Machbarkeitsstudie vergeben

Erster Schritt zum Sportstudium an der Uni Bremen

Knapp zwei Jahre nach dem Aus für die Sportlehrerausbildung an der Bremer Uni wird der Wiederaufbau des Studiengangs vorbereitet. Ein Institut in Hannover hat den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie erhalten.
03.01.2020, 05:56
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Erster Schritt zum Sportstudium an der Uni Bremen
Von Jürgen Theiner
Erster Schritt zum Sportstudium an der Uni Bremen

Die Wiederaufnahme des Sportstudiums an der Universität Bremen startet frühestens im Herbst 2022.

Jens Wenzel / dpa

Der Wiederaufbau des sportpädagogischen Studiengangs an der Universität wird konkret. Noch vor der Jahreswende erhielt das Rektorat von der Wissenschaftsbehörde den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen. Außerdem bereitet Kanzler Martin Mehrtens die Berufung einer Planungskommission vor, die das inhaltliche Profil der Sportlehrerausbildung erarbeiten soll.

Bei der Sportpädagogik hatte die Bürgerschaft im vergangenen Jahr eine Kehrtwende vollzogen. Eigentlich war der Studiengang bereits zum 31. März 2018 eingestellt worden, doch noch unter Rot-Grün wurde beschlossen, ihn mittelfristig wieder anzubieten. Diese politische Festlegung findet sich auch im rot-grün-roten Koalitionsvertrag, ebenso im Wissenschaftsplan 2025.

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Wichtige Pflöcke sind also eingeschlagen. Klar ist allerdings, dass Bremen erhebliche Mittel wird aufwenden müssen, um attraktive Studienbedingungen herzustellen. Die Sportanlagen der Uni sind völlig marode. Aufgrund des zwischenzeitlichen Ausstiegs war jahrelang nicht einmal das Nötigste in die Instandhaltung investiert worden. Das noch bestehende Hochschulsportangebot findet deshalb teilweise unter miserablen Bedingungen statt. Die Machbarkeitsstudie soll den Investitionsaufwand für Sanierung und Erneuerung beziffern. Allerdings nur in dem Umfang – und jetzt wird's politisch – , wie ihn die Uni für Studiengang und Hochschulsport benötigen würde.

In der Praxis sind die Anlagen aber nach wie vor stark vom Schul- und Vereinssport ausgelastet. In der Wissenschaftsbehörde geht man von davon aus, dass etwa zwei Drittel des Nutzungsvolumens auf diesen Sektor entfallen. Für Wissenschaftsstaatsrat Tim Cordßen ist deshalb klar, „dass es zu einer fairen Lastenverteilung mit den befreundeten Ressorts kommen muss“, wenn der Schul- und Vereinssport auf den Anlagen in Horn-Lehe auch künftig eine Heimstatt haben soll. Gemeint ist: Angesichts begrenzter Mittel im Wissenschaftsetat müssten auch das Bildungs- und das Sozialressort etwas beisteuern. Darüber soll in naher Zukunft gesprochen werden.

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Für die Sozialbehörde bekundet Sprecher David Lukaßen gegenüber dem WESER-KURIER Dialogbereitschaft. „Ob und in welchem Umfang welches Haus sich dann eventuell beteiligt, wird zu klären sein“, sagt Lukaßen. Zunächst müssten die Grundlagen für eine solche Lastenteilung ermittelt werden, also der aktuelle Zustand der Anlagen, das Ausmaß der künftigen Nutzung durch bestimmte Gruppen und so weiter. Annette Kemp, Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), fasst sich auf Anfrage kurz: „Wir müssen dazu erst einmal einige Grundsatzfragen intern und ressortübergreifend klären und können deshalb dazu noch nichts sagen.“

Die Machbarkeitsstudie, die das Hochschulforschungsinstitut Hannover liefern soll, wird wohl Ende des ersten Quartals vorliegen. Ungefähr um diese Zeit will der Uni-Kanzler auch die Planungskommission beisammen haben, die den Studiengang profiliert. Martin Mehrtens schaut sich dazu bundesweit in der sportwissenschaftlichen Community nach geeigneten Kandidaten um. Etwa ein Jahr, so schätzt Mehrtens, wird die Kommission benötigen, um das fachliche Gerüst für den neuen sportpädagogischen Studiengang zu zimmern.

Der Kanzler geht vorerst davon aus, dass es auf der wissenschaftlichen Leitungsebene drei Professorenstellen geben wird. Für die Ausschreibung dieser Positionen bis zur Vorlage einer Berufungsliste für den Uni-Rektor veranschlagt er weitere sieben, acht Monate. Anschließend müssten die neu ernannten Professoren auf der Grundlage der Vorarbeiten der Planungskommission konkrete Inhalte der Studienprogramme entwickeln.

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Addiert man den zeitlichen Aufwand für die einzelnen Etappen, dann erscheint eine Aufnahme des Studienbetriebs frühestens zum Wintersemester 2022/23 realistisch. Das ist auch die Zielmarke, die Tim Cordßen anpeilt. „Die ersten jungen Leute könnten ihr Studium noch in dieser Wahlperiode aufnehmen“, schätzt der Wissenschaftsstaatsrat. Die Rückkehr des Sportstudiengangs ist nur eine Facette des Ausbaus der Bremer Hochschulen, der seinen Ausdruck im Wissenschaftsplan 2025 findet. Bremen hat sich ehrgeizige Ziele für den Wissenschaftsstandort gesetzt. Am Geld soll es dabei nicht scheitern.

Bis Mitte des Jahrzehnts ist ein Anstieg der Mittel für die Universität und die weiteren akademischen Angebote um 54 Prozent vorgesehen. Angepeilt ist nicht nur ein Ausbau der Studienkapazitäten, sondern auch die Rückkehr in den erlauchten Kreis der sogenannten Exzellenzuniversitäten, die vom Bund mit Extra-Millionen gefüttert werden. Bis 2018 hatte die Bremer Uni den Titel geführt, konnte sich dann aber nicht erneut qualifizieren, weil sie keinen zweiten überregional bedeutsamen Forschungsschwerpunkt neben dem Marum vorweisen konnte.

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