EU fördert Arktis-Forschung Eine Million Euro für die Bremer Uni

Forscher der Bremer Universität werden ein großes internationales Forschungsprojekt zum Klimawandel in der Arktis koordinieren. Dafür bekommen sie Fördermittel der Europäischen Kommission.
25.02.2020, 19:43
Lesedauer: 2 Min
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Eine Million Euro für die Bremer Uni
Von Sara Sundermann

Meeresforscher der Universität Bremen haben einen großen Auftrag an Land gezogen: Die Europäische Kommission fördert ein internationales Projekt zur Erforschung der Arktis, das von Bremen aus koordiniert wird. Insgesamt stellt die Kommission dafür 6,4 Millionen Euro bereit – der Löwenanteil von 1,1 Millionen Euro fließt an die Bremer Uni. Das gibt jetzt die Universität bekannt. An dem Forschungsprojekt beteiligt sind unter anderem Wissenschaftler aus Grönland, Norwegen, Dänemark und eine Forschungsstelle der französischen Sorbonne-Universität, aber auch Forscher aus Alaska, Kanada und China.

Der Bereich Meereswissenschaften bildet seit Jahren einen renommierten Schwerpunkt in Bremen. Im November soll nun das neue Projekt mit dem Namen „Face-It“ anlaufen. Verschiedene Fjordgebiete im Norden sollen erforscht und miteinander verglichen werden – dadurch wollen die Wissenschaftler mehr darüber erfahren, wie der Klimawandel die arktischen Küsten verändert.

Forscher aus acht Ländern

Geforscht werden soll vier Jahre lang. Beteiligt sind daran insgesamt 14 Forschungseinrichtungen aus acht Ländern, sagt Professor Kai Bischof von der Uni Bremen. Der 50-jährige Meeresforscher freut sich über den Erfolg für das Arktis-Projekt: „Wir haben schon im Dezember erste positive Signale bekommen und bei einer Weihnachtsfeier unserer Arbeitsgruppe darauf angestoßen“, erzählt er. „Wir bekommen das größte Stück vom Kuchen.“ Der Meeresbotaniker, der auf Algen spezialisiert ist, arbeitet seit 2006 an der Uni Bremen und forscht seit vielen Jahren im zu Norwegen gehörenden Spitzbergen in der Arktis. Mit seinem Team hatte er den EU-Antrag für den internationalen Forschungsverbund erarbeitet.

Bischofs bislang zwölfköpfiges Mitarbeiterteam an der Bremer Uni wird nun auf voraussichtlich 15 Personen anwachsen: Drei neue Stellen kommen hinzu. Der größte Teil der Fördermittel werde in Personalkosten und Expeditionen fließen, sagt der Professor.

Artenvielfalt bedroht

„Wir gucken uns verschiedene Fjordsysteme an: klassische Fjorde in Grönland, die noch stark von Gletschern bedeckt sind, Fjorde im Wandel in Spitzbergen, wo das Eis abnimmt und Fjorde in Norwegen, die die Zukunft darstellen – dort gibt es nur noch sehr wenig Eis“, beschreibt Bischof. Erforscht werden sieben verschiedene Küsten- und Fjordgebiete. Das Projekt soll konkrete Daten liefern, was sich durch den Klimawandel in der Arktis verändern wird – dort zeigen sich die Auswirkungen schneller als in anderen Regionen der Erde: „In manchen Gebieten ziehen sich die Gletscher pro Jahr um 150 Meter zurück, das passiert mit enormer Geschwindigkeit“, sagt Bischof.

Bestimmte Braunalgen, die stark an Kälte angepasst sind, würden bei steigenden Temperaturen von anderen Algenarten verdrängt, sagt Bischof. Ähnliches gelte für andere Pflanzen und Tiere. „Südliche Arten werden ozeanische Arten verdrängen, die biologische Vielfalt dieser Fjorde wird stark zurück gehen“, sagt Bischof.

Die indigene Bevölkerung und andere lokale Akteure in der Arktis sollen bei der in Bremen koordinierten Forschung eingebunden werden: „In Grönland werden sich zum Beispiel die Inuit auf den Wandel einstellen müssen“, sagt Bischof. Der Bremer Universität zufolge werden die Lebensgrundlagen indigener Gruppen massiv vom Temperaturanstieg betroffen sein.

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