Mittendrin im Stadtteil: Peter Willers war Mitgründer der Grünen, er kämpfte gegen Atomkraft und für das Meer

Ein Leben für die Umweltpolitik

Horn-Lehe. Er ist ein Ur-Bremer, ein Urgestein der Bremer Politik und seit den sechziger Jahren mit kurzen Unterbrechungen ein eingefleischter Horner. Peter Willers, Mitbegründer der ersten grünen Partei in Deutschland, der "Bremer Grünen Liste", jener Liste, die im März 1979 ins Leben gerufen wurde und sensationell schon im Oktober desselben Jahres in die Bremer Bürgerschaft einzog.
06.10.2011, 05:00
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Von MIchaela Uhde

Horn-Lehe. Er ist ein Ur-Bremer, ein Urgestein der Bremer Politik und seit den sechziger Jahren mit kurzen Unterbrechungen ein eingefleischter Horner. Peter Willers, Mitbegründer der ersten grünen Partei in Deutschland, der "Bremer Grünen Liste", jener Liste, die im März 1979 ins Leben gerufen wurde und sensationell schon im Oktober desselben Jahres in die Bremer Bürgerschaft einzog.

Ursprünglich war seine politische Heimat der linke Flügel der SPD, wo er sich den Jusos zugehörig fühlte, obwohl er beim Eintritt in die Partei 1971 schon 36 Jahre alt war. Bevor er zur SPD kam, hatte seine Politisierung schon längst begonnen - er lief beim allerersten Ostermarsch im Jahr 1960 mit und marschierte die etwa 100 Kilometer bis nach Bergen-Belsen.

Ausschlaggebend für sein politisches Engagement waren dann aber letztlich der Widerstand gegen die Notstandsgesetze, die in den 60er-Jahren als Maßnahme gegen innere Unruhen die Bürgerrechte weitgehend einschränkten. Auch die Straßenbahnunruhen 1968, als Schüler gegen Fahrpreiserhöhungen auf die Straße gingen und erstmals in der Bremer Polizeigeschichte Wasserwerfer eingesetzt wurden, trugen entscheidend zu seiner Politisierung bei. Noch heute merkt man ihm das Entsetzen ob der Befehle des damaligen Polizeipräsidenten Erich von Bock und Polach an seine Untergebenen an: "Draufhaun, draufhaun, nachsetzen!"

Gerne wäre er Lehrer geworden

Dieser Start in die politische Arbeit - Willers war im Ortsverein Horn-Lehe/Achterdiek und eben bei den Jusos in verschiedenen Funktionen unterwegs - ging beinahe einher mit einer beruflichen Veränderung. Als er seine mittlere Reife erlangt hatte, entschieden seine Eltern aus finanziellen Gründen, dass sie ihn nicht - wie er es sich wünschte - Lehrer werden lassen wollten. Statt dessen verschafften sie ihm eine kaufmännische Lehrstelle. Bis 1971 war er als Tabakkaufmann in der Bremer Firma "Menke und Kulenkampff" tätig.

Später schied Willers aus dieser Firma aus - auch weil den Leitern sein politisches Engagement etwas zuviel wurde. Er bewarb sich erfolgreich auf eine Stelle in der Verwaltung der neu gegründeten Bremer Uni und kooperierte dabei mit der Arbeitnehmerkammer. Die Arbeit an der Uni - in einem Klima des Aufbruchs gemeinsam mit Gleichgesinnten und Forschern - empfand Willers, dem das Studium verwehrt geblieben war, als "eine Befreiung".

Er konnte sich in vielen Bereichen weiterbilden und entwickelte in dieser Zeit auch den politischen Schwerpunkt, der ihn bis heute umtreibt: die Umweltpolitik. Eines der Schlüsselerlebnisse war der geplante Bau des Atomkraftwerks Unterweser in Esenshamm. Zu Beginn der 70er-Jahre nahm dort eine der ersten und rührigsten Anti-Atomkraftwerk-Initiativen in Deutschland ihre Arbeit auf. Die Aktivisten erreichten in einem sechs Jahre währenden juristischen Streit zumindest einen Aufschub der Inbetriebnahme. Sie vernetzten sich stark mit anderen Anti-AKW-Initiativen in Deutschland.

Für Peter Willers war es auch eine persönliche Vernetzung, denn bei einer der bundesweiten Aktionen lernte er eine junge Aktivistin kennen: Carola Bury, die später seine Frau und Mutter seines dritten Kindes wurde. Sie war immer auch Mitstreiterin im politischen Kampf gegen Umweltfrevel aller Art. "Teamarbeit war bei allen Aktionen extrem wichtig", sagt Willers. "Ohne Teamarbeit wären wir oft nicht so weit gekommen, aber das beste Team war ich immer mit meiner Frau."

Im Team der SPD fühlte er sich dagegen immer weniger gut aufgehoben. Dort wurden die Pläne zum Ausbau der Kernenergie weitgehend mitgetragen. Konsequent trat er Ende der 70er-Jahre aus der Partei aus, gründete die Bremer Grünen mit und zog in die Bürgerschaft ein. Er nahm die parlamentarische Arbeit mit seinen drei grünen Mitstreitern sehr ernst. Die Grünen waren damals, so erzählt Willers, ein steter Stachel im Fleisch der etablierten Parteien. Bis zum Zusammengehen mit den Bundesgrünen und der erzwungenen Rotation der Abgeordneten 1985 saß er nahezu ununterbrochen in der Bürgerschaft .

Seit Beginn der 80er-Jahre richtete sich der Fokus von Peter Willers zunehmend auf die Nordsee. Ein alarmierender Zustandsbericht über das Meer führten schließlich 1985 zur Gründung der Aktionskonferenz Nordsee (AKN). Die AKN für das Meer bezeichnet der Umweltaktivist als "meine Heimat für 25 Jahre", bis sie Anfang 2000 wegen Geldmangels eingestellt werden musste. Seine Arbeit für die AKN führte ihn auf nationale und internationale Reisen - zum Teil unter abenteuerlichen Bedingungen. 1988 knüpfte er mit anderen die ersten Umweltkontakte zum Ostblock. Den damaligen Umweltminister Klaus Töpfer traf er regelmäßig auf Konferenzen, und 1995 konnte er in Esbjerg der neuen Umweltministerin seine Sicht der Dinge erklären - der Frau, die später Bundeskanzlerin werden sollte, Angela Merkel.

Trotz seines nationalen und internationalen Einsatzes hat er nie seinen unmittelbaren Umkreis aus den Augen verloren. Anfang der 70er-Jahre sorgte er im Kirchenvorstand der Gemeinde Horn II mit ungewöhnlichen Aktionen für Furore. Als 2003 das Horner Bad geschlossen werden sollte, gehörte er zu den Organisatoren, die eine große Fahrraddemo durch das Hollerland anschoben - Aktionen die letztlich auch zum Erhalt des Bades führten, sagt Willers.

Das Credo seines Engagements fasst er so zusammen: "Wir dürfen nicht mehr so bedenkenlos weiterwirtschaften. Der Preis wird zu hoch. Das Motto muss sein: Weniger, einfacher, langsamer!"

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