Innerhalb von Minuten

Bremer Firma entwickelt Gewebe, das Coronaviren abtötet

Die Bremer Firma Statex hat ein Gewebe entwickelt, das Coronaviren innerhalb von Minuten abtötet. Eine Innovation, die aus der Krise entstanden ist.
23.04.2020, 08:42
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Bremer Firma entwickelt Gewebe, das Coronaviren abtötet
Von Stefan Lakeband

Für Robert Erichsen war die Sache schnell klar. „Wer auch nur das kleinste Halskratzen hat, bleibt zu Hause.“ Auch wer zur Risikogruppe gehört, soll nicht mehr zur Arbeit kommen; das Gehalt gibt es weiterhin. „Die Mitarbeiter sind schließlich unser größter Schatz“, sagt Erichsen über seine 50 Beschäftigten. Ihnen soll es gut gehen – auch in schwierigen Zeiten wie diesen. Erichsen, 30 Jahre alt, ist Geschäftsführer von Statex und die dritte Generation, die den Bremer Familienbetrieb leitet. Im Februar, als sich das Coronavirus ausbreitete, stand er wie alle Unternehmer vor einer großen Frage: Was nun?

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Mit Kupfer gegen Corona

Erichsen hat zwei Antworten gefunden. Die Erste stellt sicher, dass der Betrieb weiterläuft, dass seine Mitarbeiter geschützt werden, dass es keinen Totalausfall gibt. Dafür hat er schon früh Lieferketten und Lagerbestände überprüft, Messen und Kundentermine abgesagt, Listen ausgelegt, in denen sich Lieferanten eintragen müssen, wenn sie das Firmengebäude betreten. An den Eingängen finden sich kleine Stationen mit Desinfektionsmitteln und Schutzmasken, an denen sich die Mitarbeiter bedienen, wenn sie morgens zu Arbeit kommen.

Denn anders als in vielen anderen Unternehmen ist bei Statex kein Homeoffice möglich: Es wird schließlich produziert. Der Familienbetrieb metallisiert Fasern, macht aus ihnen sozusagen Kabel, die aber weiterhin flexibel sind. Und sie können noch mehr: Sie leiten zudem Strom, sind antibakteriell sowie antistatisch und schirmen ab. Die Bremer Fasern finden sich etwa in Heizungen von Autositzen und in den Teppichböden von Flugzeugen genauso wie in Wundpflastern.

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Als Erichsen die erste Antwort auf das „Was nun?“ gefunden und Unternehmen und Mitarbeiter geschützt hatte, dachte er weiter. Und das brachte ihn zur zweiten Antwort auf die Frage. Erichsen las im Internet, wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält. Je nach Material können das bis zu 72 Stunden sein. Ist die Oberfläche aus Kupfer, sind es nur vier Stunden. Also hat er mit seinen Kollegen das gemacht, was sie bei Statex eh machen: Fasern metallisiert, dieses Mal mit Kupfer. Herausgekommen ist ein Gewebe, das Erichsen in seiner Firma an vielen Türklinken hat anbringen lassen, an Lichtschaltern, an Fenstergriffen. Eben an Stellen, die viele Menschen berühren.

Wenig später kamen die ersten Nachfragen von Lieferanten. Was das denn sei, wollten sie wissen. Auch im Kreise der Bremer Wirtschaftsjunioren, bei denen sich der 30-Jährige engagiert, war das Interesse groß. Von da an sei es wie ein Lauffeuer gewesen, sagt Erichsen. Mittlerweile verkauft Statex sein Kupfer-Tape, so heißt das Gewebe, an etliche andere Firmen. Lieferungen gingen auch schon nach Kanada und Südkorea. Dass der Kupfer-Stoff dabei hilft, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, zeigten auch Studien, die Statex in Auftrag gegeben habe. Demnach würden schon nach wenigen Minuten 99,98 Prozent der Coronaviren getötet werden. Nach einer Stunde seien gar keine mehr da.

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Gerade jetzt, wenn die Geschäfte wieder öffneten und das öffentliche Leben schrittweise hochgefahren werde, sei das Tape eine große Hilfe, sagt der Geschäftsführer Robert Erichsen. Man könnte es an Ladentüren anbringen, an Haltestangen in Bussen und Straßenbahnen, an Griffen von Einkaufswägen. „Die Nachfrage ist da“, sagt der Unternehmer. Er glaubt, dass sie auch nach Corona bestehen bleibt. Die Krise habe schließlich dazu geführt, dass Menschen ihre Hygienegewohnheiten überdenken und sensibler dafür werden. Das Tape, so der 30-Jährige, töte immerhin auch andere Viren und Bakterien.

Innovativ in der Krise

Für Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) ist Statex ein Beispiel dafür, wie es in Deutschland nach der Corona-Krise weitergehen könnte. „Es ist wichtig, dass wir vor Ort Firmen haben, die Schutzmaterial herstellen, um so von weltweiten Lieferketten unabhängig zu werden“, sagt Vogt, die am Mittwoch das Unternehmen in Horn besuchte. Dabei war auch Janina Marahrens-Hashagen, Präses der Bremer Handelskammer. „Kleine, mittelständische Firmen sind gut darin, innovativ zu sein“, sagt sie. Statex habe es verstanden, in der Krise auch eine Chance zu sehen.

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