Aufführung Inferno 2.0

Schülerinnen und Schüler der Gymnasialen Oberstufe der Oberschule an der Ronzelenstraße interpretiert Klassiker neu. Aufführung am heutigen Donnerstag, 1. März.
01.03.2018, 05:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Ulrich

Angefangen hatte es ganz harmlos. Frank Salewski, Lehrer für Geschichte, Politik und darstellendes Spiel an der Oberschule an der Ronzelenstraße, hatte seinen Schülerinnen und Schülern ein paar Verse aus Dantes Komödie vorgestellt. Es ergab sich eine angeregte Diskussion und er regte an, einige Stellen des Textes szenisch umzusetzen. Die Klasse war begeistert. Bald entstand der Wunsch, eine ganze Aufführung daraus zu entwickeln. Die Klasse begann daran zu arbeiten, wie ihr Lehrer berichtet mit überdurchschnittlichem Einsatz.

Der Originaltext ist selbst in deutscher Übersetzung schwer zu lesen. Deshalb haben sie die Szenen eingedampft und in die Jetztzeit übertragen. Sie benutzen Gegenwartssprache und scheuen auch die ein oder andere Grobheit nicht. Dante hätte vermutlich seine Freude daran.

Im Original vom Anfang des 14. Jahrhunderts besteht das Stück aus einem Prolog und drei Teilen von je 33 Gesängen. Das Schülerstück bildet die Jenseitsreise des Dante Alighieri ab. Es beginnt im Inferno, also in der Hölle, führt über den Anstieg auf den Berg der Läuterung und endet im Paradies. Die Klasse hat mit ihrem Lehrer knappe, plakative Szenen entwickelt, die sehr schnell zum Kern der Geschichte vordringen. Als Schauplatz für das Inferno wurde ein klassisches "Irrenhaus" gewählt. Die faschistische Leiterin führt ein strenges Regiment und hat offenbar Spaß daran, ihre Patienten zu quälen. Dante trifft die Patientin Beatrice – sie verlieben sich ineinander. Die Leiterin der Anstalt tötet Beatrice. Dante kann den Verlust nicht überwinden. Beatrices Schatten begleitet ihn auf seiner weiteren Jenseitsreise. Erst nach dem sie ins Paradies aufsteigt, kann Dante ihren nun endgültigen Tod akzeptieren.

Das Stück zeigt auch ein multimediales Element, einen kurzen Film von Luca Meyer. Er visualisiert die Szene, in der Dante sich im Wald verirrt – dem Ausgangspunkt der Geschichte. Im Original kommt Dante vom rechten Weg ab und begegnet den Sinnbildern für Wollust, Hochmut und Habgier.

Luca Meyer setzt die Waldszene eindrucksvoll um. Mystische Stimmungen, gekonnt montiert und musikalisch verstärkt, deuten bei Luca Meyer auf ein außergewöhnliches Talent hin. Was bedeutet ihm die Arbeit an dem Stück? „Es ist ja hier bekannt, dass ich seit einigen Jahren hobbymäßig sehr intensiv filme. Deshalb habe ich mich dafür gemeldet und viel Spaß daran gehabt, diese Traumsequenz zu entwickeln und zu drehen. Der Film wird im Stück nach Beatrices Tod gezeigt. Deshalb wiederholt sich ihr Tod auch im Traum noch einmal.“ Luca Meyer spielt auch den Protagonisten, Dante Alighieri – ruhig, unaufgeregt, beobachtend und sehr präsent. Die Szene, in der er und Beatrice sich verlieben, spielt er leise und gleichzeitig intensiv. Was hat ihm die Arbeit an dem Stück bedeutet?

„Für mich war am beeindruckendsten, wie sehr wir in der Arbeit an unserem ersten Stück zusammengewachsen sind. Wir sind als Team sehr viel stärker geworden. Das war richtig gut.“ Hanna Bachmann spielt die böse Ärztin, die das Irrenhaus leitet. „Ich spiele eine Ärztin, die keinen Namen trägt“, sagt sie. „Wir haben unser Stück ja nach Dante Alighieri erzählt, allerdings abgewandelt und in eine neue Form gebracht." Inhaltlich gehe es immer noch darum, dass Dante durch Hölle, Fegefeuer und Läuterung, durch die verschiedenen Bereiche des Jenseits geführt wird und am Ende seine Freundin verliert. "Das Gute ist, dass wir an dem Stück mitarbeiten konnten, dass wir es ein bisschen vereinfachen konnten – Das Original ist ziemlich kompliziert.“ Antonia Bruhns ergänzt: „Für mich war auch die gemeinsame Arbeit an der Entwicklung des Stücks sehr wichtig. Ich finde auch die Idee mit diesem Irrenhaus sehr gut, weil wir ja alle auch ein bisschen durchgeknallt sind. Da war es für jeden möglich, seine Rolle zu finden.“ Die Arbeit war, das sagen alle, eine wirkliche Bereicherung. Besonders die Art und Weise, wie mit unterschiedlichen Meinungen umgegangen wurde, hat die Schauspieler beeindruckt. „Wir waren nämlich nicht immer einer Meinung. Weder mit Herrn Salewski noch untereinander. Und es war immer möglich, darüber zu sprechen und einen Kompromiss zu finden, dem alle zustimmen konnten.“ Ihr Lehrer freut sich darüber, dass die Schülerinnen und Schüler ein überdurchschnittliches Engagement zeigen, und dass er in ihnen eine Begeisterung entfachen konnte. Die Klasse ist ganz offenbar stolz auf das Erreichte und freut sich auf die Premiere.

Wer die Premiere verpasst, sich aber für die Arbeit in der gymnasialen Oberstufe der Ronzelenstraße interessiert, hat am 15. März dazu Gelegenheit, am Abend der gymnasialen Oberstufe. Dann werden die Highlights der Arbeit des vergangenen Schuljahres in den Fächern Kunst, Musik und darstellendes Spiel gezeigt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Aula und dauert etwa zwei Stunden.

Dantes Inferno 2.0, hat am 1. März 2018 um 19.30 Uhr in der Aula der Oberschule Premiere, Ronzelenstraße 51.

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