825 Jahre Horn-Lehe: Das Horner Bad war von der Schließung bedroht - heute steht es gut da Beliebter Familientreffpunkt mit Solewasser

Horn-Lehe. Kaum ein Bremer Freibad hat eine so wechselvolle Geschichte wie das Horner Bad. Es begann als privat geführte Einrichtung und war von der Schließung bedroht. Doch bis heute - mittlerweile seit 77 Jahren ­- ist die Einrichtung vor allem bei Familien beliebt.
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Beliebter Familientreffpunkt mit Solewasser
Von Andreas D. Becker

Horn-Lehe. Kaum ein Bremer Freibad hat eine so wechselvolle Geschichte wie das Horner Bad. Es begann als privat geführte Einrichtung und war von der Schließung bedroht. Doch bis heute - mittlerweile seit 77 Jahren ­- ist die Einrichtung vor allem bei Familien beliebt.

"Ein ?Heilbad? vor den Toren Bremens?", fragen die Bremer Nachrichten, als die Zeitung über die Bauarbeiten berichtet. Die Schlagzeile bezieht sich auf das solehaltige Grundwasser, mit dem bis heute die Becken gespeist werden.

Der Aushub der Becken beginnt am 5. Dezember 1932. 50 Männer vom Freiwilligen Arbeitsdienst ziehen Tag für Tag mit Hacke und Schaufel hinaus zum Bahnhofswirt Wilhelm Hägermann. Dicht hinter dem Kleinbahnhof Horn, direkt an der Bahnstrecke nach Lilienthal, arbeiten sie, wühlen die Erde auf, schaffen auf Kipploren moorigen Lehm fort, bis sie auf weißen Sand und Kies stoßen.

Geld für Sanitäranlagen fehlt

Am 2. Juli 1933 wird der Betrieb der "Badeanstalt" aufgenommen. Für den Bau der vorgeschriebenen Sanitäranlagen fehlt Hägermann jedoch das Geld. 1935 erwirbt Fritz Grobbrügge die Bahnhofsgaststätte mit dem Freibad in einer öffentlichen Versteigerung.

Das Wasser des Horner Bades wird bis heute aus einer solehaltigen Quelle gefördert. In den Anfangsjahren war es ungefiltert, eisenhaltig und moorig. Die dunkle Brühe hinterließ - bei Kindern beliebt - braune "Bärte" auf der Oberlippe.

Die Ränder des Schwimmbassins waren mit Holzplanken befestigt und mancher Splitter fand seinen Weg in die nackten Füße der Besucher. An der Nordseite befand sich ein 3,50 Meter hoher hölzerner Sprungturm, auf dem besonders die männlichen Besucher zur Höchstform aufliefen, um den jungen Damen zu imponieren.

Auch im Winter wurde das Horner Bad genutzt. Statt im Wasser drehten die Horner mit Schlittschuhen auf einer Eisschicht ihre Runden oder spielten mit selbst gebauten Schlägern Eishockey.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bad 1947 durch den Bremer Schwimm-Verein wieder aufgebaut. Bald genügte das Naturschwimmbad nicht mehr den Anforderungen der Bevölkerung. 1957 kaufte die Bremer Gesellschaft für öffentliche Bäder das Bad, um es 1958 mit einem Betonbecken und neuen sanitären Anlagen zu versehen. Am Pfingstwochenende 1960 wurde das modernisierte und vergrößerte "Neue Horner Bad" eröffnet. Das Schwimmbecken hatte ausreichend Platz für acht 50-Meter Wettkampfbahnen und erhielt eine zusätzliche Ausbuchtung für ein Wasserballfeld. In den ersten Tagen nach der Eröffnung kamen 20800 Gäste.

Im Sommer 1967 sorgte ein Leserbrief für Aufsehen. Unter der Überschrift "Seufzer um frisches Wasser" kritisierte die Autorin die "mittelalterliche" Umwälzanlage. Im Folgejahr musste das Bad wegen unzureichender Badhygiene für ein paar Tage schließen. Die Besucher forderten in einer von Gerold Janssen initiierten Protestnote mit über 500 Unterschriften den Ausbau der unzulänglichen Anlage. Um Abhilfe zu schaffen, vereinbarten Karl-Heinz Götze von der Bädergesellschaft, Ortsamtsleiter Adolf Könsen und Beschwerdeführer Gerold Janssen die Erhöhung der Umwälzkapazität.

Nur wenige Jahre später kam es zu neuerlichen Protesten, als die Bädergesellschaft das Solewasser durch gechlortes Stadtwasser ersetzen wollte. Diesmal leisteten innerhalb von vier Tagen 1400 Besucher ihre Unterschrift für die Beibehaltung des Solewassers. Der Protest rief den Bürgermeister und Sportsenator Walter Franke auf den Plan. Am Ende blieb das Solebad erhalten.

Zu einer Protestwelle kam es 2003, als die große Koalition das Bad schließen wollte. Ein Protestmarsch von 5000 Anwohnern, tägliche Leserbriefe in der örtlichen Presse, die Gründung einer Bürgerinitiative und die Aktivitäten von Bürgerverein und Beirat führten schließlich zur Rettung und Sanierung des Bades. Aktuell blickt die Bremer Bäder-Gesellschaft als Betreiberin auf eine gute Freibadsaison mit rund 73000 Besuchern zurück. "Das ist ein solider Wert. Das Horner Bad macht uns keine Sorgen", sagt Sprecherin Sandra Lachmann.

Zurzeit werden die Umkleiden und Sanitäranlagen modernisiert und barrierefrei gestaltet. Außerdem wird die Raumaufteilung optimiert. "Zur nächsten Saison ist alles fertig und schick", verspricht Lachmann. Schließungspläne seien kein Thema mehr - ganz im Gegenteil. Mit dem Besuch ist man zufrieden. Durch den Umbau werde das Horner Bad entscheidend aufgewertet. "Die Gebäude stehen seit 1954, da wurde es Zeit", so die Sprecherin. Insbesondere Familien schätzten die Atmosphäre der Einrichtung. Sie kommen regelmäßig zum Schwimmen und bilden die tragende Säule des Horner Bads.

In der nächste Folge dieser historischen Serie geht es am Montag, 29. November, um die Geschichte der Horner Kirche.

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