Andreas-Gemeinde

Gemeindehaus in Horn-Lehe wird zum Hospiz

Die Gemeindearbeit der Andreas-Gemeinde zieht ins Pfarrhaus und im frei werdenden Gemeindehaus entsteht in Kooperation mit der Mission Lebenshaus ein Hospiz mit acht Plätzen.
16.02.2020, 13:40
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Von Maren Brandstätter
Gemeindehaus in Horn-Lehe wird zum Hospiz

Teile des Gemeindehauses werden nicht mehr genutzt, daher soll hier nun ein Hospiz mit acht Plätzen entstehen.

Petra Stubbe

Im Gemeindehaus der Andreas-Gemeinde sind große Veränderungen geplant. Konzipiert wurde der Bau seinerzeit für rund 8000 Gemeindeglieder – das ist jetzt 52 Jahre her. Inzwischen gehören der Gemeinde nur noch 2800 Mitglieder an. Deshalb möchte sich die Bremische Evangelische Kirche am Standort Werner-von-Siemens-Straße gerne verkleinern. Der Plan: Die Gemeindearbeit findet künftig im Pfarrhaus statt, und aus dem Gemeindehaus wird ein stationäres Hospiz – das vierte in Bremen, das erste im Nordosten.

„Das Gemeindehaus müsste eigentlich umfangreich saniert werden“, berichtet Pastorin Saskia Schultheis. Angesichts der immens gesunkenen Mitgliederzahl stünde eine Sanierung aber wirtschaftlich in keinem Verhältnis mehr zur tatsächlichen Auslastung des Gebäudes. Mehrere Räume würden seit geraumer Zeit überhaupt nicht mehr genutzt, erzählt sie. Auf der Suche nach einer Lösung habe sich eine Kooperation mit der Mission Lebenshaus ergeben, die auf der Suche nach einem Standort für ein stationäres Hospiz war.

Bauantrag ist gestellt

Die gemeinnützige GmbH ist eine Tochter der Inneren Mission und unterhält bereits vier Hospize in Norddeutschland. Nun sollen acht weitere Plätze für unheilbar kranke Menschen im Gemeindehaus der Andreas-Gemeinde entstehen, berichtet Geschäftsführerin Irene Müller. Zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro werde der Umbau voraussichtlich kosten. Die Innere Mission habe den Bauantrag bereits eingereicht. Im nächsten Schritt werde das Vorhaben dem Bauausschuss des Horn-Leher Beirats vorgestellt, erzählt Daniel de Vasconcelos, Leiter der Bildungsakademie bei der Mission Lebenshaus. Stoße das Projekt überall auf Zustimmung, könnte das Hospiz möglicherweise Anfang 2022 eröffnet werden, sagt Müller.

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Ebenso wichtig, wie die offiziellen Entscheidungsträger sind Müller und de Vasconcelos die Bewohner des Stadtteils. „Wir wollen die Bevölkerung unbedingt mitnehmen und nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, betont die Geschäftsführerin. Es habe daher bereits einige Informationsveranstaltungen im Gemeindehaus gegeben, denen weitere folgen sollen. Von den Mitgliedern der Andreas-Gemeinde hat Pastorin Saskia Schultheis bislang ausschließlich positive Rückmeldungen zur Umnutzung des Gemeindehauses bekommen, sagt sie. Natürlich sei auch immer etwas Wehmut dabei, aber für die Idee, ein Hospiz in den Räumen einzurichten, gebe es durchweg Zustimmung.

Zu große Gebäude für zu wenige Mitglieder

Die gibt es auch seitens der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). „Sowohl räumlich als auch inhaltlich gehe ich bei der geplanten Kooperation von einer fruchtbaren Zusammenarbeit aus“, betont Axel Krause, Leiter der Bauabteilung. Angesichts deutlich gesunkener Mitgliederzahlen, müsse sich die BEK inzwischen verstärkt damit auseinandersetzen, was aus derart großen Gebäuden wie dem Gemeindehaus werden soll, sagt er. Da Hospizplätze nach wie vor gesucht seien, hätte sich kaum eine bessere Lösung für die Andreas-Gemeinde finden lassen, so Krause.

Ähnlich formuliert es Friedhelm Pielage, Geschäftsführer beim Bremer Hospiz- und Palliativ-Verband. Er sei höchst erfreut über den möglichen Zuwachs an stationären Hospizplätzen – zumal sie dort entstehen sollen, wo bislang noch ein weißer Fleck auf der Karte ist. „Für die Verwandten der Patienten ist es wichtig, dass sie keine großen Entfernungen für Besuche im Hospiz zurücklegen müssen“, sagt er. Daher sei ein erklärtes Ziel des Verbands, dass es in Bremen ein möglichst flächendeckendes Angebot stationärer Hospizbetreuung gebe. Neben den bestehenden Einrichtungen in Walle und Schönebeck entstehe derzeit gerade eine dritte in Arsten.

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Bevor das Pfarrhaus der Andreas-Gemeinde zum neuen Domizil für die Gemeindearbeit werden kann, muss es allerdings zunächst einmal umgebaut und hergerichtet werden. Bewohnt ist es schon seit längerer Zeit nicht mehr, erzählt Pastorin Saskia Schultheis, die selbst in unmittelbarer Nähe zur Andreas-Gemeinde lebt. Das Wohnzimmer des Pfarrhauses sei groß genug für Veranstaltungen wie zum Beispiel Kirchenvorstandssitzungen und könne bei Bedarf auch geteilt werden, wenn eine entsprechende Vorrichtung installiert werde. Für große Veranstaltungen reiche der Platz im Wohnzimmer freilich nicht aus. „Dann gehen wir wie gewohnt in den Gemeindesaal“, sagt die Pastorin. Der reiche aus für 170 Besucher und sei von den Umbauplänen für das Hospiz nicht betroffen.

Umgewöhnen muss sich die Gemeinde in erster Linie in Hinblick auf die Veranstaltungsplanung, sagt Schultheis. Bislang sei es problemlos möglich, mehrere Veranstaltungen parallel laufen zu lassen – schließlich sei in dem gut 500 Quadratmeter großen Gemeindehaus immer genügend Platz. Der Umzug ins 170 Quadratmeter große Pfarrhaus bedeute in diesem Zusammenhang vor allem, dass künftig klare Absprachen zur Raumbelegung getroffen werden müssen, so Schultheis. Ansonsten habe der Umzugsplan aus ihrer Sicht aber auch viel Charme. „Das Pfarrhaus hat einen direkten Zugang zum Gemeindegarten, den wir insbesondere im Sommer sehr viel nutzen“, sagt sie. Laufe alles wie erhofft, soll der Umzug ins Pfarrhaus zum Ende des Jahres über die Bühne gehen.

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Weitere Informationen

Die Pläne für ein Hospiz in den Räumen der Andreas-Gemeinde werden am kommenden Mittwoch, 19. Februar, um 18.30 Uhr in einer öffentlichen Sitzung des Bauausschusses im Horn-Leher Ortsamt, Leher Heerstraße 105, vorgestellt.

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