Mehr als 40 Jugendliche haben während ihrer Ferien in den Laboren des Technologieparks getüftelt Herbstpraktikum an der Bremer Uni

Anstatt ihren Synapsen in der schulfreien Zeit eine Pause zu gönnen, haben sich in den Herbstferien mehr als 40 Schülerinnen und Schüler als Forschende an der Bremer Uni ausprobiert. Ein Praktikum, nach dem manche Jugendliche bereits mit 16 Jahren klare Berufsziele äußern - andere können danach erklären, wozu Ärzte bildgebende Verfahren einsetzen.
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Anstatt ihren Synapsen in der schulfreien Zeit eine Pause zu gönnen, haben sich in den Herbstferien mehr als 40 Schülerinnen und Schüler als Forschende an der Bremer Uni ausprobiert. Ein Praktikum, nach dem manche Jugendliche bereits mit 16 Jahren klare Berufsziele äußern - andere können danach erklären, wozu Ärzte bildgebende Verfahren einsetzen.

Von Sandy Bradtke

Horn-Lehe. Charline (16) aus Arbergen interessiert sich für naturwissenschaftliche Themen. Deshalb hat sie, wie 43 andere Schüler aus Bremen und dem Umland, ein zweiwöchiges Praktikum in ihren Herbstferien absolviert (wir berichteten). Insgesamt fünf Institute des Technologieparks führten die Praktikanten an die verschiedenen naturwissenschaftlich-technischen Berufsfelder heran. Das Projekt, das zum ersten Mal stattfand, wurde von den Schülern der Jahrgangsstufen neun bis zwölf gut angenommen.

Für Charline ist ihr Berufswunsch nach dem Praktikum bei der Bruker Daltonik GmbH nun noch klarer geworden. Das Institut, das sich auf Massenspektrometrie, ein Verfahren zum Messen der Masse von Atomen oder Molekülen, spezialisiert hat, war Initiator des Schülerpraktikums.

"Ich habe einen super Einblick erhalten und bin auf dem richtigen Weg, später einmal in dem Bereich zu arbeiten", sagt Charline. Selbst Arbeitsfelder, von denen die 16-Jährige Schülerin dachte, dass sie sie nicht so interessieren würden, seien dann doch "sehr interessant gewesen".

Charline bastelt an Platinen

Während der zwei Wochen konnte Charline in verschiedene Bereiche wie der Fein- und Elektromechanik hineinschnuppern und selbst mit anpacken. Beim Herzstück des Massenspektrometers hat Charline zum Beispiel die Platinen ausgetauscht und Kabel an- und abgelötet.

Die Elektromechanik hat der 16-jährigen Milena aus Mitte am meisten Spaß gemacht, weil die Schülerin gerne Sachen zusammenbaut. "Mir hat auch gefallen, dass wir einen guten Einblick in die vielen verschiedenen Berufsgruppen bekommen haben", betont sie. Ihr sei vor dem Praktikum nicht klar gewesen, dass so viele Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen so eng zusammenarbeiten würden.

Das Herbstpraktikum bei Bruker hat bei den beiden Schülerinnen einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Weil die Gruppen klein waren, seien die Praktikanten optimal betreut worden, zieht Charline ihr Fazit: "Wir hoffen auch, dass das Herbstpraktikum ein fester Bestandteil wird, damit viele Schüler so einen Einblick bekommen." Auch die Erwartungen des 14-jährigen Mathis seien "auf jeden Fall erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen worden", wie er sagt. Der Schüler hat sein Praktikum im Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie absolviert und mit verschiedenen Seeproben experimentiert.

Birthe (16) und Katrin (17) haben im Max-Planck-Institut unterschiedliche Bakterienarten untersucht. Um Bakterien unter dem Mikroskop zählen zu können, "müssen sie mit einer Wellenlänge angeregt werden", erklärt Birthe. Neben einer Probe aus dem nächst gelegenen See und einer Mineralwasserprobe, untersuchten die Mädchen auch das Leitungswasser, das aus den Hähnen des Instituts kommt. Wie erwartet wies das Mineralwasser kaum Spuren von Bakterien auf, das Seewasser dagegen fanden sich vielfältige Spuren. Die Auswertung der Leitungswasserprobe hielt allerdings eine kleine Überraschung für die Forscherinnen bereit: "Da war ziemlich viel drin, das haben wir so nicht erwartet", berichtet Katrin.

Merle (18) hat sich über den Ablauf ihres Praktikums an der Universität Bremen ein wenig gewundert. Für die zwölf Praktikanten der Uni standen verschiedene Bereiche der Physik auf dem Programm. Das sei kein typisches Praktikum gewesen, sagt Merle: "Meine Vorstellung war, dass mich jemand mitnimmt und mir zeigt, was er auf der Arbeit so macht." Dass sie selbst viel ausprobieren durfte, habe sie dabei positiv überrascht.

Gitarrenschwingungen messen

Der Aufgabenzettel eines Experiments, bei dem das Schwingen von Gitarrensaiten gemessen wurde, hat Merle zuerst ein wenig zu schaffen gemacht: "Beim Durchlesen habe ich zunächst nichts verstanden. Erst durch das Experimentieren ist mir klar geworden, was ich da eigentlich mache."

Vincent (15) und Julian (17) durften bei der Mevis Medical Solutions AG, einem Hersteller von Softwareprodukten für die bildbasierte Medizin, die IT-Administration unterstützen. Außerdem lernten sie eine Software zur Darstellung von Nervenfaserbündeln kennen, das für die Diagnose von Tumoren häufig zum Einsatz kommt. "Bevor der Arzt einen Tumor entfernen kann, muss er wissen, wo sich die Nervenbündel befinden", erklärt Vincent. Werden Bündel beschädigt, könne das zum Beispiel Auswirkungen auf das Sprechen des Patienten haben.

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