukunft basiert auf gigantischen Datenmassen, die zwischen vernetzten Fahrzeugen ausgetauscht werden. Die Fahrzeuge sollen möglichst schnell und ohne Hindernisse an ihrem Ziel ankommen. Dazu werden Informationen über Verkehrslage, Staus, Baustellen oder Sperrungen über das Internet direkt an das Fahrzeug und seinen Datenchip vermittelt – ohne, dass man als Fahrer etwas davon mitbekommt.

Um Entschleunigung geht es an der sechsten Erlebnisstation. Das scheint mit dem Thema Verkehr zwar zunächst eher wenig zu tun zu haben. Doch in einer Stadt mit so diversen Mobilitätsangeboten wie Brematopia stellt sich immer mehr die Frage, wie man gerne unterwegs ist. So mögen manche Menschen die Fahrt mit dem E-Bike durch den Park vorziehen, während andere den Blick durch die Fenster eines autonom fahrenden Busses genießen. Spätestens hier wird klar, dass es die eine Mobilität der Zukunft nicht gibt, sondern dass eigene Bedürfnisse und Vorlieben bestimmen werden, wer wie wo unterwegs ist.

Gesundheit und Werte

Mit dem Aufstreben alternativer Antriebe wie Elektromotoren können Verkehrsmittel zunehmend auch nach Aspekten der Nachhaltigkeit ausgewählt werden. Im Bereich Gesundheit haben sich die Macher der Ausstellung dazu eine interaktive Installation einfallen lassen: Zwei Standfahrräder stehen bereit, und wer anfängt, in die Pedale zu treten, lässt dadurch Efeu und Blumen an der gegenüberliegenden Wand hochwachsen.

Die letzte Erlebniswelt Werte stellt den Lifestyle in den Mittelpunkt. Ob dynamisch auf dem E-Skateboard oder elegant im polierten Oldtimer, die eigene Mobilität bietet viele Ansatzpunkte zur Selbstdarstellung. Und so bildet den Abschluss des Rundgangs eine Art Pinnwand, auf der die Besucher der Ausstellung einen Sticker unter das Verkehrsmittel kleben können, mit dem sie sich am liebsten zeigen. Mit einem klaren Resultat: Das Fahrrad und die eigenen Füße mögen im Vergleich zu innovativen Superfahrzeugen eher altmodisch anmuten, doch in der Gunst der Ausstellungsbesucher landen sie weit abgeschlagen vor allen anderen Mitteln der Mobilität.

Weitere Informationen

Die Sonderausstellung „Der mobile Mensch – Deine Wege. Deine Entscheidungen. Deine Zukunft.“ läuft im Universum noch bis zum 26. August 2020. Die Schau ist in Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft wie die Bremer Straßenbahn AG, Mercedes-Benz, das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt und die Gewoba. Weitere Infos zur Ausstellung und Veranstaltungen rund um die Schau gibt es auf www.dermobilemensch.de.

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