Neue Initiative vom Johanniterhaus

Lesungen am Telefon

Das Begegnungszentrum am Johanniterhaus will nicht weiter auf sein Kulturprogramm verzichten. Mit einer neuen Initiative sollen Menschen angesprochen werden, die coronabedingt viel Zeit alleine verbringen.
10.05.2021, 05:00
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Von Maren Brandstätter
Lesungen am Telefon

Gestalten das Angebot "Bei Anruf Kultur" mit: Ann-Christin Dieker (von links), Helmut Winkler, Ingrid Slowak, Elisabeth Krause-Costard, Franziska Kirchner und Hartwig Claus.

PETRA STUBBE

Das Begegnungszentrum am Johanniterhaus geht mit seinem Kulturprogramm neue Wege. Das Publikum sitzt nicht länger wie gewohnt im Saal – sondern am Telefon. Da zurzeit keine Angebote vor Ort gemacht werden können, wollen die Initiatoren mit der Initiative „Bei Anruf Kultur“ gezielt Menschen ansprechen, die coronabedingt vergleichsweise viel Zeit alleine verbringen müssen.

Dreimal pro Woche soll das Angebot künftig laufen. Dabei wechseln sich Lyrik, literarische und szenische Lesungen ab. Wer Teil des Publikums sein möchte, braucht lediglich ein Festnetztelefon und etwas Zeit. „Außerdem sollte man alle Geräuschquellen wie Radio oder Fernseher vorher ausschalten“, betont Hartwig Claus, Leiter des Begegnungszentrums. Zum jeweiligen Lesungstermin gehe es dann zu einer festgelegten Uhrzeit in den „telefonischen Konferenzraum“. Wie das genau funktioniert, kann bei Claus (Telefon: 0421/2040565) und Ingrid Slowak (Telefon: 04298/2769632) vorab telefonisch erfragt werden. Auf diesem Weg werden auch die Einwahlnummern für die Veranstaltungen bekanntgegeben und Anmeldungen entgegengenommen. Das Prozedere sei ganz einfach und koste auch keine zusätzlichen Telefongebühren, versichert der Einrichtungsleiter.

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Henning Scherf macht den Auftakt

Bei den verschiedenen Lesungen werden jeweils maximal 20 Personen telefonisch miteinander verbunden sein. Liegt die Zahl der Interessierten darüber, schließt sich direkt an die Lesung eine Wiederholung an, erklärt Claus. Für die Auftaktlesung von „Bei Anruf Kultur“ am Mittwoch, 12. Mai, um 15.30 Uhr hat Henning Scherf zugesagt. Der Bremer Altbürgermeister liest aus seinem Buch „Altersreise“. Anmeldefrist für die Lesung ist Dienstag, 11. Mai. Im Anschluss an seinen Vortrag steht Scherf für ein Gespräch mit dem Telefon-Publikum zur Verfügung, außerdem stellen sich alle weiteren Akteure der kommenden Veranstaltungen kurz vor.

Mit szenischen Auszügen aus „Madame Kaudel’s Gardinenpredigten“ von Douglas William Jerrold setzt Franziska Kirchner die Reihe am Freitag, 14. Mai, um 15.30 Uhr fort. Die Medienwissenschaftlerin und Moderatorin hat für ihre wöchentlichen Lesungen eine Mischung aus klassischen und modernen Monologen weiblicher Theaterfiguren geplant. Die Beiträge der 28-Jährigen reichen dabei von der Gedankenwelt der Dichterin Sappho über eine ungehaltene Rede von Shakespeares Desdemona bis hin zu den E-Mails von Emmi Rothner („Gut gegen Nordwind“), die sich virtuell neu verliebt.

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Elisabeth Krause-Costard hat ihr Vorlese-Debüt am Sonnabend, 15. Mai, um 15.30 Uhr mit Auszügen aus dem Roman „Die Katze des Dalai Lama“ von David Michie. Damit verknüpft die 84-Jährige ihre Leidenschaft für Katzen und ihre Verehrung für das Oberhaupt der Tibeter.

Lyrik von Bremer Dichtern

Die ehemalige Leiterin des Begegnungszentrums, Ingrid Slowak, liest ab dem 19. Mai drei Wochen in Folge jeweils mittwochs um 15.30 Uhr aus dem Buch der Schauspielerinnen Renate Delfs und Rike Schmid „Nimm mich mit nach gestern“. Bei einer der drei telefonischen Lesungen wird Rike Schmid zugeschaltet sein und auf Fragen der Zuhörer antworten.

Am Freitag, 21. Mai, um 15.30 Uhr kommen Freunde der Lyrik auf ihre Kosten. Ann-Christin Dieker wird bekannte und weniger bekannte Gedichte vortragen. Die 22-jährige Studentin der Kommunikationswissenschaft wird sich dabei zunächst auf Heinrich Heine und verschiedene Bremer Dichter konzentrieren.

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Komplettiert wird das Telefonteam des Begegnungszentrums von Helmut Winkler. Der frühere Studierendenberater bietet allerdings keine Lesungen an, sondern steht Menschen mit Gesprächsbedarf für Telefonate zu zweit zur Verfügung. Wer von dem Angebot des 69-Jährigen Gebrauch machen will, kann sich über das Begegnungszentrum (Telefon: 0421/2040565) an ihn weitervermitteln lassen.

Kennengelernt haben sich die Mitglieder des Teams von „Bei Anruf Kultur“ über einen Aufruf des Begegnungszentrums bei der Freiwilligenbörse. Das Besondere: Bis vor wenigen Tagen sind sich die sieben Akteure noch nie persönlich begegnet. „Der Austausch fand coronabedingt ausschließlich online oder am Telefon statt“, erzählt Hartwig Claus.

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