825 Jahre Horn-Lehe Ein langer Weg zum Wahrzeichen

Horn-Lehe. Die Horner Mühle wurde im Jahre 1849 als Galerieholländer erbaut. Sie gehört zusammen mit den anderen Bremer Windmühlen am Wall, in Oberneuland und Arbergen zu den wenigen erhaltenen Baudenkmälern ihrer Art.
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Ein langer Weg zum Wahrzeichen
Von Andreas D. Becker

Horn-Lehe. Die Horner Mühle wurde im Jahre 1849 als Galerieholländer erbaut. Sie gehört zusammen mit den anderen Bremer Windmühlen am Wall, in Oberneuland und Arbergen zu den wenigen erhaltenen Baudenkmälern ihrer Art, die von der früheren landwirtschaftlichen Prägung in den Stadtteilen zeugen.

Durch Heirat der Müllerstochter wurde Lür Kaemena, Großvater des heutigen Eigentümers, Besitzer der Windmühle. Die Familie Kaemena entstammt dem Kreis holländischer Neusiedler, die im 18. Jahrhundert zur Kultivierung des versumpften Hollerlandes angeworben wurden.

Betrieb per Dampfmaschine

Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde zum Betrieb der Mühle eine Dampfmaschine angeschafft. Mit der Weiterentwicklung des Betriebs entschieden sich die Müller aus wirtschaftlichen Gründen schon früh für einen Dieselantrieb.

1933 drehten sich die alten Flügel der Mühle zum letzten Mal. Rund 30 Jahre waren sie alt und dank robuster Bauart leidlich erhalten. Allerdings war der Bock nicht mehr fest genug, sodass der Eigentümer die Flügel vorsichtshalber abmontieren ließ. Auf dem Steinboden der Mühle befanden sich vier Mahlsteine mit einem Durchmesser von jeweils 1,80 Meter. Die Mahlleistung betrug im Dauerbetrieb eine Tonne pro Stunde.

Im oberen hölzernen Achtkant befand sich ein Silo für Gerste, das täglich nachgefüllt wurde. Vom ehemaligen Mühlenantrieb sind bis heute die Flügelwelle, das Achsrad, die Königswelle und das Stirnrad erhalten. Nach dem Bau der Mühle wurde die Kappe anfangs mit Hilfe des Steerts in den Wind gestellt. Später wurde auch diese Mühle auf eine Windrose umgerüstet. In der Folgezeit erhielt die Mühle im Zuge der technischen Entwicklung Jalousieflügel. 1927 wurden im unteren Mühlenteil eine moderne Futtermischmaschine sowie Geräte zur Getreidereinigung sowie eine Beizanlage eingebaut.

Die Horner Mühle wurde im 20. Jahrhundert weitgehend als Familienbetrieb geführt. 1936 übernahm Johann Kaemena die Betriebsführung. Der jetzige Müllermeister Lür Kaemena sah nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit als Müllermeister keine Zukunft mehr. Aufgrund der niedrigen Preise im Futtermittelhandel stellte er den Betrieb auf Kleinhandel mit Tierfutter, Saat und Gartenbedarf um.

1955 gab es erstmals öffentliche Diskussionen über die äußere Restaurierung der Windmühle. Die Kosten für den Abbruch des Achtkantoberteils beliefen sich damals auf umgerechnet rund 15000 Euro. Gleichzeitig veränderte sich im Zuge städtischer und privater Baumaßnahmen das Umfeld der Mühle gravierend. Im Juli 1966 wurde das alte Müllerhaus abgerissen. Ein neues Wohnhaus entstand auf dem hinteren Teil des Mühlengeländes. Auf dem Grundstück des Müllerhauses wurde eine Tankstelle gebaut. An der anderen Seite grenzte die Mühle inzwischen an die modernen Gebäude der Telekom.

Gerade diese Veränderungen rückten die Mühle wieder stärker in das Blickfeld des Stadtteils. Das Interesse an einer Restaurierung wuchs. Durch den Bürgerverein Horn-Lehe und eine umfangreiche Berichterstattung im Weser-Kurier wurde erfolgreich an die Spendenbereitschaft der Bürger appelliert. Die Kosten für die Arbeiten in Höhe von umgerechnet mehr als 50000 Euro wurden 1967 durch Spenden und städtische Zuschüsse aufgebracht. Mit dem Geld wurden der Mühlenkopf ausgebessert sowie der Neubau von Galerie, Windrose und Flügel bezahlt. Im Dezember 1968 gingen die neuen Flügel offiziell in Betrieb. Außerdem wurde die Mühle bei Dunkelheit angestrahlt.

Weitere Renovierungsarbeiten folgten 1990. Bei einem Sturm 1995 brach ein Flügel. Das defekte Teil wurde abgenommen. Bei der Untersuchung der Kappe fand man überwiegend marode Balken. Der obere Teil der Mühle war in einem desolaten Zustand. Am 23. Januar 1996 gründete sich ein 'Förderverein zur Erhaltung der Horner Mühle'. Er sah seine Aufgabe darin, erneut Spenden zu sammeln. Vereinsvorsitzender wurde Dieter Gerdes, bis vor Kurzem Vorsitzender des Bürgervereins.

1996 wurde die Kappe abgebaut und restauriert. Im folgenden Jahr konnten auch die sanierten Flügel wieder montiert werden. Die Königswelle und das Stirnrad können allerdings auch zukünftig nicht funktionsfähig gerichtet werden, weil moderne Maschinen und Zuleitungsrohre den Zugang blockieren. Die Kappe ist bis auf wenige Teile ein Neubau. Alle tragenden Kappenbalken mussten neu angefertigt werden. Der stählerne Windrosengetriebebock wurde renoviert, das Getriebe überarbeitet und die Windrose neu gebaut. Starke Veränderungen

wurden bei den Flügeln vorgenommen. Aus Sicherheits- und Wartungsgründen ist man von den bisherigen Holzruten abgegangen. Die Mühlenbauer fertigten nach den Holzprofilen der alten Ruten eine Neukonstruktion aus Stahl an.

Nach der weitgehenden Restaurierung erfüllt die Horner Mühle wieder ihre Funktion - ein schmuckes Wahrzeichen für den Stadtteil zu sein. In der nächsten Folge am Montag, 25. Oktober, geht es um die Entwicklung des Verkehrs und der Straßenbahnlinien in Horn-Lehe.

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