Neue Lungenstiftung

Einfach mal die Luft anhalten

Über einen „tollen Tag für Bremen“ freute sich Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt. Der Grund: die neue Lungenstiftung Bremen, die sich vor allem der Präventionsarbeit widmen und ein Hospiz errichten will.
27.03.2019, 18:06
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Von Matthias Holthaus
Einfach mal die Luft anhalten

Ein empfindsames Organ: die menschliche Lunge.

Christina Kuhaupt

„Es ist ein guter Tag für Bremen und ein sehr guter Tag für die Gesundheit“, beginnt Roland Kanwicher die Moderation der Auftaktveranstaltung zu den Themenwochen „Lunge“ im Universum, die unter dem Motto „Halt doch mal die Luft an!“ bis zum 2. Juni laufen. Gleichzeitig markiert das Event den Startschuss für die neu gegründete „Lungenstiftung Bremen“, die das Klinikum Bremen-Ost, die Gesundheit Nord (Geno) sowie die AOK Bremen/Bremerhaven ins Leben gerufen haben.

„Es ist wichtig, sich das klarzumachen: Irgendwann haben sich Menschen zusammengesetzt, um was für die Lungengesundheit zu tun“, sagt Kanwicher. Einer dieser Menschen ist Dieter Ukena, Chefarzt des Lungenkrebszentrums des Klinikums Bremen-Ost. Als den „Franz Beckenbauer der Lungengesundheit“ stellt Kanwicher Professor Ukena vor, der sogleich darlegt, warum Bremen eine Lungenstiftung benötigt. „Es geht um Nachhaltigkeit in der Lungenmedizin. Die Lunge ist dafür ausgerichtet, 120 bis 130 Jahre zu halten – eine beeindruckende Dauer“, sagt er, worauf sich sogleich eine weitere Zahl anschließt. „90 Prozent der Lungenkrankheiten sind Umweltfaktoren geschuldet.“ Prävention stehe demnach bei der Lungenstiftung ganz oben auf dem Programm.

Inhalierte Umweltgifte können zu Erkrankungen von Bronchien und Lunge sowie zu Schäden am Herz und den Gefäßen führen, heißt es seitens der Lungenstiftung. „Zu der Gruppe von zehn Krankheiten, die sowohl in Deutschland als auch weltweit am häufigsten zum Tode führen, gehören vier Lungenkrankheiten. Untere Atemwegsinfektionen, COPD (chronisch-obstruktive Bronchitis, Lungenemphysem), Lungenkrebs, Tuberkulose.“ Dabei sei das Rauchen der größte Risikofaktor. „In 80 Prozent der Fälle kann die Zigarette als Auslöser für Lungenkrebs und COPD angenommen werden.“

Aufklärung spielt eine wichtige Rolle

Aufklärung spielt bei der Lungenstiftung eine wichtige Rolle, ebenso die Reduzierung von Umweltschadstoffen. Zudem möchte die Stiftung mit der Errichtung eines Hospizes für schwerst lungenkranke Menschen im Land Bremen dazu beitragen, dass diese Patienten die ihnen verbleibende Zeit möglichst würdevoll, autonom und schmerzfrei verbringen können. Acht bis zwölf Plätze soll dieses Hospiz bereithalten, das auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost entstehen soll. Judith Borsch, Direktorin des Klinikums Bremen-Ost, freut sich darüber. „Wir haben viele Patienten mit Lungenerkrankungen, die meisten davon sind von Lungenkrebs betroffen. Die Ärzte und das Personal bauen Beziehungen auf und sehen, dass da noch mehr gehen würde. Doch in einem Krankenhaus geht so etwas nicht.“

„Atme das Leben“ lautet das Motto der neuen Lungenstiftung. Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt findet es genial: „Weil das jeder macht – atmen. Und die Stiftung finde ich gut, weil sie uns mit dem Gedanken der Prävention verbindet.“ Das Motto sei eine Verpflichtung, „auch an uns selber adressiert, zum Beispiel beim Thema Rauchen. Oder politisch: Muss Nichtraucherschutz vielleicht anders gedacht werden?“ Die Lungenstiftung Bremen möchte ihren Beitrag dazu leisten, was die Senatorin außerordentlich freut: „Ein toller Tag für Bremen!“

Hospiz im Blick

Zu den Beweggründen, warum sich die Gesundheit Nord in der Lungenstiftung engagiert, äußert sich Geschäftsführerin Jutta Dernedde: „Die Geno sieht sich als Teil Bremens. Für uns hat das Thema Daseinsvorsorge eine hohe Bedeutung.“ Zudem hegt sie einen Wunsch: „Dass es mit der Errichtung des Hospizes nicht Jahrzehnte dauert, sondern dass wir das dank der Stiftung in absehbarer Zeit hinbekommen.“

Die AOK selbst veranstaltet Kurse und betreibt Aufklärung zum Thema „Rauchen“, jedoch mit begrenztem Erfolg, wie Olaf Woggan, Vorstandsvorsitzender der AOK Bremen/Bremerhaven, einräumen muss. „Unser Engagement in der Lungenstiftung Bremen ist ein präventiver Ansatz. Ein weiteres Ausprobieren eines weiteren Ansatzes, denn jeder fünfte Versicherte bei der AOK ist lungenkrank.“ Auch Frank Baumann, Geschäftsführer Sport bei Werder, engagiert sich als Botschafter für die Lungenstiftung Bremen.

Im Universum ist es nun möglich, ein begehbares Lungenmodell zu besuchen. Eine Virtual-Reality-Brille ermöglicht eine virtuelle Reise in das Innere der Lunge, zwei plastinierte Lungen zeigen den Unterschied zwischen einer Raucher- und einer Nichtraucherlunge. Ein Alterssimulator zeigt das eigene Gesicht von heute und simuliert den Alterungsprozess, der bei Rauchern unübersehbar in 20 Jahren deutliche Spuren hinterlässt.

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