Baugenehmigung fehlt

Im früheren Hotel Horner Eiche sollen Studentenwohnungen entstehen

Im früheren Hotel Horner Eiche sollen 71 Studentenappartments entstehen – möglichst zum Semesterbeginn. Im Moment fehlt allerdings noch die Baugenehmigung.
06.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Im früheren Hotel Horner Eiche sollen Studentenwohnungen entstehen

Eigentümer Amer Sandawi (links) und Architekt Florian Brüger lassen das frühere Hotel aufwendig sanieren.

Roland Scheitz

Die Hotelzimmer der ehemaligen Horner Eiche sind Geschichte – in den fünf Etagen des Gebäudes gibt es fast keine Wände mehr. Eigentlich wollte Amer Sandawi das Gebäude nur renovieren und die Hotelzimmer in Studentenappartements umbauen. Nach der Übergabe im vergangenen September habe sich aber schnell gezeigt, dass die Baustelle größer werden würde als zunächst gedacht, erzählt der neue Eigentümer.

Bis aufs Grundgerüst soll nun alles raus. 20 Container Bauschutt sind schon abtransportiert worden, berichtet Architekt Florian Brüger. Die meisten Probleme habe der mangelhafte Brandschutz verursacht. Aber auch die Schalldämmung sei völlig unzureichend gewesen, sowohl was den Fußboden als auch die Wände betreffe. Außerdem seien die Leitungen teilweise nicht fachgerecht verlegt gewesen, zählt Brüger weiter auf. Unterm Strich habe somit schnell festgestanden, dass es um Sanierung und nicht um Renovierung gehen werde.

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Feinsäuberlich getrennt stapeln sich auf allen Etagen Glaswollmatten, alte Heizkörper und Metallständer, die bisher die Leichtbauwände gehalten haben. Die Fußböden sind schon raus, nur noch das Rillenmuster des Fliesenklebers ist zu sehen. Sandawi plant als neuen Belag Vinyl in Parkettoptik, darunter eine Fußbodenheizung und Trittschalldämmung. Am Ende soll das Gebäude einem Neubau mit Kfw-55-Standard gleichen.

Es sei sein erstes Studentenwohnheim, erzählt der Bauherr. Eigentlich spreche er im Vorfeld eines Bauprojekts immer gerne in den jeweiligen Beiräten vor, um sich zu informieren, welche Nutzung am jeweiligen Standort am meisten Sinn mache. Im Fall der Horner Eiche habe er sich diesen Schritt ausnahmsweise gespart. Angesichts der Raumstruktur, der Nähe zur Universität und der Nachfrage sei ein Wohnheim für Studierende einfach naheliegend gewesen.

NOS Im Hollergrund ehemalige Hotel Horner Eiche Umbau zum Wohnheim für Studenten

Horner Eiche: Erst Hotel, dann Akademie, demnächst Studentenwohnheim.

Foto: Roland Scheitz

Gebäude steht seit 2017 leer

Über dem Eingang des früheren Hotels, Baujahr 1996, hängt noch das Schild mit der Aufschrift Jugendhilfe- und Bildungseinrichtung. Ab 2015 residierte hier die Akademie Kannenberg mit einer Unterkunft für junge Geflüchtete. Seit der Träger 2017 Insolvenz anmelden musste, steht das Gebäude leer. Die monatliche Miete in Höhe von rund 35.000 Euro musste das Sozialressort dennoch weiterzahlen, da die Immobilie bis 2028 angemietet worden war. Aufgrund der mangelhaften Brandschutzvorkehrungen kam es vor einem Jahr zum Rechtsstreit mit den Eigentümern, der schließlich mit einem Vergleich endete: Die Stadt Bremen zahlte rund eine Million Euro an die Vermieter, die im Gegenzug die fristlose Kündigung anerkannten.

Eingeschlossen in die Kündigung war das vom Ressort ebenfalls als Flüchtlingsunterkunft angemietete frühere Hotel Deutsche Eiche an der Lilienthaler Heerstraße. Das befindet sich inzwischen ebenfalls in Sandawis Besitz. Der 42-Jährige denkt darüber nach, das Gebäude abzureißen. Was genau an dem Standort entstehen soll, weiß er noch nicht. Wahrscheinlich kleine Wohnungen, vielleicht gemischt mit Studentenappartements – man werde sehen.

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Sandawi würde gerne ein Staffelgeschoss mehr bauen, als es der Bebauungsplan derzeit hergebe, sagt er. Am liebsten würde er auch noch das Grundstück des benachbarten Gebäudes an der Einmündung zum Autobahnzubringer mit einbinden, das seit Jahren leer steht. Allerdings habe ein Gespräch mit dem Eigentümer ergeben, dass derzeit kein Verkauf geplant sei, berichtet er.

In acht Monaten – pünktlich zum Semesterbeginn – will Sandawi die ehemalige Horner Eiche gerne fertig zur Schlüsselübergabe haben. Dann sollen hier 71 vollmöblierte Studentenappartements bezugsfertig sein. 400 bis 450 Euro warm soll ein Appartement im Monat kosten. „Je nach Größe“, sagt er. Die liege zwischen 20 und 30 Quadratmetern. Im Moment wartet er allerdings noch auf die Baugenehmigung. „Die Gewerke stehen alle in den Startlöchern“, sagt Sandawi. Als letzte Instanz habe vergangene Woche der Horn-Leher Bauausschuss sein Okay zum Nutzungsänderungsantrag gegeben.

Keine Favorisierung für die Nachnutzung

„Für den Ausschuss gab es keine Einwände, einer Nutzung als studentischen Wohnraum zuzustimmen“, berichtet Ausschusssprecher Dirk Eichner auf Nachfrage. Der Ausschuss habe es vergangene Woche einhellig begrüßt, dass das Gebäude nicht weiter leer stehen werde. Eine Favorisierung für die Nachnutzung habe es nicht gegeben, „aber in Anbetracht der Wohnsituation im Bereich des studentischen Wohnens, war der Ausschuss mit dieser beabsichtigten Nutzung sehr einverstanden“, betont er. Bedenken habe es keine gegeben, da alle Fragen zur Verkehrssituation und Ausstattung der Wohneinheiten durch den Architekten nachvollziehbar beantwortet worden seien. „Wichtig ist es für den Ausschuss, dass bezahlbare Wohneinheiten entstehen – aber das ist Sache des Betreibers“, sagt der Sprecher.

Dass Sandawi neben der Horner auch die frühere Deutsche Eiche gekauft hat, habe der Ausschuss ebenfalls in der vergangenen Woche erfahren, erzählt Eichner. Der Ausschuss hofft nun, dass auch dieser Leerstand bald beendet sein wird. Insbesondere weil der Standort eine vergleichsweise zentrale Lage im Quartier habe.

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