Nazi-Namenspatron

Ein Nazi-Aktivist als Namenspatron

Die Grünen fordern eine Umbenennung der Hinrich-Wriede-Straße in Horn-Lehe. Der Grund: Der Namenpatron war eben nicht nur ein plattdeutscher Schriftsteller, sondern auch ein Parteigänger der Nazis.
28.03.2019, 18:21
Lesedauer: 1 Min
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Von Maren Brandstätter
Ein Nazi-Aktivist als Namenspatron

Die Grünen fordern, die Hinrich-Wriede-Straße umzubenennen.

STUBBE

Der Namenspatron der Hinrich-Wriede-Straße in Lehesterdeich war nicht nur Lehrer, plattdeutscher Schriftsteller und Mitbegründer der Finkwarder Speeldeel, er war laut Hamburger Landeszentrale für politische Bildung auch Mitglied der NSDAP, trat parallel dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) bei, wurde Gauredner für die NSDAP und den NSLB und war darüber hinaus Mitglied verschiedener anderer nationalsozialistischer Organisationen. 1937 ging er in die SA-Reserve, wo er Scharführer wurde. Der Entnazifizierungsausschuss bezeichnete ihn später als „sehr betonten und primitiven Nationalsozialisten“. Einer von Wriedes Schülern war der deutsch-afrikanische Jour­na­list und Schriftsteller Hans-Jürgen Massaquoi. In seiner 2006 verfilmten Auto­bio­grafie „Neger, Neger, Schornsteinfeger!“ beschreibt er Wriede als überzeugten Nationalsozialisten und Rassisten, der sich „als fanatischer Anhänger Hitlers“ gezeigt habe.

Nach Ansicht der Horn-Leher Beiratsfraktion der Grünen darf die Ehrung Wriedes durch eine Straßenbenennung nicht länger aufrechterhalten werden. Die Fraktion wird daher auf der kommenden Beiratssitzung am Donnerstag, 4. April, einen Antrag einbringen, in dem die Umbenennung der Straße in ­Magdalene-Thimme-Straße gefordert wird. Thimme unterrichtete ab 1913 am heutigen Kippenberg-Gymnasium, engagierte sich in der Kirchengemeinde Alt-Stephani-Süd und stand hinter dem NS-kritischen Pastor Gustav Greiffenhagen. Sie bezog laut des Bremer Frauenmuseums trotz mehrfacher Abmahnungen offen Stellung gegen die Judenverfolgung. Den Eintritt in die NS-Volkswohlfahrt (NSV) lehnte sie mit der Begründung ab, dass unheilbar Kranke und Nichtarier von der NSV nicht unterstützt würden. Wegen ihrer Haltung gegenüber dem NS-Regime wurde sie 1938 zwangspensioniert. In ihrer Bremer Zeit wohnte sie zunächst Am Brahmkamp und später bis zu ihrem Tod in der Riensberger Straße.

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