825 Jahre Horn-Lehe: Die Geschichte der Kirche reicht bis zur Holländerzeit zurück Gemeindemitglieder mussten mit anpacken

Horn-Lehe. Die Kirche "Ecclesia sancte crucis tom Horne", Kirche vom Heiligen Kreuz zu Horn, wurde im Jahre 1185 erstmals urkundlich erwähnt. In jenem Jahr übertrug Erzbischof Hartwig II dem neugegründeten Ansgariikapitel unter anderem die Kirche in Horn nebst Zubehör und Rechten. Errichtet wurde sie vermutlich etwa 70 Jahre früher durch holländische Kolonisten, die mit ihrem Priester aus der Utrechter Gegend zugezogen waren.
29.11.2010, 05:00
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Gemeindemitglieder mussten mit anpacken
Von Andreas D. Becker

Horn-Lehe. Die Kirche "Ecclesia sancte crucis tom Horne", Kirche vom Heiligen Kreuz zu Horn, wurde im Jahre 1185 erstmals urkundlich erwähnt. In jenem Jahr übertrug Erzbischof Hartwig II dem neugegründeten Ansgariikapitel unter anderem die Kirche in Horn nebst Zubehör und Rechten. Errichtet wurde sie vermutlich etwa 70 Jahre früher durch holländische Kolonisten, die mit ihrem Priester aus der Utrechter Gegend zugezogen waren.

Die Kolonisten entwässerten das weithin versumpfte Gebiet, das heutige Hollerland. Der Name "Ecclesia sancte crucis" erinnert an die Zeit der damaligen Kreuzzüge. Die Worte "Tom Horne" bezeichnen die höchste Stelle der niedrigen, von zwei Wasserläufen begrenzten Lage. Die Kirche wurde aus Granit, rotem Backstein und Tuff errichtet.

Schnell wachsende Bevölkerungszahl

Die Horner Kirche wurde Mittelpunkt eines Kirchspiels, das Oberblockland, Lehesterdeich, Lehe mit Schorf, Horn mit Riensberg und die Vahr mit Achterdiek umfasste. Dieses Gebiet wurde 1835 auf Wunsch des Oberneulander Pastors, der sich wegen der schnell wachsenden Bevölkerungszahl überfordert fühlte, durch Sebaldsbrück ergänzt, das vom Oberneulander Kirchspiel abgetrennt wurde.

Diese Ordnung blieb bis 1937 bestehen, dann wurde Sebaldsbrück selbstständige Gemeinde. Die Horner Gemeinde zählte immer zu den begüterten in Bremen. Im 19. Jahrhundert nahm ihr Wohlstand noch zu, da hier viele reiche Bürger ihre Sommersitze errichteten. Das Kirchenvermögen betrug - neben dem Grundbesitz - 1069 bremische Thaler im Jahre 1640. 1812 war es auf 5711 Reichsthaler angestiegen.

Die Horner Kirche blieb trotz arger Verwüstungen im Schmalkaldischen Krieg (1547) bis 1822 stehen. Dann musste sie wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Am gleichen Ort entstand eine neue Kirche im Stil des klassizistischen Saalbaues unter weitgehender Verwendung des alten Baumaterials. Um den Neubau zu finanzieren, genehmigte der Senat am 27. September 1822 eine öffentliche Sammlung. Diese erbrachte 5184 Reichsthaler. Im Oktober beschloss der Senat außerdem, die Gemeindemitglieder zu Hand- und Spanndiensten beim Neubau heranzuziehen. Eine Beschwerde gegen diese Maßnahme von drei Bürgern wurde abgelehnt. Die Bauarbeiten begannen, und der Grundstein wurde feierlich am 3. Dezember 1822 gelegt. Der Senat übernahm die Kosten von 369 Thalern.

Der ursprünglich im Westen stehende Turm wurde nach Osten verlegt. Bereits am Palmsonntag 1824 konnte die Saalkirche eingeweiht werden. In den Jahren 1866 und 1894 wurde der Bau verändert und einem neo-romanischen Stil angepasst. Dabei entstand eine Apsis (Nische), die Decke mitsamt der Kassettierung wurde erhöht, die Fenster mit ihren oberen Rundungen wurden umgebaut. So entstand der Eindruck einer Basilika.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche Anfang November 1942 durch den nahen Einschlag einer Luftmine derart beschädigt, dass man nach notdürftiger Instandsetzung erstmals 1948 in ihr den Weihnachtsgottesdienst feiern konnte. Die heutige Gestaltung erhielt sie in der Zeit 1951 bis 1962 durch gründliche Renovierung.

Zu lesen ist dies am Schluss-Stein des linken Trägerbalkens neben der Apsis. Auf der rechten Seite befindet sich das Christus-Monogramm. Die Eingangstür zeigt zwei in Holz geschnitzte Reliefs, links der Einzug Jesu in Jerusalem, rechts der Zug der heiligen drei Könige, dem Stern folgend. Im Kirchenraum fällt der Blick gleich auf das über dem Altar aufgerichtete Kruzifix, eine Kupfertreibarbeit. Auch die Kanzel und der Altar sind sehenswert.

Mehr zur Geschichte Horn-Lehes vermittelt die Ausstellung, die im Ortsamt, Berckstraße 10, bis 10. Dezember täglich von 15 bis 19 Uhr zu sehen ist. Der Eintritt ist frei.

Die nächste Folge dieser Serie beschäftigt sich am Montag, 6. Dezember, mit der Horner Schule.

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