Gärten im Klimawandel Durstige Bäume und Pflanzen versorgen

Wenn die Temperaturen steigen, brauchen Bäume und Pflanzen mehr Wasser. Mit welchen einfachen Mitteln sich das umsetzen lässt, erklären Carsten Siemering und Hartmut Clemen vom Floratrium Bremen.
07.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Carsten Siemering stellt eine Plastikflasche, einen schwarzen Eimer, zwei Blumentöpfe und ein Glas mit tiefschwarzem Kohlepulver auf den Tisch. „Mit diesen einfachen Mitteln lässt sich im Garten enorm viel Wasser sparen“, sagt er. Im Floratrium, dem Lehrgarten des Landesverband der Gartenfreunde Bremen, gibt er als Fachberater gemeinsam mit Hartmut Clemen, Leiter des dortigen Beratungszentrums, Tipps: Was kann jeder im eigenen Garten gegen die zunehmende Trockenheit und Hitze infolge des Klimawandels tun?

„Durch die länger werdenden Wärmephasen verlängert sich auch die Vegetationsperiode: Pflanzen fangen im Frühling früher an zu sprießen, und sie stellen ihr Wachstum im Herbst später ein“, sagt Hartmut Clemen. Denn erhöhte Durchschnittstemperaturen gehen mit verlängerten Trockenperioden einher, die intensiv auf das Pflanzenleben wirken. Und das hat Folgen: „Bäume reagieren auf Hitze- und Trockenstress: Sie werfen ihre Blätter oder sogar ganze Äste ab, und die Obstbäume lassen ihre Früchte früher zu Boden fallen“, sagt Clemen. „Und nicht zuletzt ermöglicht der Klimawandel auch, dass schädliche Insekten, wie Blattläuse oder Raupen, ein bis zwei Generationen mehr im Jahr bilden als sonst.“

Hitze und Trockenheit entziehen dem Boden vor allem mehr Wasser, das Lebenselixier für Pflanzen, das sie über ihre Wurzeln aufnehmen. „Der Gartenbesitzer reagiert darauf wirksam, indem er die Speicherfähigkeit des Bodens für Wasser verbessert“, erläutert Carsten Siemering. Je nachdem, ob es sich um Sand-, Lehm- oder Marschboden handelt, kann der Boden schlecht oder gut Wasser speichern – und diese Bodentypen sind in den Bremer Stadtteilen sehr unterschiedlich verteilt, so Siemering. Für eine gute Wasserspeicherung sei die Dauerhumusschicht, die tiefer im Boden lagert, entscheidend. Durch zu intensive Bodenbearbeitung werde sie jedoch im Laufe der Zeit immer stärker geschädigt und verliere ihre Fähigkeit, das Wasser dauerhaft zu halten.

„Besonders fatal wirkt sich das Umgraben des Bodens auf die Speicherkapazität aus“, sagt Siemering, „denn der Mikrokosmos der Humusschicht mit seinen unzähligen Kleintieren und Mikroorganismen wird durcheinander gebracht und stirbt weitgehend ab.“ Weit besser ist eine flache Bearbeitung des Bodens, die das komplexe Gefüge schont, zum Beispiel durch Grubber oder den sogenannten Sauzahn. Gartenexperte Hartmut Clemen ergänzt: „Durch solchen schonenden Umgang mit dem Boden bleibt auch das feine Netzwerk der Kapillaren im Boden erhalten. Diese feinen Röhren ziehen das Wasser an der Oberfläche in den Boden hinein.“ Die Speicherfähigkeit des Bodens lasse sich aber auch durch eigene Grünabfälle erhöhen, wenn sie als Mulchschicht den Boden bedecken.

„Viele bringen ihre Gartenabfälle zur Deponie, statt sie als Mulch zu nutzen“, sagt Carsten Siemering, „dabei könnte durch das Mulchen die Verdunstung wesentlich verringert werden.“ Und in der Mulchschicht sammelt sich auch der morgendliche Tau, der dem Boden Feuchtigkeit zuführt. Abfälle, die aus dem eigenen Garten stammen, seien dabei weit besser geeignet als etwa Rindenmulch, der zur Versauerung des Bodens beitrage. „Gut lässt sich auch der eigene Rasenschnitt zum Mulchen verwenden“, sagt Hartmut Clemen. „Er sollte allerdings unbedingt vorher einige Tage in der Sonne getrocknet werden, sonst zieht er Nacktschnecken an.“ Viele Gartenbetreiber machen es sich beim Thema Bewässerung leicht: „Das Sprengen von Rasen und Beeten ist natürlich die bequemste Tour“, sagt Carsten Siemering, „doch dabei verdunstet sehr viel Wasser, ohne dass es Pflanzen oder Boden zugute kommt. Weit effektiver ist bodennahes Gießen.“

Carsten Siemering zeigt, wie man mit einfachen Mitteln für ausreichende Bewässerung im Garten sorgen kann: „In eine Plastikflasche wird knapp über dem Boden mit einem Nagel ein kleines Loch gebohrt, und die Flasche wird dann in ein Beet gestellt. Durch Drehen am Schraubverschluss der Flasche lässt sich der feine Strahl Wasser regulieren.“ Um Bäume ausreichend zu bewässern, sind natürlich größere Mengen Wasser nötig: „Da hilft ein Zehn-Liter-Baueimer, in den ebenfalls unten ein Loch gebohrt wird“, sagt Siemering. „Man hängt ihn im Kronenrandbereich der Bäume auf, und das Wasser perlt langsam nach unten.“ Bei größeren Bäumen seien mehrere solcher Eimer sinnvoll.

Aus Südamerika stammt die Idee der „Ollas“: Hochbeete können mit zwei Blumentöpfen bewässert werden, deren Öffnungen aufeinander gestellt werden. Der Zwischenraum wird mit Lehm verschmiert, eine Binde herumgewickelt und das Ganze – nach Trocknung in der Sonne – im Hochbeet eingegraben. Durch das obere Loch im Blumentopf wird schließlich Wasser eingefüllt. „Die feinen Poren im Ton der Blumentöpfe, die unglasiert sein müssen, geben dabei kontinuierlich Wasser ab“, sagt Siemering.

Sorgen diese Methoden für ausreichend Wasserzufuhr, so lässt sich auch die Speicherkapazität des Bodens leicht durch das Einarbeiten von Pflanzenkohle verbessern, die in einem speziellen Verfahren aus Laubhölzern hergestellt wird. „Sie ist das Geheimnis der Terra Preta, der ‚Wundererde‘ aus dem Amazonas“, sagt Carsten Siemering, „denn während gute Gartenerde nur drei bis sechs Prozent Humusanteil enthält, liegt der Anteil bei der Terra Preta bei 20 bis 30 Prozent – der Boden hat damit eine enorme Speicherkapazität.“ Carsten Siemering hält nichts davon, als Reaktion auf den Klimawandel Arten zum Beispiel Obstgehölze aus dem Mittelmeergebiet anzubauen: „Sie kommen in der Regel mit unseren Bodenverhältnissen nicht gut klar und haben einen enormen Wasserbedarf. Grundsätzlich stehen alle Pflanzen bei langer Trockenheit unter Stress“, sagt der Gartenfachmann. Und wie er anschaulich zeigt, gibt es genügend simple und kostengünstige Methoden, mit denen jeder im Garten effektiv Hitze und Trockenheit begegnen kann.

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