Straßennamen

Grüne plädieren für Magdalene-Thimme-Weg

Nun also ein Radweg. Mehrfach hatten die Grünen im Horn-Leher Beirat dafür plädiert, Magdalene Thimme als Namensgeberin auf einem Straßenschild im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Nun ein neuer Vorstoß.
16.10.2019, 18:09
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Von Maren Brandstätter
Grüne plädieren für Magdalene-Thimme-Weg

Magdalene Thimme

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Zwei Jahre später als ursprünglich geplant ist der Fuß- und Radweg zwischen der Riensberger Straße und Neu Schwachhausen fertiggestellt worden. Grund für die Verzögerung war die Generalsanierung des Pumpwerks Horn an der Achterstraße, die eine vorübergehende Umnutzung des besagten Wegs als Baustellenzufahrt mit sich brachte.

Die Grünen-Fraktion im Beirat Horn-Lehe begrüße nicht nur die Fertigstellung der Wegeverbindung ausdrücklich, da sie ihren Nutzern mehr Komfort, Zeitersparnis und Sicherheit biete, erklärt Sprecherin Gudrun Stuck. Sie erachte es darüber hinaus für notwendig, den Weg – ebenso wie den Jan-Reiners-Weg – mit einem Namen zu versehen. Ihr Vorschlag bis zur Stadtteilgrenze nach Schwachhausen: Magdalene-Thimme-Weg. In der Vergangenheit hatten die Grünen bereits mehrfach Magdalene Thimme als Namensgeberin für Straßen in Horn-Lehe ins Spiel gebracht. Sowohl, als es um die Neubenennung der heutigen Gerold-Janssen-Straße im Mühlenviertel, als auch um die Umbenennung der Hinrich-Wriede-Straße in Lehesterdeich ging.

Thimme lebte mehrere Jahre bis zu ihrem Tod 1951 in der Riensberger Straße. Sie unterrichtete ab 1913 am heutigen Kippenberg-Gymnasium, engagierte sich in der Kirchengemeinde Alt-Stephani-Süd und stand hinter dem NS-kritischen Pastor Gustav Greiffenhagen. Sie bezog dem Bremer Frauenmuseum zufolge trotz mehrfacher Abmahnungen offen Stellung gegen die Judenverfolgung. Den Eintritt in die NS-Volkswohlfahrt (NSV) lehnte sie mit der Begründung ab, dass unheilbar Kranke und Nichtarier von der NSV nicht unterstützt würden. Wegen ihrer Haltung gegenüber dem NS-Regime wurde sie 1938 zwangspensioniert.

„Magdalene Thimme ist eine der wenigen Frauen aus Horn-Lehe, die sich nachweislich der NS-Diktatur offen widersetzt haben“, begründet Fraktionsmitglied Michael Koppel den Vorschlag der Grünen. „Mit ihrer Ehrung können wir ein Stück dringend benötigter lokaler Erinnerungskultur leisten.“ Die Grünen fühlten sich mit ihrem Namensvorschlag von der Bremer Bundestagsabgeordneten Elisabeth Motschmann (CDU) unterstützt, die jüngst einen Beschluss des Bundestages unter dem Titel „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus würdigen“ initiiert hat.

Die übrigen Beiratsfraktionen zeigen sich auf Nachfrage größtenteils einverstanden mit dem Vorschlag der Grünen, äußern allerdings zum Teil Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit. „Die CDU wird diesen Vorschlag grundsätzlich unterstützen“, erklärt Sprecher Claus Gülke. Bisher fehle aber noch die Zusage der Stadt, dass ein Rad- und Fußweg einen offiziellen Namen erhalten kann. Auch die SPD-Fraktion begrüße den Vorschlag, teilt Sprecherin Birgit Bäuerlein mit. Ob der Fuß- und Radweg auch aus Sicht der Behörde ebenso bedeutsam wie beispielsweise der Jan-Reiners-Weg und damit eines eigenen Namens würdig sei, werde sich zeigen.

In diesem Punkt zeigt sich Piet Leidreiter (BiW) wenig optimistisch. Er könne die Enttäuschung der Grünen zwar nachvollziehen, dass ihr Vorschlag, die Hinrich-Wriede-Straße in Magdalene-Thimme-Straße umzubenennen, seinerzeit nicht angenommen wurde. „Jetzt aber einen Radweg so zu nennen, um doch noch den Namen zu benutzen, ist nicht zielführend, da Radwege in Bremen keine Namen tragen“, erklärt er.

Die Fraktion der Linken indes geht vorbehaltlos konform mit dem Vorschlag der Grünen. „Gerade angesichts des Wiedererstarkens rechtspopulistischer Parteien, rassistischer Ideologien und eines unerträglichen Antisemitismus‘ erscheint es umso dringender, klare Signale der Zivilgesellschaft zu senden, auch wenn es sich hierbei nur um die Umbenennung eines Fuß- und Radwegs in Horn-Lehe handelt“, betont Sprecher Manfred Steglich.

Der Antrag der Grünen wird im Rahmen der nächsten Beiratssitzung am Donnerstag, 24. Oktober, 19 Uhr, im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde Horn zur Abstimmung gestellt.

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